Hanami

In Portugal wurde Denise Fernandes als Kind von Migranten von den Kapverdischen Inseln geboren, wuchs in der Schweiz auf und nennt ihren ersten Spielfilm nach dem japanischen Begriff „Hanami,“ was schon andeutet, welch vielfältiges Geflecht aus Mythen und Traditionen in einem impressionistischen Film zusammenkommen, der dadurch erst recht die vielfältige Kultur der Inselgruppe im Atlantik widerspiegelt.

 

Über den Film

Originaltitel

Hanami

Deutscher Titel

Hanami

Produktionsland

CV, PT, CH

Filmdauer

96 min

Produktionsjahr

2025

Produzent

Eugenia Mumenthaler, Sandro Aguilar, David Epiney, Luís Urbano

Regisseur

Denise Fernandes

Verleih

jip film & verleih gbr

Starttermin

05.11.2026

 

Fast einen perfekten Kreis bildet die Insel Fogo, in deren Mitte ein Vulkan emporragt, der die Landschaft des zu den Kapverden gehörenden Eilands prägt. In regelmäßigen Abständen bricht der Vulkan aus, strömt Lava den Hang hinunter, der zu schwarzen Felsen erstarrt, der die den Vulkankrater umgebende Landschaft unwirklich erscheinen lässt. Auch an den die Insel säumenden Strände findet sich schwarzer Sand, viele Häuser und Hütten verwenden ebenfalls den schwarzen Vulkanstein als Baumaterial.

Hier wächst Nana auf (als Kind gespielt von Dailma Mendes, als Teenagerin von Sanaya Andrade) in einfachen Verhältnissen, bei ihrer Großmutter. Ihre Mutter Nia (Alice da Luz) hat sie nie kennengelernt, sie hatte die Insel kuez nach der Geburt des Kindes verlassen, wie so viele Kabverdier vor ihr, um auf dem Festland Geld zu verdienen.

Als Kind wird Nana immer wieder von mysteriösen Krankheiten geplagt, liegt mit Fieber im Bett. Zur Heilung wird sie von der Küste ins innere der Insel geschickt, ins mystische Zentrum, wo ein Medizinmann sie mit Kräutern, Blumen und anderen Besonderheiten der Vulkaninsel vertraut macht.

Zunehmend eng wird Nanas Verhältnis zu ihrer Heimat, zu dem einfachen Leben, an das sie sich gewöhnt hat, das sie auch nicht mehr aufgeben will, als eines Tages ihre Mutter auf die Insel zurückkehrt.

Vor der westafrikanischen Küste liegt die Inselgruppe der Kapverden, deren Verbindung zur ehemaligen Kolonialmacht Portugal immer noch eng sind. Vor allem in Lissabon, aber auch im amerikanischen Massachusetts, leben mehr Kapverdier und deren Nachkommen, als auf den Inseln selbst, die Diaspora ist wirtschaftlich für das Heimatland unersetzlich.

In gewisser Weise könnte man Denise Fernandes Film „Hanami“ daher sowohl als Blick von Innen wie von Außen beschreiben, ein Film, der von einer Regisseurin stammt, die In Lissabon geboren wurde, vor allem in der Schweiz aufwuchs, dort Film studierte, durch Besuche in der Heimat ihrer Eltern aber auch einen starken Bezug zu den Kapverden hatte, von Erzählungen ihrer Großeltern geprägt wurde.

In mancherlei Hinsicht erfüllt „Hanami“ nun die typischen Erwartungen des westlich geprägten Festival- oder Arthousekinos, zeigt traditionelle Lebensarten, ein mystisch geprägtes Leben, das fern jeglicher westlichen Zivilisation zu liegen scheint. Dazu der kindlich geprägte Blick der Hauptfigur, mit der auf neugierige, manchmal auch naive Weise auf das Leben geblickt wird.

Doch Fernandes gelingt es auf überzeugende Weise, erzählerische und visuelle Klischees gar nicht erst aufkommen zu lassen. In impressionistischen Bildern, die lose von Handlungsmomenten zusammengehalten werden, streift sie über die Insel und beobachtet das Älterwerden ihrer Hauptfigur.

Die Zeit scheint stillzustehen, Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen, die Wellen schlagen seit Jahrhundert an die Küsten der Kapverdischen Inseln, wo Naza sich in die Reihe der Frauen einreiht, in denen die Traditionen weiterleben.

 

Michael Meyns

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