Einchecken zum Horrortrip! Wie gut Geisterbahn im abgeschiedenen Hotel funktioniert, haben Hitchcock in „Psycho“ und Kubrick in „Shining“ zelebriert. Mit deren Gänsehaut-Qualitäten kann es dieses kleine irische Gruselstück natürlich nicht aufnehmen. Gleichwohl gelingt eine schauerliche Spukhaus-Geschichte, die Psychotrip und übernatürliche Phänomene auf effektvolle Weise verschmilzt. Visueller Einfallsreichtum, albtraumhaftes Sounddesign sowie ein beängstigend guter Darsteller sorgen für jenen filmischen Sog, der das Publikum tiefer in die Sessel rutschen lässt. Das Budget von 5 Millionen Dollar wurde bereits am ersten Wochenende mehr als eingespielt. Einchecken zur Profitmaschine!
Über den Film
Originaltitel
Hokum
Deutscher Titel
Hokum
Produktionsland
US, IE, AE, HK
Filmdauer
107 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Roy Lee, Steven Schneider, Derek Dauchy, Ruth Treacy, Mairtín de
Regisseur
Damian McCarthy
Verleih
DCM Film Distribution GmbH
Starttermin
31.12.2026
Am Anfang ist die Endzeit. Im Niemandsland irrt ein Konquistador auf Schatzsuche mit einem kleinen Jungen durch die Wüste. Die Karte befindet sich in einer Flasche. Die einzige Möglichkeit, das Glas zu zerbrechen, ist ein harter Schlag auf den Schädel des Kindes. So jedenfalls spinnt sich Bestsellerautor Ohm Bauman (Adam Scott) seine Geschichte am Computer zusammen. Mit reichlich Whiskey versucht er, die Schreibblockade zu bekämpfen. Vergeblich! Jetzt muss eine kreative Pause her. Der Autor reist nach Irland, um dort endlich die Asche seiner Eltern zu verstreuen. Ziel ist das abgelegene Bilberry Woods Hotel, wo Vater und Mutter einst ihre Flitterwochen verbracht hatten. Besonders freundlich tritt der mürrische Besucher nicht auf. Dem freundlichen Liftboy, einem Fan seiner Bücher, verbrennt er eiskalt mit einem heißen Löffel die Hand. Ein Grund für die Attacke ist nicht ersichtlich. Dass das Opfer seinem Peiniger wenig später das Leben retten wird, ahnt da noch niemand. Maßgebliche Hilfe leistet dabei das aufmerksame Zimmermädchen Fiona (Florence Ordesh). Weshalb die junge Frau nach einer Halloween-Party spurlos verschwunden ist, wird sich als weiteres Rätsel erweisen.
Bauman möchte seiner Retterin danken und macht sich auf die Suche. Im Wald begegnet ihm ein kauziger Einsiedler (David Wilmot), der als Vetter von „Catweazle“ durchgehen könnte und der seine Milch gern mit ein paar halluzinogenen Pilzen veredelt. Angeblich soll der Wurzelsepp einst seine Gattin getötet haben. „Sie hatte große Schmerzen!“, nuschelt er in seinen Bart. Immerhin gibt er Bauman den Tipp, die Suche nach Fiona in der seit Jahren verrammelten Hochzeitssuite zu beginnen. Dieser Weg wird kein leichter sein, soll den Gerüchten zufolge doch der Fluch von bösen Hexen auf dieser Suite liegen. Lediglich mit einer schummrigen Handleuchte bewaffnet, öffnet der Autor unerschrocken die Tür zu dem düsteren Raum. Und damit das Tor zur Hölle. Und vor allem auch zu den Abgründen seiner eigenen Vergangenheit.
Der Ire Damian McCarthy hat mit seinem Genre-Knüller „Oddity“ bereits gezeigt, wie gut er die Klaviatur des Genres beherrscht. Auch hier setzt er auf beklemmende Atmosphäre und ein ständiges Gefühl von Bedrohlichkeit und Unbehagen. Das abgelegene Hotel und insbesondere die Hochzeitssuite erweisen sich als klaustrophobische Mischung aus Hexenkeller und Höllenschlund. Die Kamera, und mit ihr natürlich auch der Held, müssen sich in die engsten Ecken und finstersten Winkel zwängen, wenn Bauman sich wacker durch abgeriegelte Miniatur-Türen und alte Speiseaufzugsschächte schlägt. Gern trägt er eine kleine Laterne in der Hand, die für wenig Licht, aber umso mehr Überraschungsmomente sorgt.
Darsteller Adam Scott, der mit „Stiefbrüder“ oder „Our Idiot Brother“ seine Comedy-Qualitäten zeigte, kann auch Grusel gut. Als zunächst schroffer und unsympathischer Held eingeführt, vermag er es dennoch, reichlich Publikumsmitleid auf dieser Geisterbahnfahrt zu erzeugen. Wobei die schrullig sturen Iren ihr Misstrauen gegenüber dem zynischen US-Amerikaner freilich nie ablegen werden.
Wieder einmal erweist sich das Grusel-Genre als verlässliche Profitmaschine der Traumfabrik. Für bescheidene fünf Millionen Dollar produziert, hat das Spukhaus in Irland längst das Fünffache seiner Kosten eingespielt. Blanker Unsinn, wie der Titel übersetzt heißt, lässt sich also überaus lukrativ vermarkten.
Dieter Oßwald







