Flame & Citron

Die dänisch-deutsche Koproduktion zeigt die wahre Geschichte zweier Widerstandskämpfer, die während des Zweiten Weltkrieges in Kopenhagen gegen einheimische Kollaborateure und die Gestapo kämpfen. Ein intensives Drama und die tragische Heldengeschichte zweier dänischer Nationalhelden mit Thure Lindhardt und Mads Mikkelsen in der Hauptrolle.

Webseite: www.nfp.de

Dänemark/Deutschland 2008
Regie: Ole Christian Madsen
Buch: Lars K. Andersen & Ole Christian Madsen
Darsteller: Mads Mikkelsen, Thure Lindhardt, Christian Berkel, Peter Mygind, Stine Stengade, u. a.
Länge: 120 Minuten
Verleih: NFP
Kinostart: 4.9.2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die Vergangenheitsbewältigung war in den letzten Jahren eines der Lieblingsthemen deutscher Filmemacher, vor allem das Dritte Reich und seine schillernden Persönlichkeiten fanden sich des Öfteren auf hiesigen Leinwänden wieder. Wie passend, dass Regisseur Ole Christian Madsen nun die wahre Geschichte zweier dänischer Nationalhelden und Kriegsgegner festhält, die im Studio Babelsberg gedreht wurde und als dänisch-deutsche Koproduktion zu einem großen Teil mit deutschen Filmfördergeldern finanziert wurde. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte wird also fortgesetzt. Aus gutem Grund, denn „Flame & Citron“ beschränkt sich in seiner Erzählweise nicht nur auf die dänische Seite, sondern steht im ständigen Kontext zur Seite der Besatzer – den deutschen Nationalsozialisten.

Die Geschichte setzt ein im Sommer 1944. Die Mehrheit der dänischen Bevölkerung duldet still schweigend die Belagerung der Deutschen und hofft auf ein baldiges Kriegsende. Im Untergrund regt sich dennoch Widerstand. Der 23-jährige Rotschopf Flame (Thure Lindhardt) und sein zehn Jahre älterer Partner Citron (Mads Mikkelsen) liquidieren kaltblütig dänische Kollaborateure, die von ihrem vermeintlich regierungstreuen Auftraggeber Winther (Peter Mygind) ausgewählt werden. Doch nicht alles läuft nach Plan. Als die Ermordung des Chefs der deutschen Abwehr, Gilbert (Hanns Zischler), fehlschlägt, beginnen die beiden Killer, an ihren Taten zu zweifeln. Für noch mehr emotionale Verwirrung sorgt die zwielichtige Ketty (Stine Stengade), eine überraschend gutmütige femme fatale, die unerwartet in das Leben von Flame tritt und schließlich ins Visier des Widerstands gerät.

Ole Christian Madsen inszeniert sein Helden-Drama ohne falsches Pathos, dafür aber mit den Mitteln eines gelungenen Spionage-Thrillers. Verschachtelt in der Erzählweise, rekonstruiert er die Geschichte eines dänischen Mythos um zwei Persönlichkeiten, die in ihrem eigenen Handeln irgendwann den Irrsinn des Krieges entdecken. Gefangen in einer Spirale der Gewalt, müssen die Helden erfahren, dass sie nicht einmal ihren eigenen Leuten vertrauen können, sogar Gestapo-Chef Hoffmann (Christian Berkel) ist nicht mehr als klares Feindbild auszumachen. So konzentriert sich „Flame & Citron“ auf die undurchsichtigen Aspekte der psychologischen Kriegsführung, in der Doppelagenten und Kollaborateure gleichzeitig zu Verbündeten und Feinden werden. 

Kameramann Jørgen Johansson taucht seine Bilder dabei stets in bedrohlich-dunkle Schatten, die mit Originalaufnahmen aus der deutschen Besatzungszeit abgewechselt werden. Die Rolle von Mads Mikkelsen – dessen Gesicht seit seiner Rolle als Bösewicht im letzten James-Bond-Film „Casino Royale“ eine Spur bekannter geworden sein dürfte – steht hier auffällig im Schatten von Thure Lindhardt („Was nützt die Liebe in Gedanken“), der den jungen Flame mit kühler Zurückhaltung aber höchster Entschlossenheit spielt. Die Komplexität ihrer beiden Charaktere spiegelt dabei den Krieg wider, der – wie jeder Krieg – fanatisch und zum Scheitern verurteilt ist und dennoch seine Helden feiert.

David Siems