Here and there

Die in Darko Lungulovs Regiedebüt geschilderten Erlebnisse eines Umzughelfers in New York hat der aus Belgrad stammende Filmemacher teilweise selbst erlebt. Inspiriert für „Here and there“ aber hat ihn die jeweils harsche Wirklichkeit seiner alten und neuen Heimat nach Kriegen bzw. dem 11. September 2001. Erfahrbar macht Lungulov sie durch eine Reise in ungewöhnlicher Mission seiner desillusionierten Hauptfigur, dem von David Thornton gespielten Saxofonisten Robert. Erinnerungen an Filme von Jim Jarmusch kommen dabei nicht von ungefähr.

Webseite: www.hereandthere-film.de

Serbien/Deutschland 2009
Regie: Darko Lungulov
Mit: David Thornton, Mirjana Karanovic, Cyndi Lauper, Branislav Tifunovic, Antone Pagan, Fedja Stojanovic, Jelena Mrdja
85 Minuten
Verleih: Camino Filmverleih
Kinostart: 22.4.2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Ganz sicher scheint sich der New Yorker Musiker Robert nicht zu sein, als er eines Tages einem früheren Bekannten in die Arme läuft. „I’m alive, I guess“, sagt Robert, den man in den ersten Filmminuten mit seinen wenigen Habseligkeiten umziehen sieht. Dass Robert aktuell nicht gut bei Kasse ist, das bekommt auch Umzugshelfer Branko schnell mit. Und er macht Robert sogleich auch ein Angebot, wie der ganz schnell zu einem ordentlichen Batzen Dollars kommen kann. Er soll in Brankos Heimat Serbien reisen, dort dessen Verlobte heiraten und sie nach New York bringen.

Natürlich kommt es zu Komplikationen. Weil Branko kurz nach Roberts Abflug der Lieferwagen gestohlen wird und der Erwerb eines Ersatztransporters einige weitere unangenehme Überraschungen mit sich bringt, kann Robert die vereinbarte Summe nicht bezahlt werden. Während der sich mit der Verlängerung seines Belgrad-Aufenthalts insofern arrangiert, als sich eine Romanze zu Brankos Mutter Olga anbahnt, kommen weitere schlechte Nachrichten aus New York. Die bringen unverhofft auch Robert in eine unangenehme Situation. Gut, dass der sich seines eingangs getroffenen Bekannten erinnert.

Was an Darko Lungulovs Regiedebüt besonders gefällt, sind die lässige und zurückgenommene Haltung der Figuren sowie eine latente Trägheit und Melancholie in Bild und Ton. Das beginnt mit dem verkaterten Erwachen der Hauptfigur in einem spartanisch wirkenden Kellerloch. Das geht weiter bei den gleichzeitig temperamentvollen wie nicht unsympathisch schlitzohrigen und gestenreichen Auftritten eines lateinamerikanischen Automechanikers. In Belgrad wiederum scheint man alle Zeit der Welt zu haben, spielen Taxifahrer auf ihren Motorhauben Schach, wartet man Ewigkeiten beim Behördengang, um dann umso fröhlicher von balkantypischen Hochzeitskombos empfangen zu werden. So sehr einerseits über die Amerikaner geschumpfen wird, so viel Gastfreundschaft und Zutrauen erfährt Robert andererseits. Großartig in dieser Hinsicht der Aufritt eines gemütlichen Onkels sowie die kleinen Gesten von Olga, der von „Esmas Geheimnis“-Hauptdarstellerin gespielten Mirjana Karanovic.

Ganz entscheidend für Wirkung, Ton und Gelingen von „Here and there“ ist aber ganz sicher die Rolle von David Thornton – dessen Frau Cyndi Lauper in einer kurzen Nebenrolle auftritt und auch den Titelsong singt. Nicht nur ähnelt Thornton mit seiner strubbeligen Frisur Lungulovs großem Vorbild Jim Jarmusch. Oft scheint es, als wäre er mit seiner betrübten, gleichgültigen und lakonischen Art geradewegs einem Jarmusch-Film entsprungen. Die kaum merkliche Wandlung seines Charakters nimmt man jedenfalls zufrieden zur Kenntnis – ebenso wie dieses kleine, leise und überzeugende Regiedebüt von Darko Lungulov.

Thomas Volkmann

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