Flamenco mi Vida

Flamenco ist kraftvoll, poetisch und manchmal auch chaotisch. Das zeigt Peter Sempel in seinem neuen alternativen Musikfilm. Über mehrere Jahre hat Sempel die Wurzeln des Flamenco mit der Kamera in seinem unachahmlichen persönlichen Stil recherchiert. Die Reise führte ihn über Andalusien schließlich nach Kairo und Indien, von wo vor hunderten Jahren Zigeuner ihren Gesang und Tanz nach Europa brachten, doch er findet Flamenco ebenso in Japan, und zeigt die Nähe zum Butohtanz auf.

Webseite: www.flamencomivida.de

Deutschland 2007
Regie: Peter Sempel
Mitwirkende: Matilde Coral, Eva Yerbabuena, El Pele, Soraya Clavijo, Andrés Marin, Maria Perez, Juan Carlos Lerida u.a.
92 Min. – Farbe – 35mm
Kinostart: 29.5.2008
Verleih: dejavu-filmverleih

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Peter Sempels Produktionen sind nicht leicht einzuordnen und das sollen sie auch nicht sein. Die Filme sind keine Dokumentarfilme im klassischen Sinne und rein experimentell sind sie auch nicht. Sempel hält seine Werke bewusst ungeschliffen und roh und diese Stiltreue macht den wahren Independant-Filmemacher aus, der inzwischen mit seinen Foto- und Filmarbeiten eine gewisse Anerkennung erfahren hat. Da der Prophet im eigenen Lande bekanntlich wenig gilt, wundert es kaum, dass der Name Peter Sempel im Ausland bekannter ist, als bei uns in Deutschland, trotz einer beachtlichen Anzahl von Dokumentarfilmen u.a. über Nina Hagen und Motorhead-Sänger Lemmy.

Von Sevilla bis nach Yokohama – Peter Sempel hat den halben Erdball umkreist, um dem Flamenco auf die Spur zu kommen. Im „cinema verité“-Stil nähert er sich Künstlern wie u.a. Andrés Marin, Juan Carlos Lerida, Matilde Coral, Eva Yerbabuena, Soraya Clavijo an. Zahlreiche Darbietungen von Afficionados, Schülern und Profis hat der passionierte Musikfan dabei mit seiner Handkamera eingefangen. Anstatt die Auftritte jedoch einfach aneinanderzureihen, tauchen in den 92 Minuten immer wieder Aufnahmen auf, die das Geschehen brechen und damit auf eine höhere Ebene transportieren: Stiere, die in der Arena ums Überleben kämpfen, Pferde die energiegeladen umhertrappeln und reizvoll-flirrende Landschaften. Die Schnitte sind hart und konsequent und nähern sich damit auf formaler Ebene dem Flamenco in all seiner Energie, all seiner Poesie und all seiner Widersprüchlichkeit an.

Mit „Flamenco mi vida“ zeigt Sempel, dass er sich nach 30 Jahren Arbeit mit der Kamera seinem Sujet immer noch rebellisch und unkonventionell annähert und es sind gerade die Ecken und Kanten, die seine Filme so interessant und einzigartig machen.

Eric Horst