Herbstzeitlosen, Die

Eine warmherzige, ausgesprochen charmante Komödie aus der Schweiz über vier rüstige ältere Damen, wie sie im Buche stehen! Angesiedelt im malerischen Emmental, erzählt Regisseurin Bettina Oberli eine leichte Komödie mit nachdenklichen Momenten. Der Film lebt von seinen sympathischen Hauptdarstellerinnen und einer genauen Beobachtung eines konservativen Dorfes, dass sich nur langsam mit der Erkenntnis abfindet, dass in einer Gesellschaft, in der zunehmend alte Menschen leben, das Leben nicht schon mit 65 Jahren vorbei ist.

Webseite: www.x-verleih.de

Schweiz 2006
Regie: Bettina Oberli
Buch: Sabine Pochhammer & Bettina Oberli
Kamera: Stéphane Kuthy
Schnitt: Michael Schaerer
Musik: Luk Zimmermann & Stubemusig Rechtsteiner
Darsteller: Stephanie Glaser, Annemarie Düringer, Heidi Maria Glössner, Monica Gubser, Hanspeter Müller-Drossart
Länge: 86 Minuten, Format 1:1,85
Verleih: X –Verleih
Kinostart: 29.3.2007

PRESSESTIMMEN:

 

Die Schweizer Regisseurin Bettina Oberli lässt ihre vier Protagonistinnen mit so viel Mutteriwtz, Herzenswärme und Charme agieren, dass ihr eine Seltenheit gelungen ist: eine beschwingte Komödie über das Alter. …macht richtig gute Laune.
Der Spiegel

Eine unaufgeregte, charmante und schlitzohrige Geschichte über Lebensträume und späte Emanzipation.
Cinema

Diese charmante und mit Witz unterhaltende Komödie punktet mit vier Hauptdarstellerinnen unter Führung von Stephanie Glaser, die eine zeitgemäße Botschaft fröhlich verkünden – es ist nie zu spät, seine Wünsche in die Wirklichkeit umzusetzen.
Blickpunkt:Film

FILMKRITIK:

Sie sind rüstige, ältere Damen wie sie im Buche stehen. Die vier Freundinnen Martha (Stephanie Glaser), Lisi (Heidi Maria Glössner), Frieda (Annemarie Düringer) und Hanni (Monica Gubser), die in einer kleinen Gemeinde im Schweizer Emmental leben. Vor neun Monaten ist Marthas geliebter Mann gestorben, dem sie am liebsten bald folgen würde. Abends legt sie sich in Trachtenkostüm schlafen und hofft, bei ihrem Mann aufzuwachen. Doch der liebe Gott hat andere Pläne mit ihr: Zusammen mit ihren kaum jüngeren Freundinnen, die teils eher widerwillig im Altersheim, teils bei ihren Kindern leben, entdeckt Martha, dass das Leben auch mit stolzen 80 Jahren noch nicht vorbei sein muss. Bei einem Ausflug nach Bern kommt die Erinnerung an ihren einstigen Beruf wieder hoch. Einst war sie eine talentierte Schneiderin, gab ihre Berufung aber zugunsten des kleinen Lebensmittelladens ihres Mannes auf. Während ihr Sohn Walter (Hanspeter Müller-Drossart), der Pfarrer des Dorfes, den Laden gern für seine Bibelstunde umfunktionieren würde, haben Martha und ihre Freundinnen andere Pläne. Die flippige Lisi, die die Erinnerungen an ihr Leben in Amerika hochhält und sich ein gehöriges Maß an amerikanischer Mentalität bewahrt hat, schlägt vor, ein Geschäft für Lingerie (Dessous) zu eröffnen. Dass so etwas in dem konservativen Dorf für einigen Trubel sorgen wird, ist Martha klar, doch von nun an setzt sie alles daran, sich ihren Traum zu erfüllen.

Immer älter werden die Menschen in den westlichen Gesellschaften, immer mehr Zeit bleibt nach dem Ende des aktiven Berufslebens. Dass sich die traditionellen Familienstrukturen immer weiter auflösen, es heutzutage fast schon unüblich ist, dass drei Generationen unter einem Dach leben, sorgt für zusätzliche Komplikationen. Denn wohin mit den Alten, wenn die Kinder noch fest im Berufsleben verankert sind und sich um ihre eigenen Kinder kümmern müssen. All diese Fragen waren Ausgangspunkt für Bettine Oberlis Film, werden um vielschichtige Weise thematisiert, ohne jedoch dazu zu führen, dass Die Herbstzeitlosen zu einem bedeutungsschweren Drama wird. Stets bewahrt sich der Film eine leichte Grundhaltung, zeigt die vielfältigen Schwierigkeiten im Zusammenleben der Generation auf leicht ironische Weise, ohne sich jedoch über die eine oder andere Haltung lustig zu machen. Dass er die Seite der alten Damen einnimmt steht außer Frage, aber er tut das nicht ohne Verständnis für die Generation ihrer Kinder, die sich mit ihren eigenen Sorgen herumschlagen und von ihren Eltern ein von moralischen Werten geprägtes Verhalten erwarten, dass sie längst selbst nicht mehr erfüllen.

Aus diesem Gegensatz speist sich ein Großteil des Vergnügens an diesem Film, der die älteren Damen zwar eine Erfolgsgeschichte erleben lässt, die zwar nicht unbedingt als realistisch bezeichnet werden kann, aber von vier ausgesprochen sympathischen Hauptdarstellerinnen getragen wird. Besonders im schweizerdeutschen Original (Dass der Verleih hoffentlich auch – in einer untertitelten Fassung – anbieten wird!) ist Die Herbstzeitlosen eine ausgesprochen charmante Komödie.

Michael Meyns

————————————————————————————————————-

Das Schweizer Bergdorf Trub im Emmenthal. Ein typischer Ort, in dem jeder von jedem alles weiß. Die Männer haben das Sagen. Die Frauen unterstehen ihnen, sind zum Teil bereits Witwen. Alpenchor, Kirchgang und Bibelstunde begleiten das Leben – auch wenn der Pfarrer eine Geliebte hat.

Vier ältere Frauen sind eng miteinander befreundet. Die eine, Lisi, ist noch besonders gut erhalten, lebt mit ihrer Tochter, träumt und erzählt von ihrer Amerikareise (die sie nie gemacht hat). Die zweite, stets mit Hut, wird von einem gut aussehenden, aber auch schon etwas baufälligen Mann umschwärmt. Die dritte hat einen im Rollstuhl sitzenden cholerischen Kerl als Ehemann, der sich weigert, ins Heim zu gehen. Die vierte, Martha, besitzt einen Laden, hat vor kurzer Zeit ihren Mann verloren. Sie war früher Schneiderin.

Irgendwann wird eine alte Erkenntnis deutlich: dass man im Leben nicht stehen bleiben darf, dass man immer neu beginnen, in die Zukunft schauen muss. Und deshalb ruft die frühere Schneiderin in dem der Tradition verhafteten Dorf ein Geschäft für Reizwäsche und Dessous ins Leben.

Die Empörung ist groß. Der Pfarrer, Marthas Sohn, der Vorsitzende der Land-und-Leute-Partei, alles Heuchler, spielen die Entsetzten. Selbst die eigenen Freundinnen haben zunächst Bedenken. Aber der Mut, die Phantasie, etwas Neues zu machen, das Durchhaltevermögen und der Wille, den Spießern und Zurückgebliebenen zu trotzen, zahlt sich nach mehreren Rückschlägen aus…

Thomas Engel