Goodbye, Bafana

Basierend auf den Erinnerungen eines südafrikanischen Gefängniswärters, der durch den Kontakt mit Nelson Mandela seine Prinzipien veränderte, erzählt Bille August von einer der charismatischsten Persönlichkeiten unserer Zeit. Penibel in Ausstattung und Kostümen, lebt der Film zum einen von Dennis Haysbert exzellenter Darstellung als Nelson Mandela, zum anderen davon, dass das Erzählte tatsächlich stattgefunden hat, denn sich eine solche Geschichte ausdenken, wäre kaum möglich.

Webseite: www.goodbyebafana.com

Deutschland, Belgien, Frankreich, Südafrika, Italien, Großbritannien 2007
Regie: Bille August
Buch: Greg Latter & Bille August
Kamera: Robert Fraisse
Schnitt: Hervé Schneid
Musik: Dario Marianelli
Darsteller: Joseph Fiennes, Dennis Haysbert, Diane Kruger, Faith Ndukwana, Terry Pheto
117 Minuten, Format 1:2,35 (Scope)
Verleih: X Verleih
Kinostart: 12. April 2007

PRESSESTIMMEN:

 

Eine Geschichte über Menschlichkeit und Mut, deren ruhige Erzählweise ebenso beeindruckt wie das intensive Spiel der Hauptdarsteller.
Brigitte

Ein bewegender Wohlfühlfilm… Ein anrührendes Drama über die Haftjahre Nelson Mandelas und den Terror des Apartheitregimes.
Cinema

FILMKRITIK:

Südafrika 1968. Der ambitionierte Gefängniswärter James Gregory (Joseph Fienens) wird auf die vor Kapstadt gelegene Insel Robben Island versetzt. Zusammen mit seiner Frau Gloria (Diane Kruger) und den beiden Kindern bezieht er ein schmuckes Haus und findet schnell Kontakt zu den Kollegen und ihren Familien. Auf Robben Island hat das Apartheidregime die in seinen Augen gefährlichsten Mitglieder des ANC inhaftiert. Eine Chance auf Begnadigung gibt es nicht und so besteht der Alltag der Häftlinge aus Steine klopfen und den Schikanen der offen rassistischen Wärter. Zunächst passt auch Gregory in dieses Schema. Dass er aber Xhosa, die Sprache der Schwarzen, spricht, macht ihn für seine Kollegen verdächtig, auch wenn es der Grund für seine Berufung ist. Er soll die Poststelle leiten und so die Briefe an und von den Gefangenen auf etwaige versteckte Botschaften hin untersuchen. Zunächst macht sich Gregory voller Eifer an seine Aufgabe, liefert dem Geheindienst Informationen, die zur Ergreifung von Widerstandskämpfern führen, doch der Kontakt zu Mandela beginnt ihn zu verändern.

Zwar ist Mandela hier nur eine Nebenfigur, doch mit seiner mächtigen Statur, seiner natürlichen Autorität schafft es Dennis Haysbert in nur wenigen Szenen, ein Gefühl für das enorme Charisma Mandelas zu vermitteln. Nie wird er ausfallend, nie beschwert er sich über die Ungerechtigkeit der Behandlung, über willkürliche Schikanen und Diskriminierungen, sondern vertraut allein auf gewaltlosen Widerstand.

Dass der Film damit zu einer Stilisierung der Freiheitsbewegung Südafrikas als ausschließlich nobel, nahezu gewaltlos beiträgt, ist einer der zwiespältigen Eindrücke, die der Film hinterlässt. Auch der Wandel, den James Gregory durchlebt, hätte überzeugender geschildert werden können. Joseph Fiennes gelingt es nur selten, eine komplexe Figur zu entwerfen, die in der Kindheit mit Schwarzen gut auskam und offenbar erst in späteren Jahren den Rassismus der Gesellschaft übernommen hat.

Im Laufe der zwei Stunden Spielzeit bewegt sich die Erzählung recht sprunghaft durch die Zeit, deutet politische Entwicklungen an, zeigt das Altern der Figuren vor allem in Bartwuchs und ergrauenden Haaren (während Diane Kruger am Ende ebenso faltenlos auftritt wie 22 Filmjahre zuvor) und versucht so, eine epische Geschichte der Unabhängigkeitsbewegung Südafrikas zu erzählen. Und letztlich ist es das, was den Film bewegend macht, auch wenn er dabei von einem allgemeinen Interesse an Südafrika profitiert, dass in den letzten Jahren zu etlichen Filmen über das Land geführt hat. Aber das Leben Mandelas ist einfach per se eine große Geschichte, bei der ein Film schon sehr viel falsch machen muss, um nicht von der Faszination, die von Mandela ausgeht, zu profitieren. Insofern ist Goodbye Bawana ein gut gemeinter, souverän gemachter Film.

Michael Meyns

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Der Film handelt von der verwerflichen, perversen Apartheid in Südafrika, vom Freiheitskämpfer, Übermenschen und Propheten Nelson Mandela sowie von seinem persönlichen Gefängniswärter James Gregory und dessen Frau Gloria.

Gregory verstand einen afrikanischen Dialekt. Deshalb wurde er, der einfache Vollzugsbeamte, zu Mandela auf die Gefängnisinsel Robben Island abkommandiert. Der südafrikanische Sicherheitsdienst war darauf bedacht, Mandela auszuhorchen.

Gregory war anfänglich ein Rassist, ein Befürworter der Apartheid, einer, der geprägt war vom Hass der Weißen gegenüber den „Kaffern“, von der Angst, knapp 20 Millionen unterdrückte Schwarze könnten sich auflehnen gegen vier Millionen Weiße.

Gregorys Frau Gloria plapperte lange ebenfalls die Auffassung der Buren nach, die Farbigen seien Untermenschen, die Trennung zwischen weiß und schwarz müsse sein, Gott habe das so gewollt. Sie war zudem ehrgeizig und darauf aus, dass ihr Mann befördert werde.

Mandelas menschliche, moralische und kämpferische Größe braucht nicht mehr beschrieben zu werden. Er ist einer der wichtigsten Menschen, die heute leben.
1968. Gregory tritt seinen Dienst als Bewacher Mandelas an. Er ist streng, hält sich an die Regeln, verrät aufständische ANC-Mitglieder, die daraufhin ihr Leben verlieren. Er hat keinen großen Spielraum, denn nicht nur Mandela wird überwacht. Auch dessen Gefängniswärter untersteht der Kontrolle. So geht das jahrelang.

Aber Gregory sieht auch das Unrecht, das den Gefangenen angetan wird. Er nimmt wahr, dass die Freiheits-Charta des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) nicht einmal gelesen werden darf. Ihm wird zunehmend der starke Kampfes-, Gerechtigkeits- und Freiheitswille Mandelas bewusst. Er beginnt zu zweifeln. Ihm wird klar, dass mit der Apartheid die weiße Bevölkerung Südafrikas keine Zukunft haben wird. Er beginnt Mandela zu schätzen. Es ist kein schneller Prozess, denn er dauert fast 20 Jahre. Aber am Ende werden Mandela und Gregory Freunde sein.

1999 kommt Mandela nach 27 Jahren frei. Vier Jahre später ist er Südafrikas erster Präsident.

Minutiös, historisch genau und formal überaus beeindruckend werden diese Dekaden und die ihnen eigenen Geschehnisse rekonstruiert. Unzählige Situationen und Abläufe sind geschildert, und Genauigkeit in jeder Beziehung war dabei auf der Grundlage eines ausgezeichneten Drehbuches Regisseur Bille Augusts oberstes Gebot.

Für Joseph Fiennes (Gregory), Dennis Haysbert (Mandela) und Diane Krüger (Gloria) war es eine ebenso packende wie schwierige Aufgabe, die menschliche Intensität der Personen, die Gestik, den besonderen südafrikanischen Sprachduktus überzeugend zum Ausdruck zu bringen. Jeder der drei bietet eine tolle Leistung.

Die moralische Botschaft des Films ist nicht hoch genug einzuschätzen. Letzten Endes siegt immer das beharrlich verfochtene Recht über falsche Macht und Unrecht.

Ein großartiger Film. Darf in keinem Filmkunsttheater und Programmkino fehlen.

Thomas Engel