„Liebe ist ein Zustand vorübergehender Psychose“, sagte Siegmund Freud und wird am Anfang von „Finding Emily“ auch gleich zitiert. Hier geht es darum, was man für die Liebe tun kann, aber auch die Liebe selbst wird in Frage gestellt. Natürlich rein theoretisch, denn in der Praxis befindet man sich in einer Romcom, die als britische Produktion den US-Kollegen aber ein, zwei Nasenlängen voraus ist. Das Ganze wirkt weniger kitschig.
Über den Film
Originaltitel
Finding Emily
Deutscher Titel
Finding Emily
Produktionsland
GBR,USA
Filmdauer
111 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Tim Bevan, Eric Fellner, Olivier Kaempfer
Regisseur
Alicia MacDonald
Verleih
Universal Pictures International Germany GmbH
Starttermin
10.09.2026
Owen lernt eine junge Frau in einem Club kennen. Emily heißt sie und gibt ihm ihre Nummer, aber als er am nächsten Tag anrufen will, merkt er, dass eine Zahl fehlt. Er geht als an die Uni, an die Emily gehen soll und beginnt, sie dort zu suchen. Er findet eine Emily, allerdings eine andere, die gerade ihre Abschlussarbeit schreibt und fasziniert von seiner Suche nach seiner Emily ist. Darum will sie ihm helfen, sagt ihm aber nichts davon, dass sie ihn zum Fokus ihrer Abschlussarbeit macht, in der es darum geht, dass Liebe Wahnsinn ist und immer mit Selbstsabotage zusammenhängt. Die Suche beginnt, ist aber mit Komplikationen verbunden, und das nicht nur, weil mehr als 300 Emilys an der Uni sind …
Grundsätzlich erfindet „Finding Emily“ das Rad nicht neu. Der Film läuft nach dem immer gleichen Romcom-Muster ab, bis hin zu dem Moment, da sich die Liebenden kriegen sollen, dann aber eine Offenbarung alles in Frage stellt. Das ist der letzte Akt, bei dem es dann um die große Entschuldigung und Versöhnung geht. Nicht, dass wir hier vorgreifen würden, es ist von Anfang an klar, in welche Richtung der Film geht. Aber wie er das macht, ist sympathisch.
Der Kontrast zwischen der studierenden Emily, gespielt von Angourie Rice, und dem Tontechniker, gespielt von Spike Fearn, ist groß, aber Gegensätze ziehen sich eben auch an. Die Suche ist amüsant gestaltet, und das vom ersten Augenblick an. Die Situation eskaliert aber auch immer mehr. Die Glaubwürdigkeit wird hier und da ein wenig strapaziert, zugleich funktioniert der Film aber auch, weil er zeigt, welche Reaktionen Owens Suche heraufbeschwört.
Da spielt der Film auch damit, wie eine gute Absicht ins Gegenteil verkehrt werden kann – in den Augen anderer. Zugleich schafft er es aber, diejenigen, die Owens Verhalten als toxische Maskulinität verstehen („Hast du schon mal daran gedacht, dass sie dir absichtlich die falsche Nummer gegeben hat?“) nicht als Antagonisten abzustempeln, sondern den anderen Blickwinkel verständlich zu machen.
In erster Linie ist „Finding Emily“ aber einfach eine sympathische Romcom, deren bester Moment eine Fahrt von Owen mit seinem Bruder ist, bei der Tom Tom Clubs Song „Wordy Rappinghood“ als wundervoller Kommentar auf den ganzen Film dient.
Peter Osteried







