Paris – Manhattan

Romantische Komödien haben ihre eigenen Gesetze: Es wird erwartet, dass am Ende Frau und Mann sich finden und der Weg dorthin gepflastert ist mit witzigen Dialogen, hübschen Missverständnissen und geschmackvollen Komplikationen. Am wichtigsten jedoch für das Gelingen einer romantischen Komödie ist die durchgängig angenehme Atmosphäre. Sophie Lellouche hat das alles wohl bedacht und serviert mit ihrer Geschichte über eine Frau, die als Woody Allen-Fan den passenden Mann fürs Leben sucht, eine charmante Hommage an ihr großes Vorbild. Ein Film, der vom Anfang bis zum selbstverständlich harmonischen Schluss für gute Laune sorgt.

Webseite: www.senator.de

Frankreich 2012
Drehbuch und Regie: Sophie Lellouche
Darsteller: Alice Taglioni, Patrick Bruel, Marine Delterme, Louis-Do de Lencquesaing, Michael Aumont, Marie-Christine Adam und natürlich: Woody Allen als Woody Allen
Kamera: Laurent Machuel
Musik: Jean-Michel Bernard
Länge: 77 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 4. Oktober 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Frauen mit Humor haben es schwer. Wenn sie zusätzlich gebildet sind und aus einer jüdischen Familie kommen, wird es noch schwieriger. Das bekommt auch die Apothekerin Alice zu spüren, die zusätzlich ein weiteres Manko hat: Sie ist Woody Allen-Fan, ein Ultra sozusagen, denn sie pflegt in ihren stillen Stunden das Zwiegespräch mit dem Meister, der sie von Kindheit an begleitet und ihr in allen Lebenslagen Trost und Rat spendet – ganz gleich, ob es um ihre durchgeknallte Familie oder um unglückliche Liebschaften geht. Woody Allen ist Alices bester Freund, einer, auf den sie sich hundertprozentig verlassen kann. Genauer gesagt: Sie hat eigentlich niemand anderen. Natürlich kennt Alice alle seine Filme, und sie gibt den Kunden ihrer Apotheke gern mal anstelle von Medikamenten eine geeignete Allen-DVD mit. Die Wirkung ist enorm! Da ist es doch eigentlich ganz normal, wenn sie ihre Freunde und Lover danach aussucht, ob sie ebenfalls Woody Allen mögen. Gerade hat sie sich mal wieder verliebt – und diesmal sieht es gut aus, denn der wunderhübsche, liebenswürdige Vincent scheint ein wirklich geeigneter Kandidat zu sein, sogar in den Augen von Alices kritischer Familie. Doch da gibt es auch noch diesen Victor, einen geradezu erschütternd normalen Kerl, der keinen einzigen Woody Allen-Film gesehen hat und irgendwie gar nicht so richtig an Alice interessiert zu sein scheint …

Ein weiteres Gesetz der romantischen Komödie besagt: Wenn eine Frau die Wahl hat zwischen einem schönen, charmanten Mann und einem anderen, der nicht ganz so schön, aber dafür normal und bodenständig ist, dann nimmt sie den normalen. Schöne Männer sind nämlich – so lautet die Regel – beziehungsunfähige, verlotterte Vollpfosten. Diese Weisheit gilt nicht nur im Film, sondern, wenn es nach Müttern und Großmüttern geht, sogar im richtigen Leben. Vielleicht auch als Trost für Männer mit Waschbärbauch und Haarausfall. Auch hier wird, trotz aller Widerstände, Verwirrungen und Missverständnisse, recht schnell klar, dass Victor und Alice sich finden werden. Trotz dieser Gewissheit macht es viel Spaß, ihnen dabei zuzuschauen. Denn – siehe romantische Komödie – der Weg ist das Ziel! Wie es Vincent gelingt, Alices Herz zu erobern, und umgekehrt, wie Alice schließlich zum großen Glück findet, nebenbei ihre nach außen perfekte Familie durchschaut und selbstständig wird, das ist zwar manchmal etwas arg verwickelt, aber immer hübsch anzusehen. So sind am Schluss alle glücklich: die Hauptfiguren, das Publikum und sogar Woody Allen, der sich selbst spielen darf und in feiner Selbstironie höchstpersönlich dem Paar seinen Segen gibt.

PARIS-MANHATTAN ist ein hoffnungsvolles Filmdebüt. An Sophie Lellouches Inszenierung erkennt man – trotz einiger unvermeidlicher Anfängerfehlerchens – auf Anhieb die Komödienbegabung: gut gezeichnete, facettenreiche Charaktere, witzig flotte Dialoge mit vielen schönen Zitaten und eine sicher getimte Geschichte voller komischer Konflikte. Zusätzlich bietet der Film französischen Charme, einen angenehm untouristischen Blick auf Paris und – ganz dem Vorbild nachgeeifert – einen liebevollen Soundtrack. Insgesamt also ein geistreiches Vergnügen, das von einer Garde hierzulande (noch) eher unbekannter Darsteller präsentiert wird. Alice Taglioni spielt die Hauptrolle der Apothekerin Alice. Sie ist ganz in Woody Allen-Manier eine hoch neurotische und hoch intelligente Person. Dabei verfügt sie über die natürliche Eleganz einer Frau, die weiß, wie sie auf andere wirkt, und die es nicht nötig hat, sich aufzubrezeln. Das ist sehr französisch, aber auch wiederum sehr Woody Allen-like. Zwischen Ratlosigkeit und Entschlossenheit, ohne großes Brimborium ist sie ganz die moderne Pariserin, die es gelernt hat, sich zu kontrollieren – und dennoch anrührend als starke Frau, die auch einmal in den Arm genommen werden möchte. Das sensible Spiel setzt sich bei den übrigen Personen fort: Der Handwerker Victor ist (siehe oben) vielleicht nicht der Schönste, aber sehr sympathisch und kann allein mit seinem Lächeln die Frauenherzen erweichen. Patrick Bruel spielt ihn als pfiffigen und beharrlichen Kerl mit tapsigem Charme, der sich mehr für Alarmanlagen als für Frauen zu interessieren scheint. Woody Allen setzt den Schlussakkord als abgeklärter Weiser, der lieber ironisch wird, als seine Rührung zu zeigen.

Ein eleganter, feiner Cocktail aus Pariser Flair und New Yorker Lässigkeit – sehr amüsant und, ach ja, romantisch.

Gaby Sikorski