Jack in love

Vier Menschen in New York, zwei Männer, zwei Frauen, Freunde und Arbeitskollegen. Ein Paar wird sich im Laufe des Films finden, dass andere verlieren. Basierend auf einem Off-Broadway Stück inszeniert Philip Seymour Hoffman sein Regiedebüt, dass ihn zwar nicht unbedingt als aufregenden Regisseur etabliert, aber ein schöner, pointierter und hervorragend gespielter Film über das Leben und die Liebe ist.

Webseite: www.jack-in-love.de

USA 2010
Regie: Philip Seymour Hoffman
Drehbuch: Robert Glaudini
Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Amy Ryan, John Ortiz, Daphne Rubin-Vega, Richard Petrocelli, Thomas McCarthy
Länge: 89 Min.
Verleih: Alamode Film
Kinostart: 24. Februar 2011
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Irgendwann scheint jeder Schauspieler das Bedürfnis zu verspüren, einmal hinter der Kamera zu stehen und selbst alle Zügel in der Hand zu halten. So legt nun mit Philip Seymour Hoffman auch einer der besten Schauspieler der jüngsten Vergangenheit sein Regiedebüt vor. „Jack Goes Boating“ bewegt sich auf bekanntem Terrain des amerikanischen Independentfilms. Schauplatz ist New York, nicht das schnelle Leben der Schönen und Reichen der Fifth Avenue, sondern das der arbeitenden Bevölkerung. Seymour Hoffman spielt den Limousinen-Chauffeur Jack, der wenig Erfahrungen mit Frauen hat und sich in seinem schweren Körper nur bedingt wohl fühlt. Sein Kollege und Freund Clyde (John Ortiz) dagegen ist mit der attraktiven Lucy (Daphne Rubin-Vega) verheiratet und führt ein scheinbar glückliches Leben. Lucy arbeitet in einem Call-Center zusammen mit der schüchternen, etwas naiven Connie (Amy Ryan), die mit Jack verkuppelt werden soll. Ein erstes Date verläuft recht erfolgreich, man beschließt sich wiederzusehen, bei einem selbst gekochten Abendessen. Und hier beginnen die Probleme. Jack kann nicht kochen, doch Clyde hat eine Lösung parat: Lucy kennt einen Sterne-Koch, der Jack das Nötigste beibringen kann, doch die Sache hat einen Haken: Vor einigen Jahren hatte Lucy eine Affäre mit dem Koch, ein Ausrutscher, den das Paar längst überwunden zu haben glaubt. Während also Jack und Connie sich näher kommen, wird das Zusammenleben von Clyde und Lucy zunehmend von Erinnerungen an die Vergangenheit belastet.

Schon am Broadway spielte Philip Seymour Hoffman die Hauptrolle in Robert Glaudinis Stück und entwickelte zusammen mit dem Autor den Stoff fürs Kino. Die Herkunft von der Bühne merkt man zum Glück kaum. Zwar besteht ein guter Teil des Films aus langen, aber pointierten Dialogsequenzen, die zurückhaltend, um nicht zu sagen konventionell gefilmt sind. Immer wieder aber scheint der Film in den Gedanken, Träumen und Wünschen der Protagonisten zu versinken, sieht man das, was sie sich vorstellen: So imaginiert Jack das Mahl, das er für Connie zubereiten will, Clyde wagt es in seiner Vorstellung den Koch zur Rechenschaft zu ziehen und Connie steht einmal im winterlichen Central Park und sieht auf einmal wie sie zusammen mit Jack Boot fährt, wie er es ihr bei ihrem ersten Treffen versprochen hatte.

Zusammen mit den hellsichtigen Dialogen und vielen unterschwellig grotesken Situationen entfaltet „Jack Goes Boating“ trotz seiner einfachen, altbekannten Geschichte eine einnehmende, sympathische Atmosphäre. Auf nuancierte Weise schildert er die Schwierigkeiten einer Beziehung, die zersetzende Kraft der Eifersucht, vor der es kaum ein Entkommen gibt. So ist dann selbst das eigentliche Happy End nur ein bedingtes, denn wie zerbrechlich auch eine scheinbar glückliche Beziehung ist, auch das wurde im Verlauf der 90 Minuten dieses Films mehr als deutlich.

Michael Meyns

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