Konkurrenten, Die – Russlands Wunderkinder II

Zehn Jahre nach ihrem Film „Russlands Wunderkinder“ besucht Regisseurin Irene Langemann die vier inzwischen erwachsenen Protagonisten erneut. Die ersten Schritte auf dem Weg zur Karriere als Konzertpianist sind gemacht. Die vielen Hindernisse, die auf dem Weg zu Erfolg und Ruhm noch zu überwinden sind, schildert Langemann in ihrem Film, der interessante Einblicke in das schwierige Geschäft der klassischen Musik liefert.

Webseite: www.gmfilms.de

Deutschland 2009
Regie: Irene Langemann
Drehbuch: Irene Langemann
Dokumentation
Verleih: barnsteiner Film / GM Films
Kinostart: 29. April 2010
98 Minuten
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Inzwischen sind sie erwachsen geworden, die vier jungen Klavierschüler, die Wunderkinder, aus Irene Langemanns Dokumentarfilm „Russlands Wunderkinder.“ Irina Tschistjakowa ist 18 Jahre alt, Nikita Mndoyants 19, Dmitri Krutogolovy 20 und Elena Kolesnitschenko mit 26 die älteste. Als einzige hat sie inzwischen eine Familie, ist verheiratet, hat eine kleine Tochter und lebt in Hannover. Unverdrossen versucht sie, Auftritte zu landen, nimmt an Wettbewerben teil, spielt vor Impressarios und lässt stillvolle Promotionsfotos machen, die mit ihrem guten Aussehen kokettieren. Denn „Die Konkurrenten“ ist nicht nur ein Film über vier junge Pianisten, die seit dem ersten Film viel erlebt und gelernt haben, sich von manchen Illusionen verabschiedet haben, sondern auch ein Film, der versucht, einen Einblick in das Geschäft mit der klassischen Musik zu geben.

Doch wie man in das immer mehr ausufernde Geschäft eindringt, vermögen auch die im Film zu Wort kommenden Impressarios, Dirigenten und Festivalleiter nicht zu sagen. Manche betonen die Bedeutung von ersten Plätzen bei den zahllosen internationalen Klavier-Wettbewerben, andere geben zu bedenken, dass gerade die enorme Anzahl von Wettbewerben einen Sieg entwertet. Für diese These scheint Irina das beste Beispiel zu sein: Bei einem Wettbewerb scheidet sie zwar früh aus, doch ein Mitglied der Jury zeigt sich so begeistert von ihrem Spiel, dass er sie kurz entschlossen zu einem von ihm organisierten Festival nach Mexiko einlädt. Wenig überraschend spielt also Glück eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Frage wer Erfolg hat und wer nicht. Im Laufe des Films akzeptiert auch Dmitri diese Tatsache. Er, der noch mit seiner Mutter in einer kleinen Moskauer Wohnung lebt, vor sich hin komponiert und auf Engagements hofft, vor allem aber darauf, dass sich letztlich Qualität durchsetzt. Die besitzt fraglos Nikita, der als einziger der vier einen bedeutenden Wettbewerb gewinnen konnte und in der Folge etliche Auftritte bekommen hat. Die Garantie für eine Karriere ist allerdings auch dies nicht und so versucht sich Nikita auch zunehmend in der Aufführung eigener Werke.

Auch wenn der etwas reißerische Titel dieser Dokumentation es suggeriert: Wirkliche Konkurrenten scheinen die vier Pianisten nicht zu sein. Nikita und Dmitri sind zwar die einzigen, die sich auch außerhalb eines Zusammenkommens für die Dreharbeiten zu treffen scheinen, aber von mehr als einer abstrakten Konkurrenz zwischen vier Pianisten kann nicht wirklich die Rede sein. Doch auch ohne diese künstlich erzeugte Dramatik gelingt es Langemann mit „Die Konkurrenten“ einen interessanten Blick hinter die Kulissen des Klassikbetriebes zu werfen, in der vier völlig unterschiedliche Charaktere ihr Glück versuchen. Dass der Film nicht ganz die Geschlossenheit ihres herausragenden Moskau-Films „Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit“ erreicht, liegt in der Natur der Thematik. Die ist schlicht und ergreifend so umfassend, dass gerade angesichts von vier Protagonisten ein eher anekdotisches Ergebnis kaum zu vermeiden ist.

Michael Meyns

An der Zentralen Musikschule des Moskauer Konservatoriums wird die Musik besonders hochgehalten. Russlands Begabungen werden dort zentralisiert und bestens gefördert. Irina, Elena, Nikita und Dimitri gehörten dazu. Vor zehn Jahren waren sie „Wunderkinder“ am Klavier. Irene Langemanns erster Film zu diesem Thema, von dem Passagen in dieses Dokument eingewoben sind, erbringt den sicheren Beweis.

Heute sind die vier an die 20 und mehr Jahre alt, aus den Wunderkinderschuhen herausgewachsen. Einst gaben sie Konzerte, wurden bekannt, spielten vor dem Papst, waren fast als überirdische Wesen angesehen.

Jetzt ist ihr Leben härter geworden. Sie suchen ein geeignetes Management, warten auf Engagements, werden in manipulierten Wettbewerben betrogen, treten auch auf, aber selten. Das Konkurrenzleben in dem durchkommerzialisierten Musikbetrieb ist schwer geworden.

Tausende Übungsstunden sind die Voraussetzung dafür, dass eines Tages der Erfolg eintritt. Wissenschaftler erklären, professionelles Musizieren auf höchstem Niveau sei das Schwierigste, was der Mensch vollbringen kann. Sieht man diesen Film, glaubt man es. Und doch gelangen nur wenige an die Spitze. Der Bedarf ist einfach zu gering. Auch die Art und Weise des Auftretens der Künstler, wie es heute vor allem vom jüngeren Publikum verlangt wird, ist eine andere geworden als früher.

Elena, Irina (teils mit Mann und Kind), Dimitri und Nikita versuchen ihr Glück auf unterschiedliche Weise. Doch sie sind so gut, dass sie es schaffen werden. Die Bemühungen erstrecken sich um die halbe Welt.

Irene Langemann legt hier für Interessierte einen informativen, menschlich anrührenden, die verschiedenartigsten Situationen gut zusamenführenden, künstlerisch genussvollen, sehenswerten Dokumentarfilm vor.

Thomas Engel