Candy

Kann eine Liebe zwischen zwei Heroinabhängigen bestehen? Der australische Regisseur Neil Armfield wagt sich auf dunkles Terrain, verschont seine beiden Hauptdarsteller Heath Ledger und Abbie Cornish („Sommersault“) aber vor dreckigem Junkie-Dasein am menschlichen Abgrund. „Candy“ ist eine emotionale Bestandsaufnahme zweier junger Menschen, die sich mit allen Mitteln gegen den Mainstream wehren. Geoffrey Rush spielt als väterlicher Drogenfreund eine bemerkenswerte Nebenrolle. 

Webseite: www.concorde-film.de

Australien 2005
Regie: Neil Amfield
Buch: Luke Davies
Darsteller: Heath Ledger, Abbie Cornish, Geoffrey Rush, Tony Martin, Noni Hazlehurst, Tom Budge
Verleih: Concorde
Länge: 108 Minuten
Start: 21. September 2006

PRESSESTIMMEN:



 

 

FILMKRITIK:

Risiko hat etwas Unwiderstehliches. Vor allem für Dan (Heath Ledger) und Candy (Abbie Cornish), die ihr Leben und ihre noch junge Liebe am liebsten für immer festhalten  würden. Beide sind heroinabhängig und wie alle Drogensüchtigen auf der Suche nach dem nächsten Kick, der noch größer als alles Vorangegangene werden soll. Dans Eltern haben ihren Sohn längst verstoßen, nur der Uni-Professor Casper (Geoffrey Rush) protegiert ihn. Bei gemeinsamen Drogensessions steht der Ersatzvater und Freund ihm bei, auch wenn Dan Geld für Stoff braucht.

Der australische Regisseur Neil Armfield entwirft in „Candy“ kein Psychogramm von Drogenabhängigen, wie etwa Danny Boyle in „Trainspotting“, wo Ewan McGregor in imaginäre Kloakenwelten abtauchte und gefühlte Paranoia gepaart wurde mit harten Techno-Beats und coolen Lebenswelten. Stattdessen konzentriert er sich auf die Liebesgeschichte seiner beiden Hauptfiguren, die, das sei vorweg genommen, ein halbwegs glückliches Ende erleben dürfen.

Das junge Paar gehört nicht zu den blassen „Kindern vom Bahnhof-Zoo“, dafür sehen die beiden einfach zu gut aus. Candy ist keine Christiane F. – zu engelsgleich schwebt sie durch diesen Film. Die menschlichen und emotionalen Abgründe der beiden beschränken sich auf eine schaurige Fehlgeburt, selbst der durchlebte Entzug bringt sie nur ein wenig zum Schütteln – doch die richtig miesen und bösen Gefühle erspart einem Neil Armfield.

Mit anderen Worten: Heath Ledger und Abbie Cornish dürfen sich mehr lieben, anstatt sich in ihren Exkrementen zu suhlen. In den drei Kapiteln „heaven“, „earth“ und „hell“ folgen die Zuschauer dem rasanten Abstieg des hübschen Paares, das sich aller Mittel der Beschaffungskriminalität bedient. Das führt bei Dan zu heiteren und witzigen Momenten, wenn er mit der gestohlenen Kreditkarte und im legeren Anzug die blonde Bankangestellte zu überzeugen versucht, das gesamte fremde Depot zu plündern. Tragisch wird es dann, wenn Candy für Geld mit Männern schläft. Der schnelle Dollar rechtfertigt scheinbar die teure Drogensucht, die moralischen Grenzen verwischen immer mehr, irgendwann auch zwischen den beiden.

„Candy“, der im Frühjahr auch im Wettbewerb der Berlinale lief, kann man vorwerfen, dass er den emotionalen Zustand seiner Drogensüchtigen nur oberflächlich streift. Doch dies ist kein Film über Drogen, sondern eine Liebesgeschichte mit Drogen in einer tragenden Nebenrolle. Heath Ledger und Abbie Cornish, die beiden jungen Stars des australischen Kinos, geben ihren Figuren die nötige Tiefe und Glaubhaftigkeit, während Geoffrey Rush eine (für seine Verhältnisse) erstaunlich kleine, aber dennoch großartige Nebenrolle spielt. Alle Figuren flüchten aus der Realität, sagt der Film. Doch egal wie groß das Risiko ist, die Erkenntnis bleibt, dass sich niemand der Gewöhnlichkeit des Lebens entziehen kann.

David Siems