„Holofiction“ ist keine Dokumentation, auch kein erzählerischer Film. Er ist, wie Regisseur Michal Kosakowski erklärt, „ein Experimentalfilm, der die visuelle Repräsentation des Holocaust anhand einer Montage von Tausenden von Ausschnitten aus fiktiven Filmen und Fernsehserien untersucht, die zwischen 1938 und der Gegenwart produziert wurden.“
Über den Film
Originaltitel
Holofiction
Deutscher Titel
Holofiction
Produktionsland
DE
Filmdauer
102 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Uli Aigner, Michal Kosakowski
Regisseur
Michal Kosakowski
Verleih
Drop-Out Cinema eG
Starttermin
05.11.2026
Es wurden Tausende von Filmen und Fernsehserien ausgewertet und in einer experimentellen Montage wurde Material daraus angeordnet. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Bilder sich gleichen, schon am Anfang, als das Aufstellen eines Grammophons und das Abspielen einer Platte Bedeutung erlangt. Vielleicht, weil es die Ruhe vor dem Sturm symbolisiert. Kosakowski zeigt dann Bilder von Städten, von Kindern, von gemeinschaftlichen Dinner-Abenden. Es ist die Normalität, die hier fiktionalisiert ist und sie steht im Kontrast zu den späteren Bildern. Wenn Menschen sich verstecken, wenn sie in die Fänge von Nazi-Häschern geraten, in Zügen abtransportiert werden, im Konzentrationslager landen.
Der Film kommt ohne einen erklärenden Kommentar aus. Er erzählt sich über die Bilder, zeigt aber vor allem, dass unser Bild des Holocausts durch die Bilder des Kinos und des Fernsehens gefestigt wurde. Dabei wird eine visuelle Ikonografie erschaffen, die längst zu einer Art Kanon geworden ist. Seit Jahrzehnten beeinflussen die Bilder des einen Films den anderen. Die These ist, ohne dass der Film sie ausführen würde, wie Filme über den Holocaust das kollektive Gedächtnis geprägt haben. Es ist dabei die Macht der Bilder, die mitreißt, ein fast nicht enden wollender Reigen an Momenten, der die Geschichte von 1933 bis 1945 nachbildet, unterlegt nur von einer Gefühl erzeugenden Musik.
Beeindruckend ist dabei auch, mit welcher Vielzahl an Filmen Kosakowski hier gearbeitet hat. Im Nachspann dauert es mehr als 13 Minuten, alle Filme und Serien aufzulisten, deren Bilder hier Einzug fanden. Darunter übrigens auch durchaus Obskures, so Jerry Lewis‘ niemals veröffentlichter Film „The Day the Clown Cried“, von dem nur wenige Minuten Material kursieren. Wer mehr über die Hintergründe von „Holofiction“ erfahren möchte, dem sei noch das im Schüren Verlag erschienene Buch „Holofiction: Die Ikonografie des Holocaust im Spielfilm“ von Herausgeber Professor Dr. Marcus Stiglegger empfohlen, in dem es auch ein ausführliches Gespräch mit Michael Kosakowski gibt.
Peter Osteried







