George Michael: The Faith Tour

Im Dezember jährt sich der frühe Tod des britischen Sängers George Michael zum zehnten Mal, Anlass genug, den Konzertfilm „George Michael – The Faith Tour“ ins Kino zu bringen (und parallel ein Live-Album zu veröffentlichen), der Michael am Beginn seiner Solo-Karriere zeigt, der in Paris sein Publikum begeistert. Ein Film für Fans und 80er Jahre Nostalgiker.

 

Über den Film

Originaltitel

George Michael: The Faith Tour

Deutscher Titel

George Michael: The Faith Tour

Produktionsland

GB

Filmdauer

113 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

David Austin, Lucie Avery, Rosie Holley, Philip Noel

Regisseur

Andy Morahan

Verleih

Universal Pictures International Germany GmbH

Starttermin

12.11.2026

 

Verwachsene Levis 501, schwarze Stiefel, ein weißes T-Shirt, darüber eine Lederjacke mit dem Aufdruck Revenge, Ray Ban Aviator Sonnenbrille, hochtoupierte, gefärbte Haare, fünf Tage Bart und am Ohr ein übergroßer Kreuzanhänger. George Michael in dem Video zu seinem Welthit Faith ist einer der ikonischsten Looks der 80er Jahre, der auch seine erste große Solo-Tour prägte. Im Frühjahr 1988 trat der Sänger an zwei Abenden in Paris auf, in einer verhältnismäßig kleinen Halle, die aber mit ekstatischen Fans gefüllt war.

Mit 14 Kameras wurden die Konzerte auf 35mm Filmmaterial aufgezeichnet, dann verschwand das Material im Archiv, warum, wäre eine interessante Frage, zumal Michael diese Phase seiner Karriere bald emphatisch hinter sich ließ, im legendären Video zu „Freedom`90“ – dem Supermodel-Video, in dem der Sänger nicht persönlich auftrat, dafür aber Models von Tatjana Patitz bis Naomi Campbell – die Insignien der Faith-Ära sogar verbrannt wurden.

Doch an einer differenzierten Darstellung der komplexen Karriere und Persönlichkeit eines der erfolgreichsten Sänger aller Zeiten haben seine Nachlassverwalter, die George Michael Foundation, nicht so viel Interesse. In die Top 10 der bestverdienenden toten Musiker hat es George Michael zwar noch nicht geschafft – dort finden sich konkurrierende Legenden wie Michael Jackson oder Elvis, deren Vermächtnis ihren Erben jedes Jahr Millionensummen einbringen – aber mit dem nun veröffentlichten Live-Album und dem passenden Konzertfilm könnte sich das ändern.

Für Fans des Weihnachten 2016 mit nur 53 Jahren verstorbenen Sängers (offizielle Todesursache Herzstillstand, Gerüchte sprechen auch von Überdosis oder Suizid) ist „George Michael – The Faith Tour“ natürlich gefundenes Fressen, eine fast zweistündige Ode an einen Mann, eine Ikone, einen Sänger, der als Teenie-Idol bei der Band Wham, mit banalen Popsongs wie „Wake me up before you Go-Go“, ein Star wurde, gerade mit seinem ersten Solo-Album „Faith“ den Grammy gewonnen und 25 Millionen Platten verkauft hatte und vor allem auch gerade sein Coming Out erlebt hatte.
Dennoch sind es natürlich vor allem Frauen, die George Michael anschmachten, wenn er zu Beginn und am Ende des Konzertes zu „I want your Sex“ die Hüften kreisen lässt und in eindeutig, zweideutigen Posen verharrt. Dass dieser Song zwei Mal gespielt wird deutet auch an, wie wenig Material Michael zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere erst zur Verfügung hatte. Fast alle Songs von „Faith“ werden aufgeführt, dazu ein paar Wham-Songs, vor allem aber auch diverse Cover-Songs, bezeichnenderweise allesamt von schwarzen Musikern wie Stevie Wonder oder Aretha Franklin.
Besonders der Einfluss der Gospel-Musik prägte Michaels Musik in dieser Phase seiner Karriere, wie ein Gottesdienst aufgebaut wirkt dann auch das Konzert, das komplett auf den Star zugeschnitten ist. Die sechs Musiker bleiben meist im Hintergrund, während vorne Michael wie ein Derwisch hin und her rennt und oft etwas aktionistisch posiert. Die Lässigkeit und Selbstironie eines Elvis besaß George Michael nie, dafür eine sensationelle Stimme, die gerade bei Power-Balladen wie „Careless Whisper“ zur Geltung kommt. Zu solchen Welthits leuchten im Publikum hunderte Feuerzeuge, ja, Feuerzeuge und keine Handys, denn auch das macht „George Michael – The Faith Tour“ zu einem nostalgischen Vergnügen: Das Publikum schaut dem Star unmittelbar zu und denkt nicht daran, jeden Moment per Kamera festzuhalten um ihn im nächsten Moment auf Insta zu teilen. Genau das erzeugt die Energie, von der Michael am Anfang sprach: Da hört man Auszüge aus einem unveröffentlichten Interview, in dem der Sänger von seinen Wünschen und Träumen erzählt und auch von dem besonderen Erlebnis, auf der Bühne zu stehen und eine Einheit mit tausenden ekstatischen Fans zu formen. Ohne Frage ein High, dessen Entzug vielleicht auch zu den Problemen, der Depressionen, der Sucht beitrug, die Michael Zeit seines Lebens plagten. Hier, mit 24 Jahren, sieht man George Michael auf einem Höhepunkt des Ruhms, den er in dieser Form vielleicht nie wieder erleben sollte.

 

Michael Meyns

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