Im Regen des Südens

Es regnet fast ohne Pause in diesem argentinischen Spielfilm über zwei gestrandete Personen, die sich in einem Stau begegnen. Alma ist möglicherweise schwanger und hat gerade ihren Freund verlassen, Roberto ist zu Besuch aus Spanien und hat gerade seinen Vater begraben, den er Jahrzehnte nicht gesehen hatte. Die langsame Annährung zwischen den beiden Figuren schildert Paula Hernandez in ruhig beobachteten Szenen, die „Im Regen des Südens“ zu einem sehenswerten Film über die Einsamkeit in der modernen Welt macht.

Webseite: www.kairosfilm.de

LLUVIA
Argentinien 2008
Regie, Drehbuch: Paula Hernandez
Darsteller: Valeria Bertuccelli, Ernesto Alterio, Matias Umpierrez, Osvaldo Djeredjian, Alejo Mango
Länge: 110 Min.
Verleih: Kairos Filmverleih
Kinostart: 5. Mai 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Alma (Valeria Bertuccelli) steht im Stau. Irgendwo in einer Unterführung in Buenos Aires, im Hintergrund prasselt der Regen ohne Unterlass auf den Asphalt, und plötzlich steigt ein Mann in ihren Wagen. Es ist Roberto (Ernesto Alterio), ein Spanier zu Besuch in Argentinien. Warum er an der Hand verwundet ist und scheinbar vor etwas davongelaufen ist, bleibt zunächst ebenso offen wie die Frage, warum Almas Wagen voll mit Kisten ist. Immer wieder klingelt ihr Handy, doch Alma geht nicht dran. Immer wieder macht Roberto Andeutungen über den Grund seiner Anwesenheit, doch so leicht lassen sich die Figuren in Paula Hernandez Film nicht in die Karten schauen. Von Anfang an besteht zwar eine offensichtlich Annährung zwischen den Beiden, doch die Zurückhaltung bleibt groß. Nur langsam offenbaren die Figuren sich und dem Zuschauer einen Blick in ihre Emotionen.

Alma ist gerade aus der Wohnung ausgezogen, die sie gemeinsam mit ihrem Freund bewohnt hatte. Sie lebt nun vorübergehend in ihrem Auto, schläft in Parkhäusern und wäscht sich in öffentlichen Toiletten. Wie es mit ihrem Leben weitergehen soll weiß sie nicht, zumal sie möglicherweise schwanger ist. Roberto wiederum lebt in Madrid mit Frau und Kind und ist gerade zum ersten Mal seit Jahrzehnten zurück in Buenos Aires. Dort hatte sein Vater gelebt, der die Familie verlassen und seitdem keinen Kontakt zu seinem Sohn hatte.

Immer wieder trennen sich Alma und Roberto im Verlauf des Films, immer wieder scheint ihre Geschichte an ein Ende gekommen, alles gesagt zu sein. Missverstände und Meinungsverschiedenheiten führen zu Abschieden, die aber doch nicht endgültig sind. Was diese beiden gleichermaßen unterschiedlichen und doch ähnlichen Menschen immer wieder zusammen führt, darum geht es hier. Zwar erfährt man im Laufe des Films einiges über die zumindest oberflächlichen Ursachen für die jeweilige Isolation, doch präzise Gründe benennt Paula Hernandez nicht. Und will es auch gar nicht. Sie deutet die Isolation der Großstadt, die Einsamkeit inmitten von Menschenmassen in subtilen Bildern an, mal Alma verloren auf einer Party, mal Roberto allein in einem Restaurant sitzend. So entsteht eine Art Kammerspiel im Raum der Großstadt – die Regisseurin selbst bezeichnet ihren Film als urbanes Roadmovie – eine Charakterstudie, getragen von zwei starken Hauptdarstellern – und ein weiterer sehr sehenswerter Film aus Argentinien, gerade weil er sich nicht komplett dem Minimalismus des zeitgenössischen Festivalkinos hingibt, sondern es wagt, wenn auch unter der Oberfläche, sehr emotional zu erzählen.

Michael Meyns

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