Geheimnisse der Spiderwicks, Die

Die fünf Bestseller-Romane der vor allem in den USA populären Spiderwick-Serie von Tony DiTerlizzi und Holly Black haben es dank des Erfolgs vorangegangener Fantasy-Verfilmungen nun auch auf die große Leinwand geschafft. Anders als bei Narnia & Co. wurde die Kinderbuchreihe aber gleich komplett in nur einen rund 90minütigen Kinofilm überführt. Dementsprechend mussten die drei Drehbuchautoren (darunter John Sayles) einige Kürzungen und Änderungen vornehmen, was dem Film aber nicht zum Nachteil gereicht. Lediglich zum Ende hin führt die starke Actionfixierung der Geschichte zu einigen doch arg monotonen Szenenabfolgen.

Webseite: www.die-geheimisse-der-spiderwicks.de

OT: The Spiderwick Chronicles
USA 2007
Regie: Mark Waters
Drehbuch: Karey Kirkpatrick, David Berenbaum, John Sayles basierend auf den Romanen von Tony DiTerlizzi und Holly Black
Musik: James Horner
Mit Freddie Highmore, Mary-Louise Parker, David Starthairn, Nick Nolte, Sarah Bolger, Joan Plowright
Laufzeit 90 Minuten
Kinostart: 20.3.2008
Verleih: UPI

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Zusammen mit ihrer Mutter Helen (Mary-Louise Parker) ziehen die Grace-Kinder Jared, sein Zwillingsbruder Simon (Kinderstar Freddie Highmore in seiner ersten Doppelrolle) und die ältere Schwester Mallory (Sarah Bolger) in das verlassene und über die Jahre baufällig gewordene Anwesen ihres Ur-Großonkels Arthur Spiderwick (David Strathairn). Während die Kinder für den Umzug nur wenig Begeisterung aufbringen können und nach der Trennung ihrer Eltern ihren Vater vermissen, hofft Helen auf einen Neuanfang. Schon bald bemerkt Jared, dass in diesem Haus manches anders ist. In einem geheimen Raum, der früher einmal das Arbeitszimmer seines Onkels gewesen sein muss, entdeckt er ein geheimnisvolles Buch. „Handbuch für die fantastische Welt um dich herum“ prangt in großen Lettern auf dem Einband.

 

Obwohl ein Zettel ihn ausdrücklich davor warnt, das Buch zu öffnen, beginnt Jared, darin zu lesen. Er kann zunächst nicht glauben, was sein Onkel an Erkenntnissen über das für die meisten Menschen unsichtbare Reich der Kobolde, Feen, Elfen und Luftgeister zusammengetragen hat. Das ändert sich erst, als er die Bekanntschaft des cholerischen Wichtelmännchens Thimbletack (im Original gesprochen von Martin Short) macht. Dieses führt Jared in seine Welt ein, wo neben all den zauberhaften Geschöpfen auch ein finsteres Ungeheuer namens Mulgarath (Nick Nolte unter dicker Schminke) haust, dessen Schergen Angst und Schrecken verbreiten. Fielen die Geheimnisse des Buches in Mulgaraths Hände, würde das ihm eine unvorstellbare Macht verleihen. Es liegt nun an Jared, das Erbe seines Uronkels vor dem Bösen zu bewahren.

Wie in vielen anderen Fantasy-Geschichten – Pans Labyrinth wäre hier beispielhaft zu nennen – sind auch in den Spiderwick-Abenteuer Kinder das Bindeglied zwischen unserer und der vermeintlich irrealen Welt der Feen und Kobolde. Kindliche Imagination und Fantasie fungieren gewissermaßen als Türöffner, machen das Unsichtbare erst sichtbar. Die Stärken von Mark Waters (Mean Girls, Solange du da bist) erstem Ausflug ins Fantasy-Genre liegen vorwiegend in der ersten Filmhälfte, wenn die Geschwister ihr neues Zuhause erkunden und dabei auf seltsame, fantastische Kreaturen wie den gefräßigen Kobold Hogsqueal (Seth Rogen) stoßen. Das hat Charme, ist reich an Atmosphäre und regt den Entdeckergeist des eher jüngeren Zielpublikums – der Film empfiehlt sich für Kinder ab 8 Jahren – an. Auch sind die Effekte auf einem beachtlichen Niveau.

Dass keine Langeweile aufkommt, dafür sorgen nicht nur die zahlreichen Fabelwesen. Die gesamte Familienkonstellation ist darauf abgestimmt, dass sich Kinder in ihr wiederfinden und mit Jared, Simon und Mallory identifizieren können. Was es beispielsweise bedeutet, ohne ein Elternteil aufwachsen zu müssen, dürften nicht wenige aus eigener schmerzhafter Erfahrung wissen. In diesem Fall leidet vor allem der sensible Jared unter der Trennung seiner Eltern. Das Versinken in die fantastische Welt des Ur-Großonkels ist auch eine Reaktion auf die ungeliebte Realität, ein Fluchtreflex. Leider übertreibt es Waters während der letzten halben Stunde mit der Action. Dann wird aus der angenehm geradlinigen Fantasy-Erzählung ein hektisches Gerenne, das im Effektgewitter seine jugendlichen Protagonisten zuweilen aus den Augen verliert. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Marcus Wessel

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Die Fortsetzung eines früheren Spiderwick-Films. Von New York aus zieht die Familie Grace in das abgelegene, alte, verlassene Haus, das sie vom Urgroßvater Arthur Spiderwick sowie von der Großtante Lucinda geerbt hat. Zu der Familie gehören die Zwillinge Jared und Simon, die ältere Schwester Mallory sowie Helen, die Mutter.

Jared will über das Haus und seltsame Dinge, die er darin bemerkt, mehr wissen. Trotz der Warnung eines Gnoms, der in dem Haus verborgen lebt, macht er sich auf die Suche nach einem geheimnisvollen, aber möglicherweise auch gefährlichen Zauberbuch, das sein Urgroßonkel verfasst hat. („Wage es nicht, das Buch zu lesen, denn wirfst du einen schicksalhaften Blick darauf, können auf Kosten deines Lebens die Folgen tödlich sein“, lautet eine Inschrift darauf.)

Aus Neugier öffnet Jared das Buch, obwohl es ja verschlossen bleiben müsste. Dadurch setzt er eine Menge freundlicher, aber auch böser Fabeltiere frei. Die Kobolde und Feen, Wichte und Gnome werden real.

Von nun an geht es darum, dass das Spiderwick-Werk, eine Art magischer Leitfaden, nicht in falsche Hände gelangt. Zwar beschützt ein Zauberkreis das Haus, was aber, wenn er durchbrochen würde? Vor allem vor dem (von Nick Nolte gespielten) Oger Mulgarath muss die Schrift bewahrt werden. Aber vielleicht tragen zum Gelingen sogar Arthur und Lucinda bei.

War der erste Spiderwick-Film kommerziell erfolgreich, warum dann nicht ein Sequel drehen? Dazu braucht es eine – hier relativ dünne – Geschichte, ausreichend Fabelwesen, Fantasie und Gruselstimmung, Action und Kämpfe, ein wenig Spannung sowie ein paar Emotionen und vor allem ein überschäumendes Maß an digitalen Effekten. Das alles spielt hier zusammen und erscheint speziell für Kinder, jedoch nicht zu kleine, aufbereitet.

Thomas Engel