größte Spiel der Welt, Das

Fußball verbindet und ist selbst in den entlegendsten Regionen der Welt ein Thema. Diese These unterstreicht der spanische Regisseur Gerardo Olivares mit „Das größte Spiel der Welt“. Seine dokumentarisch anmutende und von großartigen Landschaftsaufnahmen geprägte Komödie erzählt von den Schwierigkeiten, die drei fern jeder Zivilisation lebende Menschengruppen haben, um in den Genuss einer Liveübertragung des WM-Endspiels 2002 zwischen Deutschland und Brasilien zu kommen. „La Gran Final“ ist zugleich aber auch ein Spiegel für die Veränderung von Lebenswelten.

Webseite: www.zorrofilm.de

OT: The Great Match / La Gran Final
Spanien/Deutschland 2005
Regie: Gerardo Olivares
Darsteller: Laien aus der Mongolei, Niger und Brasilien
88 Minuten
Verleih: Zorro Film
Kinostart: 7.6.2007

PRESSESTIMMEN:

 

Ein urkomischer Spiel-Film mit echten Menschen aus fremden Welten – und wunderschönen Bildern aus Busch, Wüste und eisiger Steppe.
Brigitte

Ausgelassen und witzig erzählt der in Naturfilmen bewanderte spanische Regisseur Gerardo Olivares von der einfallsreichen Beschaffungsenergie Fußballsüchtiger und macht daraus eione augenzwinkernde Hommage an den menschlichen Spieltrieb.
Der Spiegel

FILMKRITIK:

Bilder von in der mongolischen Steppe lebenden Nomaden und ihrem einfachen Leben in Jurten sind dem Kinogänger spätestens seit „Der Geschichte vom weinenden Kamel“, der „Höhle des Gelben Hundes“ oder „Mongolian Ping Pong“ geläufig. Betörend nach wie vor endlose Wüstenlandschaften mit Beduinen und Kamelen aus Afrika. Und immer noch exotisch auch der Einblick in das wilde Leben von Dschungelindianern im Amazonasgebiet. In diese drei entfernten Winkel hat es Gerardo Olivares gezogen, um vom gemeinsamen Interesse der dort lebenden Menschen am Fußball zu erzählen.

Dass man sich fernab der ausgetretenen Pfade überhaupt für Fußball interessiert, scheint so ungewöhnlich nicht. Fußballer sind einfach Helden, Namen wie Beckham, Ronaldo oder Kahn längst Allgemeinwissen. Gekickt wird überall auf dieser Erde, und sei es mit Blechdosen oder aus Korb oder Fasern geflochtenen Bällen. Schon hier zeigt sich der Einfallsreichtum der Dritten Welt – und er zeigt sich in „Das größte Spiel der Welt“ auch darin, wie es den Helden von Olivares Film gelingt, ihre Fernsehgeräte empfangsbereit zu bekommen. Mal lötet ein Fahrzeugmechaniker in der Ténéré-Wüste in Niger kurzerhand die defekte Bildschirmröhre mit Hilfe eines schattenspendenden Sonnenschirms zusammen, mal muss ein klettertüchtiger Amazonasindianer hoch oben im Baum die Satellitenschüssel im korrekten Winkel halten oder stehen anstrengende Reisen zu einem für die Fernsehsignale idealen Ort bevor. Ohne Schweiß gibt es inmitten des Dschungels auch kein Mitfiebern mit der einheimischen Mannschaft, den Strom zum Fernsehbetrieb gibt’s per Handkurbel.

In den Bemühungen um das Übertragungsereignis äußert sich bisweilen die Naivität, mit der die jeweiligen Menschen dem Medium und der für sie unbekannten Technik gegenüberstehen. Gerade aus diesem fast schon kindlichen Staunen, Probieren und Improvisieren schöpft sich der Humor der Komödie. Leise klingen allerdings auch Dinge an, die Auskunft über die Veränderungen der jeweiligen Lebenswelten geben. Da schimpfen die Mongolen bei einem Stromausfall über die russische Regierung, die wohl die Stromrechnung nicht bezahlt zu haben scheint, da kündigt ein brasilianischer Sägewerksbesitzer großspurig an, auf alle Fälle zur nächsten WM fahren zu wollen, selbst wenn er dafür den letzten Baum seines Waldes fällen muss.

Trotz der im Grunde dünnen Handlung trägt der Film, auch weil er sich an der Dramaturgie des Endspielverlaufs orientiert oder bei Pannen der Faktor Zeit quasi zum Thrillerelement wird. Man könnte ja was verpassen. Je nach Region unterstreicht ein von entsprechenden landestypischen Klängen und Instrumenten geprägter Sound die großartigen Bilder von Menschen und Landschaften, und wie das weltumspannende Interesse für Fußball vermischen sich diese Soundspuren ab und zu auch zu einem pulsierenden Gesamtklang. Dass das Fußballspiel selbst nur eine begleitende Rolle spielt, sei zuletzt auch als Aufmunterung an jene adressiert, die mit Ballzauber eher nichts am Hut haben. Was diesen Film ausmacht, ist das Phänomen Fußball und die Leidenschaft, die er auf der ganzen Welt zu entfachen vermag, als solches.

Thomas Volkmann

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Alles, was es gibt, ist im Kino schon da gewesen. Also muss trotzdem immer Neues erfunden werden. Und genau das haben die Drehbuchautorin Chema Rodriguez und der Regisseur Gerardo Olivares versucht. Sie nahmen als Fixpunkt das Fußballweltmeisterschafts-Endspiel von 2002, das verständlicherweise jedermann sehen wollte. In den hoch zivilisierten Ländern ist das von der Wohnzimmercouch aus ziemlich einfach, aber wie ist es in den abgelegensten Winkeln der Erde, in der Wüste, im Regenwald oder in einer endlosen Steppe?

Die Wüste von Ténére im Niger. Kamelkarawanen ziehen durch das Land, einzelne Lastwagen sind unterwegs. Die Wege sind weit. Der Zeitpunkt des Endspiels naht. Einen alten Fernseher hat die Gruppe, um die es hier geht, aufgetrieben. Aber woher eine Antenne nehmen? Es muss improvisiert werden. Alte Eisenteile und Stangen sollen herhalten. Der Empfang ist miserabel. Doch die bunt zusammen gewürfelte Truppe aus Wüstendurchstreifern, meist Tuaregs, ist trotzdem ganz fröhlich.

Mongolei. Vom Fußfall haben die meisten der Reiter, die hier mit Steinadlern Kleinwild jagen, noch nie etwas gehört. Nur einer, der jahrelang in Russland in einem Bergwerk arbeitete, kennt den Sport von der russischen Erstliga her. Klar, dass er die um ihn Versammelten animiert, den entscheidenden Match anzuschauen. 

Amazonas. Wie sollen es ein paar Ureinwohner des mächtigen Regenwalds anstellen, das Spiel mitzubekommen? Schließlich sind sie Brasilianer, und Brasilien steht im Endspiel. Holzhändler waren es, die diese Amazonas-Indianer mit dem Fußball in Verbindung brachten. Normalerweise erlegen sie mit dem Blasrohr Affen, doch jetzt gilt es, eine Satellitenschüssel zu beschaffen, auf der Missionsstation zudem das weitere nötige Material zu organisieren und auf einem der riesigen Bäume die Antenne nicht nur zu platzieren, sondern zu balancieren. Viel sehen sie nicht – aber gewinnen tun sie. 

Die Kulturen und Lebenswelten der Beteiligten könnten unterschiedlicher nicht sein, doch sie alle verbindet die Faszination, die für sie vom Fußball ausgeht. Entscheidend für das Gelingen dieses eher dokumentarischen Spielfilms ist die Ausgangsidee, sind die außergewöhnlichen Landschaftsaufnahmen und ist das listenreiche Geschick, mit dem das schier Unmögliche möglich gemacht wird, um auch wirklich in den Genuss des Vergnügens zu gelangen.

Thomas Engel