Freunde mit gewissen Vorzügen

Nach Natalie Portman und Ashton Kutcher haben nun also auch Justin Timberlake und Mila Kunis die vermeintlichen Vorteile einer „Beste Freunde mit Sex“-Beziehung für sich entdeckt. Unter der Regie von Komödien-Spezialist Will Gluck („Einfach zu haben“) entwickelt sich eine mit viel Wortwitz gespickte Romanze, die jedoch ausgerechnet so nicht genannt werden darf. Dabei bedient der Film trotz einiger selbstironischer Einschübe weitgehend die Vorgaben anderer Hollywood-Beziehungskomödien.

Webseite: www.freunde-mit-gewissen-vorzuegen.de

OT: Friends with benefits
USA 2011
Regie: Will Gluck
Drehbuch: Will Gluck, Keith Merryman, David A. Newman
Darsteller: Justin Timberlake, Mila Kunis, Patricia Clarkson, Woody Harrelson, Richard Jenkins, Jenna Elfman, Bryan Greenberg
Laufzeit: 109 Minuten
Verleih: Sony
Kinostart: 8.9.2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Eigentlich könnten sie das perfekte Paar sein. Jamie (Mila Kunis) ist New Yorkerin mit Leib und Seele, erfolgreiche Headhunterin, ziemlich hübsch und Single. Dylan (Justin Timberlake) wiederum zieht der Karriere wegen vom sonnigen L.A. an den Hudson River, wo er fortan für das GQ-Magazin als Art Director arbeiten soll. Jamie hat ihm die Stelle verschafft und auch sonst sind sich die beiden ziemlich sympathisch. Doch nach mehreren gescheiterten Beziehungen, in denen stets sie diejenigen waren, die verlassen wurden, hat beide eine schleichende Bindungsangst befallen. Ein Paar wollen sie daher partout nicht sein, höchstens beste Freunde mit gewissen Vorzügen. Was das heißt, wird schnell klar. Sie suchen Sex, wenn möglich ohne Verpflichtungen und ohne das Korsett einer gewöhnlichen Beziehung. Da ist es eher hinderlich, wenn sich gewisse Gefühle auf Dauer nicht wie vereinbart abstellen lassen.

In unserem Facebook-Zeitalter müsste man Jamies und Dylans Beziehungsstatus vermutlich mit „Es ist kompliziert“ umschreiben. In der Tat bewegen sich beide nach ihrer kurzen und intensiven Phase des Kennenlernens auf einem schmalen Grat. Gut gemeinte Ratschläge, egal ob von Jamies Hippie-Mutter (Patricia Clarkson) oder Dylans schwulem Arbeitskollegen Tommy (Woody Harrelson), werden in dieser Situation für gewöhnlich ignoriert und so nimmt die absehbare emotionale Achterbahnfahrt ihren Lauf.

Damit bleibt „Freunde mit gewissen Vorzügen“ den Grundzügen seines Genres allen Bekundungen, anders sein zu wollen, bis in den Abspann hinein treu. Auch hier kommt es vor dem programmierten Happy End, welches zumindest auf einer Meta-Ebene – über kleine Film-im-Film-Clips – ironisch die Gesetzmäßigkeiten der romantischen Hollywood-Komödie kommentiert, zu einer angeblich ernsthaften „Beziehungskrise“ unter besten Freunden. Als Zuschauer weiß man es besser und so lässt sich das Liebestohuwabohu unbeschwert und größtenteils amüsiert verfolgen. Weniger in dieses unverfängliche Stimmungsbild passt hingegen die Alzheimer-Erkrankung von Dylans Vater (Richard Jenkins). Allerdings reduziert der Film diese auf ein verzichtbares Storyelement, über dessen Sinn und Unsinn lange gestritten werden darf.

Für Regisseur Will Gluck, der in seinem Durchbruch „Einfach zu haben“ dem College-Film im Allgemeinen und John Hughes im Speziellen ein ungemein charmantes Denkmal setzte, bedeutet „Freunde mit gewissen Vorzügen“ die erste echte Feuertaufe im Hollywood-System. Obwohl sich die Geschichte deutlich geschliffener als Glucks Überraschungs-Hit anfühlt, hat sie sich eine gewisse Schlagfertigkeit doch bewahren können. Insbesondere die Zeitgeist-Kommentare – Stichwort: Bibel-App – zünden. Nur gelegentlich übertreibt es das Autoren-Trio mit seinen Dialogkaskaden. An dieser Variante altkluger Geschwätzigkeit litt jedoch bereits „Einfach zu haben“, zu dem sich einige nette versteckte Hinweise finden lassen.

Ganz brav und zugeknöpft gibt sich der Film dafür immer, wenn es zwischen seinen beiden, zueinander durchaus kompatiblen Stars zur Sache gehen soll. Das Wesentliche spielt sich hier unter ausreichend großen und blickdichten Bettlaken ab. Zu viel Nacktheit scheint zumindest beim oftmals prüden Heimatpublikum immer noch als Kassengift zu gelten. Um sich sein „R-Rating“ zu verdienen, reicht es hingegen bereits, für den Bruchteil einer Sekunde ein nacktes Männerhinterteil zu zeigen. Auch das ist typisch Hollywood.

Marcus Wessel

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