Geschichte vom Brandner Kaspar, Die

Nach dem „Räuber Kneissl“ kommt mit „Die Geschichte vom Brandner Kasper“ schon der nächste urbayrische Heimatfilm in die Kinos. Keinen anderen als Franz-Xaver Kroetz mag man sich in der Hauptrolle des grantigen Brandner Kasper vorstellen, der dem Teufel ein Schnippchen schlägt, schließlich aber doch in einem blau-weißen Himmel landet, in dem auch Petrus Maßbier trinkt und Weißwürste isst. Ein überaus vergnüglicher Film für alle Bayern, für solche die es werden wollen, und für Preußen mit Humor.

Webseite: www.brandnerkaspar-derfilm.de

Deutschland 2008
Regie: Joseph Vilsmaier
Buch: Klaus Richter
Darsteller: Franz-Xaver Kroetz, Michael Herbig, Lisa Maria Potthoff, Alexander Held, Detlev Buck, Herbert Knaup, Elisabeth Trissenaar
Länge: 95 Minuten, Format: 1:2,35 (Scope), ab 6 Jahre
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 16. Oktober 2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der Himmel ist blau-weiß. Dieser Erkenntnis kann man sich nach Betrachtung dieses Films nicht mehr erwehren. Doch nicht so schnell, beginnt die Geschichte vom Brandner Kaspar doch im bayerischen Wald. Dort geht der Held der Geschichte gerade der Wilderei nach, sehr zum Unwillen des örtlichen Bürgermeisters. Der hat seit langem ein Auge auf den Hof Kaspars geworfen und versucht mit allen Mitteln, ihn zu vertreiben. So leicht lässt sich der allerdings nicht reinlegen und hofft stattdessen auf eine Wendung des Schicksals. Mit seiner Enkelin, dem Nannerl, lebt er seit dem Tod von Frau und Tochter allein auf dem Hof, inzwischen auch schon 69 Jahre und von einem schlimmen Husten geplagt. Doch als dann eines Tages der Boanlkramer – so heißt Gevatter Tod in Bayern – in der Hütte auftaucht, da wehrt sich Kaspar mit allen Mitteln gegen die Abberufung. Er bietet dem Sensemann einen Schnaps an, dann noch einen und noch einen. So beginnt ein fröhliches Saufgelage mit anschließendem Kartenspiel, an dessen Ende der Brandner Kaspar 21 zusätzliche Jahre gewonnen hat. Im Himmel aber, wo Petrus das Goldene Buch führt, fällt auf, dass ein Toter fehlt. Noch kann sich der Boanlkaspar rausreden, doch die Probleme sind vorprogrammiert…

Außerhalb von Bayern dürfte die Geschichte vom Brandner Kaspar kaum bekannt sein. Im Freistaat jedoch ist sie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ein überaus beliebter Stoff, der ursprünglich als Kurzgeschichte veröffentlicht wurde, aber vor allem als krachlederner Schwank zu Popularität kam. Für diese filmische Adaption straffte Drehbuchautor Klaus Richter die Geschichte ein wenig und betonte vor allem die Liebesgeschichte zwischen dem Nannerl und einem schmucken Naturburschen. Dies mag ein Zugeständnis an ein breiteres Publikum sein, ebenso wie die sehr zurückhaltende Verwendung des bayerischen Idioms. Kein Vergleich zu Rosenmüllers „Räuber Kneissl“, der für Nicht-Bayern ohne Untertitel kaum verständlich war. Dennoch ist auch Joseph Vilsmaiers Film durch und durch bayerisch, was besonders im Himmel deutlich wird. Dort geht es zu, wie sich das ein echter Bayer wohl vorstellt. Trachtenkappellen spielen den ganzen Tag, auf den Tischen steht stets eine gefüllte Maß Weißbier, dazu ein Korb Brezen und kräftige Weißwürste, der Himmel auf Erden sozusagen.

Mit Herbert Knaup als grantiger Erzengel Michael verbirgt sich auch hier ein großer Schauspieler unter der Maske. Während auf Erden Detlev Buck als Gast aus Preußen unverkennbar ist, wird Michael Herbig als Boanlkaspar unter einer bleichen Maske versteckt und ist kaum wiederzuerkennen. Er ist die größte Überraschung des Films, verleiht seiner Figur eine verschlagene, aber auch verletzliche Aura, die diesen Sensemann zu einer geradezu sympathischen Figur macht. Nicht zuletzt weiß Vilsmaier, der einmal mehr als sein eigener Kameramann fungierte, die bayerische Natur zu kraftvollen Aufnahmen zu nutzen, die „Die Geschichte vom Brandner Kasper“ endgültig zu einem bemerkenswert runden, sehr humorigen Heimatfilm werden lassen. Wenn schon die absolute Mehrheit der CSU verloren geht, was den Heimatfilm angeht, macht den Bayern momentan niemand etwas vor.

 

Michael Meyns

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Ein Vilsmaier-Film über das tausendfach gespielte und bereits zweimal verfilmte Theaterstück vom „Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“.

Der Brandner hat beim Bürgermeister Kugler Schulden und bessert daher manchmal seinen Geldbeutel mit Wildern auf. Als er erwischt wird, trifft ihn am Kopf ein gefährlicher Streifschuss. Ist er schon dem Tode nahe?

Jedenfalls taucht der Tod, der „Boandlkramer“, wie das auf gut bayerisch heißt, schon einmal vorsorglich bei ihm auf. Doch der Brandner ist nicht nur verwundet, sondern auch schlau. Mit Schnaps und beim Kartenspiel haut er den Tod übers Ohr, ringt ihm, 69 Jahre alt, dadurch noch 21 Lebensjahre ab.

Mit dem Kugler, den königlichen Hofjägern oder dem „ersten Touristen in Bayern“ hat es der Brandner nicht so, da schon eher mit seiner Enkelin Nannerl, deren Schatz Toni oder der noch feschen Sophie.

Dem Auftrag des Boandlkramers nach müsste der Brandner schon neun Monate tot sein. Als an der Himmelspforte bemerkt wird, dass er nirgends aufzufinden ist, ist sogar im Himmel der Teufel los. Immerhin erhält der Brandner die Gelegenheit, „eine Stunde“ einen Blick in den Vorhof des Paradieses zu werfen, wo inzwischen unglücklicherweise auch das geliebte Nannerl schon gelandet ist – Brandners Frau, Eltern und Großeltern sowieso. Nach dieser Stunde wird er sich entscheiden können, ob er leben oder sterben will.

Man kann das Urteil über diesen Film sehr leicht zum Ausdruck bringen: bayerische Folklore ziemlich perfekt gemacht. Ein typischer Vilsmaier-Film. Neben den herrlichen Schauplätzen und dem vielbewährten Drama hatte der Regisseur eine Schauspielergarde zur Verfügung, die sich sehen lassen kann: Franz Xaver Kroetz als hervorragender Brandner Kaspar; Michael Bully Herbig als bauernschlauer, durchtriebener Tod – mehrere Male an der Grenze zur Übertreibung, dem Affen (zuviel) Zucker gebend; Jörg Hube als thronender und dröhnender Petrus; Lisa Maria Potthoff als liebreizendes Nannerl;  Alexander Held als abgefeimter Kugler; Herbert Knaup als nörgelnder Erzengel Michael; Elisabeth Trissenaar als späte Liebste Sophie; und noch manch andere.

Ein „Zuckerl“ für Liebhaber.

Thomas Engel