Friendship

Im Wende-Jahr 1989 unternehmen zwei junge DDR-Bürger einen abenteuerlichen Roadtrip quer durch die Vereinigten Staaten. „Friendship!“ versucht sich als Feel-Good-Movie mit nostalgischer Einfärbung und ernsten Untertönen. Auch wenn die beiden Hauptdarsteller Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke dabei ihr Bestes geben, zu mehr als harmlosem Konsens-Kino reicht es (leider) nicht.

Webseite: www.friendship-derfilm.de

Deutschland 2009
Regie: Markus Goller
Drehbuch: Oliver Ziegenbalg
Produktion: Quirin Berg, Tom Zickler, Max Wiedemann
Darsteller: Friedrich Mücke, Matthias Schweighöfer, Alicja Bachleda, Todd Stashwick, Chris Browning
Laufzeit: 110 Minuten
Kinostart: 14.1.2010
Verleih: Sony

 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Deutschland im Jahre 1989: Die Berliner Mauer, das Symbol der Teilung und des Kalten Krieges, wird brüchig und schließlich von West- und Ostdeutschen in einer historischen November-Nacht eingenommen. Für Veit (Friedrich Mücke), der in der DDR aufgewachsen ist, bietet sich nun endlich die Chance, seinen Vater besuchen. Der ist nämlich schon vor Jahren in die Vereinigten Staaten ausgewandert, genauer nach San Francisco. Von dort erhält Veit jedes Jahr eine neue Postkarte mit Geburtstagsglückwünschen. Bis zu seinem nächsten Geburtstag in drei Wochen will er seinen Vater in San Francisco endlich besuchen – angesichts einer bescheidenen Reisekasse von wenigen Hundert Mark ein durchaus ambitioniertes Ziel.

Wie ambitioniert das merken er und sein bester Freund Tom (Matthias Schweighöfer) bereits im Reisebüro. So reicht ihr Geld nur für einen Flug nach New York. Ausgestattet mit einem fast unerschütterlichen Optimismus und einer guten Portion jugendlichem Leichtsinn entschließen sich beide mangels Alternativen von da an für die Anhalter-Variante. Dass sie kaum ein Wort Englisch verstehen, schreckt die kontaktfreudigen DDRler nicht weiter ab. Auf ihrer Reise quer durch die USA lernen sie sodann nicht nur Land und Leute kennen, ohne es zu merken werden Tom und Veit plötzlich zu gesamtdeutschen Botschaftern, die den verdutzten Amis erklären müssen, dass es vierzig Jahre lang tatsächlich zwei deutsche Staaten gab.

Als „Ost-West-Annäherung der etwas anderen Art“ wollen die Macher ihren Film verstanden wissen. Tatsächlich spielt der geschichtliche Background keine so entscheidende Rolle. Der Wunsch, den eigenen Vater kennenzulernen, ist ebenso universell wie der adoleszente Freiheitsdrang der beiden Hauptfiguren. Der Unrechtsstaat DDR, der hier mit seinen albernen Zeremonien, Aufmärschen und Ritualen in einem von Veit und Tom zusammengestellten Super-8-Film zur Lachnummer gerät, dient wie schon in „Good Bye, Lenin!“ eher als nostalgisches Hintergrundmotiv. Dabei werden die hässlichen Seiten des Arbeiter- und Bauernstaates weitgehend ausgeblendet und die Wende auf einen an der Berliner Mauer singenden David Hasselhoff reduziert.

Das ist einerseits verständlich, soll „Friendship!“ doch vor allem als heitere Buddy- und Culture-Clash-Komödie funktionieren (was sie bis zu einem gewissen Punkt auch tut), andererseits wird man das Gefühl nicht los, dass die an den wahren USA-Trip von Filmproduzent Tom Zickler angelehnte Geschichte ihr dramatisches Potenzial ohne Not an bekannte Ost/West-Klischee verschenkt. Eines stellt den Durchschnitts-Amerikaner wieder einmal als unwissenden, an Ereignissen außerhalb seines Heimatlandes nur sehr bedingt interessierten Zeitgenossen bloß. Erst zum Ende hin erlaubt sich Regisseur Markus Goller den Feel-Good-Charakter seines Films für einen kurzen Moment abzustellen, wobei die Art und Weise wiederum nicht ganz unproblematisch erscheint.

Im Ergebnis kann „Friendship!“ keines seiner zahlreichen Versprechen wirklich überzeugend einlösen. Wende-Reflexion, Freundschaftsstudie, Vatergeschichte, Road Movie, Goller und sein Autor Oliver Ziegenbalg, der bereits das Drehbuch zu Til Schweigers Mittelalter-Klamotte „1 ½ Ritter“ zu verantworten hat, probieren alles einmal aus. Letztendlich ist ihr Film vor allem brave, auf Konsens bedachte Unterhaltung, die von ihren sympathischen Darstellern – allen voran Neuentdeckung Friedrich Mücke – am Leben gehalten wird.

Marcus Wessel

1989. Die Mauer fällt. Dass manchen das nicht gefiel oder dass sie die Mauer am liebsten wieder hätten, steht auf einem anderen Blatt.

Die Freunde Tom und Veit sind überglücklich. Zu lange waren sie eingesperrt. Jetzt sind sie frei. Das erste Ziel: San Francisco und die Golden Gate Bridge.

Veit hat einen besonderen Grund, in die USA zu wollen. Sein Vater hält sich dort schon seit zwölf Jahren auf. Veit ist ihm seither nicht mehr begegnet. Nur am Geburtstag des Jungen warf er jedes Jahr eine Postkarte mit Glückwünschen ein. Vor dem betreffenden Postamt will Veit seinen Vater abpassen. Rund drei Wochen ist noch Zeit.

Die beiden brechen auf. Das Ersparte und das Begrüßungsgeld reichen aber nur bis New York. Doch bis San Francisco sind es noch 3000 Meilen. Was tun?

Nun beginnt ein Road Movie, eine abenteuerliche Reise, eine Fahrt, auf der ebenso viel Außergewöhnliches, Erstaunliches und Lustiges wie Glückloses und – am Ende – Tragisches passiert: die Festnahme und Körpervisitation bei der Einreise; die Begegnung mit dem durchgeknallten Comiczeichner Darryl; die mit einer Schrotflinte endende verunglückte Liebesnacht mit den Schwestern Amber und Dorothy; des Treffen mit den Bikern; die Begegnung mit der Polizei; der Zufall mit Zoey und die bei beiden aufkeimende Liebe für sie; der dreiste, aber erfolgreiche Verkauf von „Stücken der Berliner Mauer“; das Geldverdienen im Schwulenclub; die unerwartete Nachricht für Veit.

Die Freundschaft ist es, die letztlich alles zusammenhält.

Das Schönste daran ist, dass 50 Prozent des Geschilderten wahr sind. Die Reise hat tatsächlich stattgefunden – auch wenn sie „dramatisiert“ werden musste, „damit sie für das Kino funktioniert“.

Drei Ebenen weist das Ganze auf: die lustig-komisch-abenteuerliche, die an den Erlebnissen während der Reise deutlich wird; das Hohelied der Freundschaft, das sich durch die ganze Handlung zieht; und etwas von den tragischen Folgen der kommunistischen DDR-Diktatur.

Inszeniert und montiert ist das ohne Fehl und Tadel. Mit den Protagonisten Matthias Schweighöfer (Tom), Friedrich Mücke (Veit) und Alicia Bachleda (Zoey) hatte man schauspielerisch Glück. Man sieht und hört ihnen während des gesamten Films, den sie ja tragen, mit Vergnügen zu.

Thomas Engel