Hanni und Nanni

Die Abenteuer der Zwillinge Hanni und Nanni haben sich weltweit millionenfach verkauft und dabei unzählige, meist junge Leser begeistert. Obwohl die Geschichten nach der Vorlage von Enid Blyton auch hierzulande seit den sechziger Jahren eine hohe Bekanntheit genießen, kommt erst jetzt eine mit viel heimischer Schauspielprominenz besetzte Verfilmung in die Kinos – leider mit einer spannungsarmen Geschichte und eher lieblos gezeichneten Charakteren.

Webseite: www.hanniundnanni-film.de

Deutschland 2010
Regie: Christine Hartmann
Drehbuch: Katharina Reschke, Jane Ainscough
Darsteller: Sophia Münster, Jana Münster, Katharina Thalbach, Hannelore Elsner, Suzanne von Borsody, Heino Ferch, Anja Kling, Zoe Thurau, Aleen Jana Kötter, Emelie Kundrun
Kinostart: 17.6.2010
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Verleih: UPI

PRESSESTIMMEN:

…wirkt nicht bemüht zwangsmodernisiert, sondern charmant und unterhaltsam.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Seit nahezu fünf Jahrzehnten sind die aufgeweckten Zwillinge Hanni und Nanni ein unverrückbarer Teil generationenübergreifender Kindheitserinnerungen. Ihre Abenteuer in der Internatsatmosphäre des Lindenhofs beflügelten – egal ob in Romanform oder als Hörspiel – die Fantasie unzähliger meist vorpubertierender Mädchen. Nun hat das aufgeweckte Geschwisterpaar zum ersten Mal den Weg auf die Leinwand gefunden, wobei der Schauplatz und die Konflikte dem Zeitgeist angepasst und modernisiert wurden. Das „Facelifting“ beginnt bereits mit dem Aufhänger der in ihren Ausmaßen recht überschaubaren Story. Hanni und Nanni (Sophia und Jana Münster) jagen mit ihren Freundinnen durch ein Berliner Luxuskaufhaus. Fälschlicherweise werden sie bei dieser Toberei des Diebstahls beschuldigt, was für die Zwillinge einen Schulverweis nach sich zieht. Ihre vermeintlich so progressiven Eltern (Anja Kling, Heino Ferch) wissen sich nicht anders zu helfen und stecken sie daraufhin in ein Internat, den „Lindenhof“.

Dort angekommen fällt der impulsiven Hanni die Eingewöhnung nicht gerade leicht. Sie trauert ihren Freunden, ihrem alten Umfeld und ihrem Hockey-Team, den „JoCats“, hinterher. Müsste Nanni ihre Schwester nicht ständig aus brenzligen Situationen retten – mit den Vorschriften der strengen Konrektorin Frau Mägerlein (Suzanne von Borsody) nimmt die es nämlich nicht so genau –, sie hätte sich vermutlich noch schneller eingelebt und erste Freundschaften geknüpft. Vor allem träumt sie schon länger davon, einmal in einem Schulorchester zu spielen. Die liebenswerte Musiklehrerin Mademoiselle Bertoux (Katharina Thalbach) weckt in ihr erneut den Ehrgeiz, sich diesen Traum zu erfüllen. Am Tag des Vorspielens durchkreuzt jedoch das Hockey-Match zwischen „Lindenhof“ und den „JoCats“ beinahe dieses Vorhaben.

Ähnlich wie die Abenteuer der „Wilden Hühner“ zielt auch die Neuauflage der beliebten „Hanni & Nanni“-Reihe der englischen Autorin Enid Blyton auf ein junges, weibliches Publikum im Teenager-Alter. In der idyllischen Welt des Internats darf vom ersten Kuss geschwärmt und dem eigenen Pferd geträumt werden. Selbst die Mutproben gehen hier über ein harmloses Matratzenrennen nie hinaus. Und auch allzu weltliche Konflikte – dem „Lindenhof“ droht aufgrund eines finanziellen Engpasses die Schließung – lassen sich im Handumdrehen und mit ein bisschen guten Willen lösen. Wenn schon das Drumherum kaum Spannung und Abenteuer versprüht, so sollten zumindest die Beziehungen der Mädchen zu ihren neuen Mitschülerinnen im Mittelpunkt stehen. Doch auch hier enttäuscht der Film mit seiner recht lieblosen, oberflächlichen Darstellung. In die Gefühlswelt seiner jungen Protagonisten dringt dieser „Hanni & Nanni“ ohnehin nie ehrlich oder gar differenziert vor. Stattdessen begnügt sich das Drehbuch zumeist damit, Charaktere wie Hanni und Nannis Erzfeindin Oktavia (Emelie Kundrun) als verzogene Tussi zu karikieren. Damit ereilt sie letztlich das gleiche Schicksal wie die Erwachsenen. Die eignen sich bestenfalls als sympathisches Klamaukpersonal in einem insgesamt ohne Esprit inszenierten Film.

Marcus Wessel

Die Geschichte von „Hanni & Nanni“ der Britin Enid Blyton ist weltbekannt und wird von den etwa 6- bis 12jährigen Mädchen verschlungen. Kein Wunder, dass sich auch Filmproduzenten des Stoffes annahmen, zumal sie mit den eineiigen Zwillingen Sophia und Jana Münster ein gutes Mädchenpaar fanden. Es sei zwar, mit Verlaub, angemerkt, dass die beiden nicht immer deutlich genug sprechen, sonst aber ihre Sache ordentlich machen.

Hanni und Nanni werden zu Unrecht verdächtigt, im Kaufhaus ein Wäschestück gestohlen zu haben – die Sache klärt sich natürlich später auf – und sollen deshalb, weg von ihren bisherigen Freundinnen und ihrem Hockey-Club, ins Internat „Lindenhof“. Dort wollen sie gar nicht hin, müssen es aber von ihren Eltern aus (Anja Kling und Heino Ferch). Später allerdings würden sie das Internat am liebsten gar nicht mehr aufgeben.

Den „Lindenhof“ leiten Klischee-Lehrer: die gütige Direktorin Frau Theobald (Hannelore Elsner), die gestrenge affige Sportlehrerin Frau Mägerlein (Susanne von Borsody), die verrückte Französisch- und Musikpädagogin Mademoiselle Bertoux (Katharina Thalbach).

Im Internat wird gelernt, musiziert, Hockey trainiert, werden Streiche (wie das „Matratzenrennen“) gespielt, wird das Pferd einer Schülerin vor dem Verkauf bewahrt, verrät Hanni (oder Nanni?) ihre Mitschülerinnen nicht, wird durch den Einsatz von Hanni (oder Nanni?) ein wichtiges Match gewonnen. Und schließlich wird mit Zutun der Mädchen auch noch „Lindenhof“ vor dem finanziellen Ruin gerettet.

(Die Erlebnisse der beiden Zwillingsschwestern sind bis heute 20 Millionen Mal weltweit verkauft worden, in mehr als 20 Bänden zusammengefasst und stehen noch heute auf Platz 1 der meistgeliehenen Jugendbücher in deutschen Leihbibliotheken. Laut einer Umfrage liegt der Bekanntheitsgrad von „Hanni & Nanni“ bei Kindern von 6 bis 12 Jahren bei ca.60 Prozent, bei den Müttern sogar bei ca.85 Prozent.)

Kein großes Kunstwerk, aber ein für die Zielgruppe ziemlich gelungenes Stück. Eine ganze Reihe bekannter Schauspieler sind ja mit von der Partie – der Erfolg dürfte nicht auf sich warten lassen. Die Montage ist sogar bemerkenswert, die Regie routiniert. Allerdings fehlt auch keines der bekannten Versatzstücke des Kinderfilms.

Für ganz junge Menschen, vor allem für junge Mädchen, sicher ein erfreulicher Kinobesuch.

Thomas Engel