Geheimnis der Flamingos, Das

Der Tierfilm boomt. Diesmal sind es riesige Schwärme von Flamingos, die im Mittelpunkt einer visuell umwerfenden Dokumentation stehen. Die amerikanischen Dokumentarfilmer Matthew Aeberhard und Leander Ward verbrachten Monate in Afrika und brachten atemberaubende Bilder zurück, die in typischer Disney-Manier mit bombastischer Musik und kindgerechter Aufbereitung zu einem etwas kitschigem, aber doch beeindruckenden Film verarbeitet wurden.

Webseite: www.das-geheimnis-der-flamingos.de

OT: The Crimson Wing – Mystery of the Flamingos
USA / Großbritannien 2008
Regie: Matthew Aeberhard, Leander Ward
Drehbuch: Melanie Finn
Musik: The Cinematic Orchestra
Dokumentation
Länge: 75 Min.
Verleih: Walt Disney
Kinostart: 10. Dezember 2009
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Man kann sich kaum vorstellen, wie ein Tierfilmpionier wie Bernhard Grzimek einst mit minimaler Ausrüstung in die Serengeti reiste, monatelang auf Aufnahmen wartete und dann mit Bildern zurückkam, die heutzutage kaum noch ein Kind vor den Bildschirm oder gar ins Kino locken würden. In Zeiten, in denen mit Tierfilmen Millionen umgesetzt werden, muss es schon ein bisschen mehr, größer, aufregender sein. Mit geradezu militärischer Organisation fallen Tierfilmer heutzutage in nahezu jedes bekannte und viele unbekannte Gebiet ein, in dem möglichst aufregende Tiere oder zumindest überwältigende Massen zu finden sind. Dort drehen sie dann nicht wirklich dokumentarisch, sondern suchen nach den Aufnahmen, die dem Drehbuch entsprechen, das Leben der Tiere also in dramaturgisch ansprechende Form verpacken. Alle ethischen Fragen dieses modernen Tierfilms beiseite gelassen: Die Bilder, die dabei entstehen, sind oft genug atemberaubend. Sie sind nicht zuletzt einem Wettlauf geschuldet, der auch in einstmals kostengünstige Tiersendungen im Fernsehen zu immer aufregenderen Aufnahmen geführt hat. Um da noch eins draufzusetzen, muss sich das Kino gehörig anstrengen. Die modernsten Kameras, extreme Teleobjektive, Fluggeräte aller Art, kurz, ein wahres Technikgewitter sind von Nöten, um die Überwältigungsspirale immer weiter zu drehen.

Bislang gelingt das noch, so auch den Regisseuren von „Das Geheimnis der Flamingos“, einer Produktion aus dem Hause Disney, einstmals so etwas wie der Marktführer auf dem Gebiet des Tierfilms. Die Regisseure Matthew Aeberhard und Leander Ward verbrachten Monate im ostafrikanischen Staat Tansania, genauer gesagt dem abgelegenen Natronsee. Von Menschen kaum berührt, bietet dieser See rund anderthalb Millionen Flamingos ein zu Hause, das sie sich allerdings auch mit diversen Raubtieren teilen müssen. Und wie das in Tierfilmen unserer Zeit eben der Fall ist, werden Begegnungen mit diesen Fleischfressern zu dramatischen Kämpfen ums Überleben stilisiert. Dem gegenüber stilisieren die Autoren die Balzrituale zu menschenähnlichen Flirts, die in heimeligen Familiengründungen münden. Nun gut, das gehört offenbar heute zu dieser Art von Film dazu, aber man kann es auch einfach ignorieren – und sich den umwerfenden Bildern hingeben, die einmal mehr kaum vorstellbare Aufnahmen bieten. Das ist zwar alles eine Spur zu kitschig, zu süßlich, mit etwas zu bombastischer, emotionaler Musik unterlegt, sich der Kraft dieser Bilder entziehen kann man aber dennoch nicht.

Michael Meyns

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