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Der deutsch-irische Kinderfilm „Das große Rennen“ erzählt von einem kleinen Mädchen mit großen Zielen. Mit Entschlossenheit arbeitet die 11-jährige Mary daran, eine erfolgreiche Rennfahrerin zu werden. Selbst die ständigen Hänseleien ihrer Mitschüler sowie die Ablehnung ihres Vaters können sie nicht aufhalten. Regisseur André F. Nebe schildert Marys Abenteuer mit Witz und Charme, lässt aber auch nachdenkliche Töne anklingen. Sein liebenswertes Kinodebüt ist eine Empfehlung für Zuschauer ab 8 Jahren.

Webseite: www.farbfilm-verleih.de

Originaltitel: The Race
Deutschland / Irland 2009
Regie: André F. Nebe
Drehbuch: Rowan O’Neill
Darsteller: Colm Meaney, Susan Lynch, Niamh McGirr, Jonathan Mason
Verleih: Farbfilm
83 Minuten
Kinostart: 22.10.2009
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Das Leben in der irischen Provinz ist überaus einfach: Als Kind geht man brav zur Schule, um im Anschluss ebenso brav auf dem Hof der Eltern mitzuhelfen. Entweder als Melker oder Schafscherer. Die elfjährige Mary, gespielt von der liebenswerten Newcomerin Niamh McGirr, hat hingegen andere Pläne. Sie träumt davon, eine erfolgreiche Rennfahrerin zu werden. Marys ganzer Stolz ist ihre selbst gebaute Seifenkiste. In ihrem Umfeld erntet die Schülerin für ihr eigenwilliges Hobby unterdessen nur Hohn und Spott. Vor allem ihr Vater ist der Meinung, dass sich Zeit und Geld sinnvoller investieren lassen, als in Holzbretter und Gummireifen. Mary stören derartige Widerstände allerdings nicht. Im Gegenteil: Als ihr Dorf ein Seifenkistenrennen veranstaltet, sieht sie endlich ihre Chance auf die erhoffte Rennsportkarriere gekommen.

Die deutsch-irische Koproduktion „Das große Rennen“ erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens mit großen Zielen. Selbst die ärgsten Hänseleien ihrer Mitschüler prallen an Mary fast vollständig ab. Sie hat schlichtweg besseres zu tun, als sich über andere zu ärgern. Jeden Nachmittag stürmt die Außenseiterin daher fröhlich nach Hause, pfeffert ihren Ranzen in die Ecke und bastelt in der Scheune emsig an ihrem hölzernen Flitzer.

Natürlich übt sie auch fleißig auf den holprigen Landstraßen ihrer Heimat. Zusammenstöße mit streunenden Kühen oder Abflüge über Straßenhecken lassen sich dabei kaum vermeiden. Im Film sind Marys Testläufe günstige Gelegenheiten, um ein paar schwungvolle Actionszenen in die traditionelle Erzählung einzubinden. Darüber hinaus verbreitet die saftig grüne Landschaft ihren ganz eigenen Charme. Im irischen Hinterland ist die Welt noch in Ordnung.

Dennoch gärt es unter der heilen Oberfläche. Wie sich herausstellt, kriselt es in der Ehe von Marys Eltern gewaltig. Vor allem die Mutter, gespielt von Susan Lynch („Nora“), hält es auf dem Land nicht mehr aus. Sie will weg, einfach nur raus.

Für Mary ist diese Situation natürlich traurig. Auch ihren Vater belasten die allabendlichen Streitgespräche sehr. „Star Trek: Deep Space Nine“-Star Colm Meaney verkörpert den nachdenklichen Mann als Mischung aus raubeinigem Landarbeiter und liebendem Vater, der im Grunde nur das Beste für seine kleine Familie will.

Die dargebotene Ehekrise belastet den ansonsten so fröhlichen Kinderfilm ein wenig, erdrückt ihn aber nicht. In seinem Kinodebüt bringt der Berliner Regisseur André F. Nebe dem jungen Publikum vielmehr behutsam bei, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, sein persönliches Glück zu suchen.

Mary und ihre Mutter sind sich hierbei sogar ziemlich ähnlich. Beide behaupten sich mit größter Entschlossenheit gegen die Vorurteile und Widerstände ihres privaten Umfeldes. Und genau das transportiert der Film bravourös: Lasse dich niemals unterkriegen!

Dank seiner sympathischen Besetzung und der vielschichtigen Handlung zwischen Witz und Wehmut ist „Das große Rennen“ eine echte Empfehlung für Zuschauer ab 8 Jahren.

Oliver Zimmermann