Inside Wikileaks

Julian Assange gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Gegenwart. Ist er nun ein Hacker-Heiliger, ein Vergewaltiger, ein Diktator oder Revolutionär? Seine Organisation WikiLeaks jedenfalls hat den Journalismus für immer verändert, ob der nun will oder nicht. Der Spielfilm „Inside WikiLeaks“ erzählt die Geschichte der Gründung der Organisation und den zentralen Konflikt zwischen Assange und seinem deutschen Sprecher Daniel Domscheit-Berg. Benedict Cumberbatch und Daniel Brühl spielen die Hauptrollen in diesem Verschwörungs- und Polit-, Hacker- und Spionage-Thriller.

Webseite: www.inside-wikileaks.de

Originaltitel: The Fifth Estate
USA/Belgien 2013
Regie: Bill Condon
Buch: Josh Singer
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Daniel Brühl, Anthony Mackie, David Thewlis, Alicia Vikander
Länge: 128 Minuten
Verleih: Constantin
Kinostart: 31. Oktober 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

2007: Bei einer Tagung des Chaos-Computer-Clubs in Berlin lernen sich Julian Assange (Bendedict Cumberbatch) und Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl) kennen. Der Australier präsentiert hier seine Enthüllungsplattform WikiLeaks, auf der er geheime Dokumente von Regierungen, Banken und anderen Institutionen veröffentlichen will, die Verbrechen, Vertuschung oder Gemauschel offenlegen. Der Hinweisgeber soll dabei geschützt bleiben. Domscheit-Berg wird einer seiner engsten Mitarbeiter. Mit einer Veröffentlichung über die Machenschaften einer Schweizer Privatbank macht die Organisation sich einen Namen. Es folgen weitere Scoops, mit denen WikiLeaks nicht nur die traditionellen Medien unter Druck setzen, sondern auch Diplomaten und Regierungen. Fortan sind Assange und Domscheit-Berg diverse Geheimdienste auf den Fersen. Dennoch gelingt es den beiden, ihre bisher größte Enthüllung vorzubereiten: WikiLeaks werden umfangreiche Dokumente über den Afghanistan-Krieg zugespielt, die auch Kriegsverbrechen offenlegen. Über den Umgang mit den Dokumenten geraten Assange und Domscheit-Berg in Streit: Während der Chef die Dokumente ungefiltert veröffentlichen will, setzt sich sein Sprecher dafür ein, Namen zu schwärzen, damit Menschenleben geschützt werden.

„Inside WikiLeaks“ ist ein Verschwörungs- und Polit-, ein Hacker- und Spionage-Thriller. Vor allem aber versteht Bill Condon sein Werk als Krimi über Journalismus in Zeiten des digitalen Umbruchs. So verschwinden im Vorspann gedruckte Zeitschriften aus dem Regal der echten Welt, um in der Cyber-Realität wieder aufzutauchen. Den Ton geben in diesem Film nicht Journalisten an, sondern Informatiker, die mittels Einklinken in die Datenströme des Internets für eine freiere Gesellschaft kämpfen. „Inside WikiLeaks“ macht ein grundsätzliches Problem sichtbar: Während traditionelle Medien Zeit und Geld brauchen, um Enthüllungen nachzurecherchieren und in einen Kontext zu stellen, sind die „Leaker“ viel schneller, drohen aber angesichts der ungeheuren Datenmengen, mit denen sie umgehen, den Überblick über Inhalt und Konsequenzen zu verlieren.

Leider verliert aber auch Condon immer wieder den Fokus aus den Augen. Seine Regie ist sehr damit beschäftigt, einen Rausch der Oberfläche zu erzeugen. „Inside WikiLeaks“ will unbedingt cool sein, das Leben und Handeln der jungen Cyper-Rebellen hip erscheinen lassen. Die Schnitte sind schnell, die Dialoge oft pathetisch, und der Liebesgeschichte von Daniel Domscheit-Berg und seiner Freundin wird auch noch Platz eingeräumt. Der Film ist durchaus spannend gemacht, und vor allem Bendict Cumberbatch gibt eine faszinierende Performance. Mehr eigene Haltung wäre aber wichtig gewesen Denn ob er uns wie behauptet wirklich „Inside WikiLeaks“ führt, bleibt fraglich. Das Drehbuch basiert größtenteils auf Domscheit-Bergs Buch gleichen Namens, und dementsprechend werden die Ereignisse überraschend deutlich aus seiner Sicht geschildert und gewertet. Assange erscheint hier als Megalomane und Blender, der sich seine Haare weiß färbt und durch Kindheitserlebnisse gestört ist. Vielleicht trifft dieses Porträt sogar zu, aber „Inside WikiLeaks“ kommt sicher einige Jahre zu früh, um abschließend über Assange und sein Projekt zu urteilen.

Oliver Kaever