Hangtime

Gute Sportfilme aus Deutschland sind rar. Das gelungene Kinodebüt von Wolfgang Groos gehört in diese Kategorie. Die Geschichte eines jungen Basketballspielers aus der Provinz ist ein klassisches Coming-of-Age-Drama, das die Dramatik des Sportgeschehens jederzeit glaubhaft und spannend auf die Leinwand bringt. Gleichzeitig präsentiert der Film mit Max Kidd ein Schauspieltalent, das nicht nur auf dem Basketballplatz eine gute Figur abgibt.

Webseite: www.hangtime-derfilm.de

Deutschland 2008
Regie: Wolfgang Groos
Produzent Tom Spieß & Sönke Wortmann
Kamera: Alexander Fischerkoesen
Darsteller: Max Kidd, Misel Maticevic, Ralph Kretschmar , Max Fröhlich , Mirjam Weichselbraun
Länge: 92 Minuten
Verleih: 3L-Filmverleih
Kinostart:15.10.2009
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Vinz (Maxx Kidd) ist der Star der Zweitliga-Mannschaft Phoenix Hagen. Doch ausgerechnet in der entscheidenden Phase des Aufstiegsrennens scheint der junge Korbjäger mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Ein wichtiges Spiel hat die Mannschaft schon wegen seiner Unaufmerksamkeit verloren, nun hängt alles vom letzten Saisonspiel in zwei Wochen ab. Der Druck ist immens und wird durch die Ambitionen seines älteren Bruders Georg (Mišel Matièeviæ) nicht kleiner. Georg gehörte vor zwölf Jahren selber zu den größten Basketballtalenten des Landes, bis seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen und er Sport und Schule sausen ließ, um sich um den kleinen Bruder zu kümmern. Jetzt leben die beiden mit dem kärglichen Gehalt, das Georg als Hilfsarbeiter in der Fabrik verdient, in einer heruntergekommenen Hochhaussiedlungen in Hagen. Zwischen Führsorge und Frust setzt Georg alle Hoffnungen auf den jüngeren Bruder. Die künftige Karriere von Vinz als Basketballstar soll auch für ihn den Absprung aus der Hoffnungslosigkeit in Hagen bedeuten.

Aber während er als „Manager“ bereits Ausschau nach lukrativen Angeboten in der Basketballbundesliga hält, hat Vinz selber ganz andere Pläne. Ein Sportstipendium in den Staaten soll ihm die Möglichkeit verschaffen, Studium und Basketball zu verbinden. Seine College-Recherchen betreibt er heimlich aus einem Internet-Cafe, wohin er sich auch seine Post schicken lässt. Bislang hagelt es zwar nur Ablehnungen, dafür funkt es bei der neuen Aushilfe Kathi (Mirjam Weichselbraun). Aber weil die Studentin eigentlich bereits in festen Händen ist, zieht es den verliebten Vinz nach der ersten Nacht den Boden unter den Füßen weg. Für Vinz gilt es in diesem entscheidenden Moment den Überblick zu bewahren. Nicht leicht, wenn man beruflich, sportlich und privat in der Luft hängt.

„Hangtime“ nennt man im Basketball die Zeit, die sich der Sportler in der Luft befindet nach dem Absprung, kurz bevor er den Ball in Richtung Korb wirft. Im Film von Wolfgang Groos ist dies die treffende Metapher für den Zustand seines Helden. Sein Leben gleicht einer Hängepartie mit ungewissem Ausgang. Max Kidd spielt den Vinz in jeder seiner wechselnden Lebenslagen sensibel und eindringlich. Mal kraftstrotzend und vital, voller jugendlichem Selbstbewusstsein, um sich im nächsten Augenblick in Lethargie und Selbstzweifel zu ergehen. Und weil Kidd nicht nur über die nötige Leinwandpräsenz verfügt, sondern auch ein unübersehbares Talent für das Basketballspiel hat, kommen die dynamisch inszenierten Spielszenen in jeder Phase packend und authentisch daher.

Doch nicht nur Kidd kann als Kinoheld punkten, auch Mišel Matièeviæ („Effi Briest“) liefert als gequälte Bruderseele seine bislang überzeugendste Leinwandleistung ab. Neben dem Protagonisten avanciert auch die Stadt Hagen zu einem weiteren heimlichen Hauptdarsteller. Der Film fängt die Atmosphäre dieses hübsch-hässlichen Häusermeers ein, das für Jungs wie Vinz Heimat und Hölle gleichermaßen ist. Die spezifische Spannung einer solchen Stadt, die zum Sterben zu groß, aber zum Träumen entschieden zu klein ist, zeigt sich in den Episoden, in denen Vinz mit den Freunden aus Kindertagen um die Häuser zieht. Das skurrile Abenteuer rund um einen abgetrennten Finger als Starthilfe zur Rap-Karriere erinnert an die nächtlichen Aktionen der Hamburger Jungs in „Absolute Giganten“, auch so ein gelungener Debütfilm, der das Leben auf dem Weg zum Erwachsenwerden wunderbar eingefangen hat. Wie damals bei Sebastian Schipper ist auch bei „Hangtime“ das Drehbuch, aus der Feder von Christian Zübert („Lammbock“) und Heinrich Hadding, stimmig und präzise ausgearbeitet und oszilliert zwischen dramatischen und komischen Szenen, hin zum bittersüßen Happy End mit melancholischem Beigeschmack.

Norbert Raffelsiefen

Hagen/Westfalen. Basketball-Verein Phoenix. Vinz, 21 Jahre alt, ist zweifellos einer der besten Spieler der führenden Mannschaft des Vereins. Sein Traum wäre es, Profi-Basketballer zu werden. Er gilt nämlich als der beste Werfer, als der „Topscorer“, wie man auf neudeutsch so schön sagt.

Sein älterer Bruder Georg fördert ihn und treibt ihn an. Selbst konnte er keine Karriere machen, der Tod der Eltern kam damals dazwischen. Da musste er sich um Vinz kümmern.

Der wiederum träumt von einem Sportstipendium in den USA. Sollte das etwas werden, würde ihm allerdings die Trennung von seinen besten Freunden Samuel und Ali sehr schwer fallen.

Und jetzt funkt auch noch die Liebe dazwischen. Denn Vinz lernt Kathi kennen und mögen. Nun wird der Entschluss, vor
allem mit den USA-Plänen, noch schwieriger.

Aber zuerst muss einmal ein entscheidender Match gewonnen werden.

Eine Art Zielgruppenfilm. Abwechselnd behandelt werden rasante Basketball-Szenen, die Leidenschaft für den Sport, die Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern, der Kampf um die schwierige Lebensentscheidung von Vinz, die Freundschaft zwischen Ali, Samuel und Vinz sowie schließlich, aber mitentscheidend die Liebe zum anderen Geschlecht.

Kein großes, aufregendes Drama. Aber die berührten Themen werden ziemlich realistisch und einigermaßen unterhaltend, manchmal sogar mit Herz und Humor dargestellt. Wie gesagt eine Art Zielgruppenfilm.

Der junge Max Kidd spielt dabei ganz gut den in einem schwierigen, aber auch spannenden Lebensabschnitt stehenden Vinz. Und es gab dafür auch schon eine Belohnung. Auf dem diesjährigen Filmfest München wurde er für seine Leistung im Rahmen des Förderpreises Deutscher Film als Bester Darsteller ausgezeichnet.

Thomas Engel