Free Birds – Esst uns an einem anderen Tag

Völlig verrückte Vögel in geheimer Mission…
Wie zwei Truthähne mit einer Zeitmaschine zum allerersten Thanksgiving reisen, um zu verhindern, dass ihre Spezies traditionelle Speise des Festes wird, davon erzählt „Free Birds“, ein Animationsfilm vom "Horton hört ein Hu"-Regisseur, der mit seinem durchgedrehten Konzept vor allem ein amüsanter Film für Kinder ist.
Die deutschen Synchronsprecher sind u.a. Rick Kavanian, Christian Tramitz, Oliver Kalkofe und Nora Tschirner.

Webseite: www.senator.de

USA 2013
Regie: Jimmy Hayward
Buch: Jimmy Hayward, Scott Mosier
Länge: 91 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 6. Februar 2014

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Im Gegensatz zu vielen anderen amerikanischen Festivitäten hat es das Thanksgiving noch nicht geschafft, in der Alten Welt Fuß zu fassen. In Amerika dagegen kommt am vierten Donnerstag im November das normale Leben zum Stillstand, verbringen Familien den Tag im Kino, beim American Football und besonders beim Höhepunkt des Tages: Dem Verspeisen eines gemästeten, saftigen Truthahns. Über 40 Millionen Exemplare des Federviehs werden jedes Jahr allein an Thanksgiving verspeist – doch einer, einer wird vom Präsidenten „begnadigt“ und darf den Rest seiner Tage friedlich Körner picken.

In Jimmy Haywards Animationsfilm „Free Bird“ heißt dieser glückliche Truthahn Reggie, der ohnehin immer ein Außenseiter war und von mehr träumte, als auf einer Farm gemästet zu werden und sich auf das Unausweichliche vorzubereiten. Nun lebt Reggie auf dem präsidialen Wochenendsitz Camp David, bestellt sich per Telefon Pizzas und genießt das Leben. Bis eines Tages der etwas tumb und manisch wirkende Jake auftaucht, der sich auf einer göttlichen Mission wähnt: Der Große Truthahn im Himmel hat ihn beauftragt, Reggie zu finden und mit ihm in die Vergangenheit zu reisen. Genauer gesagt in das Jahr 1621, als die ersten Pilger versuchten, in Amerika Fuß zu fassen, beim ersten Thanksgiving mit den Indianern Frieden schlossen und den Truthahn zum traditionellen Gericht der Festivität machten.

Wie es der Zufall will, wird tief unter Camp David gerade eine Zeitmaschine gebaut, die zwar noch nicht ausgereift ist, Reggie und Jake aber bald ins frühe 17. Jahrhundert transportiert. Dort treffen sie auf Siedler, die kurz vorm Verhungern stehen und daher auf alles schießen was Federn hat. Vor allem aber auf eine Truthahn-Kolonie, die mit ihrem Federschmuck nicht umsonst wie Indianer aussehen. Dort lernt Reggie die hübsche Truthahn-Dame Jenny kennen und beginnt den Kampf ums Überleben seiner Spezies.

Man kann sich ausmalen, wie Jimmy Hayward und sein Co-Autor Scott Mosier eines schönen Thanksgiving-Abends, nach viel Essen und vor allem viel Alkohol, die Idee zu ihrem Film hatten: Ein so durchgedrehtes Konzept wie „Free Birds“ hat man im amerikanischen Kino lange nicht mehr gesehen, doch die Möglichkeiten der Geschichte werden nur angedeutet. Der anarchische Ausgangspunkt bleibt zwar stets präsent und findet bisweilen auch Eingang in den Film, im Kern ist „Free Birds“ dann aber doch ein leicht verdaulicher Animationsfilm vor allem für Kinder.

Viele Abenteuer erleben Reggie und Jake, bis sie Erfolg haben. Wichtige Lektionen lernen sie, ohne dass die Geschichte zu moralisch wird. Lustige Gestalten bevölkern die Leinwand, ohne das es zu subversiv wird. Dass die Geschichte nicht zu dem Pro-Vegetarischen Film wird, der möglich gewesen wäre, ist erfreulich, zeigt aber auch, wie dahingeworfen viele Elemente von „Free Birds“ letztlich sind. Kinder werden das angesichts der Nonstop-Action fraglos verschmerzen, als Erwachsener bedauert man es bisweilen doch, dass aus einem im Ansatz so anarchischem Konzept im Endeffekt doch "nur" ein unterhaltsamer Animationsfilm geworden ist.

Michael Meyns