Friends with Money

Jennifer Aniston kifft, arbeitet als Putze und findet keinen Mann. In „Friends with Money“ ist sie die jüngste von vier Freundinnen und als einzige nicht verheiratet.  Die anderen drei meinen, dass sie dringend einen Kerl bräuchte – ein rätselhaftes Engagement, wenn man sieht, dass sie neben ihren Ehemännern nicht gerade wie Glückskekse wirken.  Vier Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs gespielt von Jennifer Aniston, Catherine Keener, Frances McDormand und Joan Cusack – ein pointierter Schauspieler-Film, der an den frühen Woody Allen erinnert.

Webseite: www.friends-with-money.de

USA 2006
Regie/Buch: Nicole Holofcener
Kamera: Terry Stacey
Darsteller: Jennifer Aniston, Frances McDormand, Joan Cusack, Catherine Keener
Verleih: Sony Pictures
Kinostart: 7.9.2006

PRESSESTIMMEN:

Eine wunderbar scharfzüngige Komödie… Ein Film, den Sie unbedingt für einen Abend mit den besten Freundinnen vormerken sollten.
Brigitte

FILMKRITIK:

„Ich hab die Moderne satt“, schnaubt die eine – zugegeben ein Problem auf hohem Niveau. Die andere wiederum diskutiert mit ihrem Mann beim gemeinsamen Drehbuchschreiben, ob sie beleidigt sein soll, wenn er behauptet, ihr Hintern werde langsam fett, oder dankbar für seine Offenheit. Die dritte beschließt derweil ihre Haare nicht mehr zu waschen, weil sie – oh Sisyphos –  ja ohnehin wieder fettig werden und die vierte leiht sich mal kurz den Vibrator aus dem Nachttisch ihrer Auftraggeberin, während sie ihrem Job als Putzfrau nachgeht. Vier Freundinnen, vier Frauen in Nöten – in einem Talky-Talky Film der New Yorkerin Nicole Holofcener. 

Die Putzfrau spielt, ganz unglamourös und uneitel, Jennifer Aniston. Die Designerin mit strähnigem Haar und beleidigtem Grundtonfall gibt Frances McDormand. Catherine Keener ist diejenige, die sich mit ihrem Mann nicht nur über dicke Hintern streitet und deshalb im Lauf des Films zum Single wird.  Einzig Joan Cusack hat kaum Probleme – ist ja klar, lästern die anderen: Wer so reich ist, kann locker entspannt sein.

Wenn die vier Freundinnen im Restaurant sitzen – mal mit Männern, mal ohne sie – und pointierte Sätze abfeuern, erinnert das unwillkürlich an frühere Woody Allen-Filme. Wortreiche Gespräche bei Tisch, die die Existenznöte gutbürgerlicher Großstädter ausleuchten. Wobei das mit den Nöten schon ernst gemeint ist. Auch wenn das Filmfest München mit der griffigen Formel „Sitcom Deluxe“ für die Geschichte wirbt – sie bietet mehr als knackige One-Liner, nach denen abgelacht werden darf. Dialoge, die sich vermeintlich um ausufernde Hinterteile drehen, erzählen in Wahrheit von der Einsamkeit der Zweisamkeit; die Designerin, die jeden wüst anpöbelt, der sich bloß an der Supermarktkasse einen Platz vorschummelt, ist nicht einfach hysterisch, sondern sie verzweifelt wahrhaftig an ihrem mediocren Dasein; und wenn drei Frauen glauben, die vierte endlich verheiraten zu müssen, obwohl ihre eigenen Ehen eher einer täglichen Vertreibung aus dem Paradies ähneln, dann stellen sich doch interessante Fragen über gesellschaftliche Vorstellungen von Erfolg/Mißerfolg und die Unmöglichkeit individuellen Glücksstrebens.

Das Wesen der Komödie besteht darin, dass die Konflikte enthebbar sind, sich also mit dem Happy End in Luft auflösen. Hier jedoch sitzt Jennifer Aniston – die Putzfrau, die keine Lehrerin mehr sein mag –  am Ende auf dem Bett neben ihrem neuen Lover und zuckt die Schultern. Ihr Schlusssatz: „I have problems.“ Das Leben ist eben keine Sitcom, aber befreiendes Lachen hilft über die ein oder andere Malaise hinweg. 

Sandra Vogell