gute Hirte, Der

Starbesetzt mit einer Handvoll Oscar-Preisträgern erzählt Robert De Niro in seiner zweiten Regiearbeit von einem der Gründer des CIA-Geheimdienstes. Sein Name ist Wilson, Edward Wilson. Die Figur selbst ist fiktiv, der Rahmen der Handlung indes bestens recherchiert – als Berater von „Forrest Gump“-Drehbuchautor Eric Roth war einer der höchstdekorierten CIA-Veteranen tätig. Während der Held beruflich immer höher auf der Karriereleiter klettert, leidet sein Familienleben gravierend unter seinem ständig zunehmenden Misstrauen in allen Bereichen. Trau, schau, wem? Niemandem! Famos gespielt, exzellent fotografiert und sehr souverän in Szene gesetzt: And the Oscar & Berlinale Bär goes to….?

Webseite: www.dergutehirte-film.de

The Good Shepherd
USA 2007
Regie: Robert De Niro
Drehbuch: Eric Roth 
Darsteller: Matt Damon, Angelina Jolie, Alec Baldwin, Tammy Blanchard, Billy Crudup, Robert De Niro, Keir Dullea, Michael Gambon, William Hurt, Timothy Hutton, Martina Gedeck
Länge: 167 Minuten
Verleih: UPI
Premiere: Filmfestspiele Berlin 2007
Kinostart: 15.Februar 2007

PRESSESTIMMEN:

Sorgfältig im düsteren Neo-noir-Stil inszeniert, hält der Film die Frage nach dem höheren Ziel der Behörde in einer ambivalenten Schwebe. Zwar nutzt er die Ästhetik des Genrekinos, verliert sich aber nicht in dessen Konventionen, wobei der Kampf um die Macht in erster Linie mit Worten ausgefochten wird. – Sehenswert.
film-dienst

FILMKRITIK:

Was sind das eigentlich für Leute, die beim Geheimdienst arbeiten? Wie ticken diese Typen? Wie leben und, falls überhaupt, wie lieben sie?

 

Nach seinem verschnarchten Regiedebüt „A Bronx Tale“ gelingt Schauspiel-Ikone Robert de Niro sein zweiter Streich hinter der Kamera um Klassen besser. Er erzählt die packende Geschichte von Edward Wilson (Matt Damon), einem der Gründer und Chefstrategen der CIA. Die Figur ist fiktiv, die Story frei erfunden. Die Hintergründe freilich sind bestens recherchiert: Einer der höchstdekorierten CIA-Agent wurde von De Niro als Berater engagiert.

Alles beginnt bieder. Als Elitestudent in Yale wird Edward in den „Skull and Bones“-Geheimbund aufgenommen – der Beginn einer wunderbaren Seilschaft. Im wahren Leben waren George W. Bush samt Papa und Opa schon Mitglied in diesem beziehungsförderlichen Machtzirkel. Im Film werden dort die ersten Mitarbeiter des jungen US-Geheimdienstes rekrutiert. Schon als Student bespitzelt der Held beflissen seinen Dozenten. Bei seiner Hochzeit bekommt er den Einsatzbefehl nach Europa. Von Frau und Kind sieht Wilson wenig. Umso besessener lebt er sein Agentendasein. Immer tiefer frisst sein ständiges Misstrauen sich in ihm ein. Ein winziger Verdacht nach vollbrachter Liebesnacht genügt, eine Übersetzerin (Martina Gedeck) zu erschießen – hätte ja für die Russen arbeiten können! Zurück im trauten Heim folgen schwere Vertrauenskrisen. Trau, schau, wem? Niemandem! Wilson mutiert zum Monster: gefühlskalt, humorlos, technokratisch – so sehen Sieger aus, Sieger in der mächtigsten Geheimdienstbehörde der Welt. Und dennoch ist er eher Opfer als Täter, zahlt einen enormen Preis für seine patriotische Paranoia: früh verliert er die Liebe seiner schönen Frau (Angelina Jolie), verrät später den eigenen Sohn und opfert eiskalt dessen schwangere Freundin. Sein einziges Vergnügen scheint der Bau von Buddelschiffe zu sein oder das Katz-und Mausspiel mit seinem KGB-Gegenspieler.

Als einzigem Menschen vertraut Wilson dem General, grandios gespielt von De Niro selbst. Ähnlich überzeugend auch der leinwandpräsente Matt Damon als gebrochener Held am Kap der Agenten-Angst. Nur John Turturro und William Hurt nerven, wie üblich, mit übertriebenem Getue.

Dafür, und für einige Längen, entschädigen die exzellenten Bilder von Oliver Stone-Kameramann Richard Richardson sowie das gekonnt konstruierte Drehbuch von „Forrest Gump“-Schreiber Eric Roth. Dass er sein Psychogramm als raffiniertes Puzzlespiel mit reichlich Rückblenden entwickelt, macht die Story zwar etwas kompliziert. Beim Spionage-Genre war ein bisschen Mitdenkenden freilich schon immer der Preis für prickelnde Unterhaltung  – and the Oscar goes to…? 

Dieter Oßwald