Flamenco Flamenco

Fünfzehn Jahre nach seinem großen Erfolg „Flamenco“ macht sich der spanische Regisseur Carlos Saura an eine Neuauflage, eine Weiterführung. Erneut zeigen einige der besten Flamencotänzer-, musiker und -sänger die ganze Bandbreite ihrer Kunst, eingefangen in stimmungsvolle Bilder. Allerdings ohne jeglichen Kontext, so dass „Flamenco Flamenco“ in erster Linie ein Film für Kenner ist. Die allerdings werden begeistert sein.

Webseite: www.kairosfilm.de

Spanien 2010
Regie: Carlos Saura
Buch: Carlos Saura
Kamera: Vittorio Storaro
Darsteller: Paco de Lucía, Manolo Sanlúcar, José Mercé, Estrella Morente, Sara Baras, Miguel Poveda, Israel Galván, Eva la Yerbabuena
Länge: 90 Minuten
Verleih: Kairos
Kinostart: 23. August 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Neben Stierkampf, Tapas und Don Quijotte dürfte der in Andalusien entstandene Flamenco der bekannteste Exportartikel Spaniens sein. Aus Gesang, instrumentaler Musik – besonders mit der Gitarre – und natürlich dem Tanz setzt sich die traditionelle Kunst zusammen, die ebenso von arabischen Einflüssen geprägt ist, wie von Elementen der Romakultur.

In seinen zahlreichen Filmen hat sich der legendäre spanische Regisseur Carlos Saura immer wieder mit dem Flamenco beschäftigt, mal als musikalischer Hintergrund, mal in Dokumentarfilmen. 1995 entstand mit „Flamenco“ einer seiner weltweit größten Erfolge, der im Rahmen einer fiktiven Geschichte die historische Entwicklung des Flamenco nachzeichnete. Fünfzehn Jahre später hat der in diesem Jahr 80 gewordene Saura sein damaliges Team erneut versammelt und mit „Flamenco Flamenco“ eine bildgewaltige Fortsetzung gedreht. Wobei Fortsetzung nicht ganz das richtige Wort ist: Neuinterpretation, Weiterführung, aktuelle Bestandsaufnahme, all das trifft es eher. „Flamenco Flamenco“ ist vieles, aber vor allem eine visuell beeindruckende Hommage an eine ganz besondere Kunst.

Zusammen mit seinem musikalischen Leiter Isidro Muñoz suchte Saura in der aktuellen Flamenco-Szene nach examplarischen Künstlern, die zwar auch die sich neu entwickelnden Stilrichtungen andeuten, vor allem aber die ganze Bandbreite der Kunst darstellen. Neben Gitarristen wie Paco de Lucia oder Manolo Sanlúcar tritt die Sängerin Estrella Morentea auf, dazu Tänzerinnen wie Sara Baras oder Eva la Yerbabuena und viele andere. Die Nummer reihen sich aneinander, narrativ ohne Kontext, allein ein durch die Kullissen angedeutender Wandel von Tag und Nacht verbindet die Episoden überaus lose. Dass hier der Zyklus des Lebens von der Geburt bis zum Tod angedeutet werden soll, erschliesst sich kaum, macht aber auch nichts.

Gedreht hat Saura in den Kullissen des ehemaligen EXPO-Geländes in Sevilla, dessen modernistische Architektur hinter Gemälden mit Flamenco-Motiven verschwindet. Diese reine Bühnenform, die eine Nummer an die andere reiht, könnte leicht langweilig werden, hätte Saura nicht einen Mann an seiner Seite, der nicht umsonst als Meister des Lichts bezeichnet wird: Der legendäre Kameramann Vittorio Storaro, der für Coppola, Bertolucci, Beatty und etliche andere immer wieder atemberaubende Lichtspiele auf die Leinwand gezaubert hat.

Und auch hier, trotz des reduzierten Settings gelingt es Storaro mit extrem manierierten Farben und Licht, die Sinnlichkeit des Flamencos noch zusätzlich zu betonen. Mal werden die Tänzerinnen in sattes, rotes Licht getaucht, dann erstrahlen sie in den goldgelben Farben des Morgens, mal tanzen sie im Regen, mal arbeitet Storaro mit Schattenspielen und zieht dabei alle Register der Lichtsetzung.

Fraglos ist “Flamenco Flamenco” in erster Linie ein Film für Kenner und Fans des Flamencos. Doch dank der Vielzahl brillanter Künstler, deren Qualität sich auch dem Laien unweigerlich erschliesst und den außerordentlichen Bildern, die Vittorio Storaro eingefangen hat, ist Carlos Saura einmal mehr ein Film gelungen, der alle Sinne anspricht.

Michael Meyns