Jappeloup – Eine Legende

Kleines Pferd ganz groß. Das ist die Essenz von „Jappeloup – Eine Legende“ einem höchst melodramatischen Film über ein Springpferd, dass seinen Reiter Pierre Durand 1988 zu Olympischem Gold verhalf. Regisseur Christian Duguay lässt es an Pathos nicht fehlen und inszeniert besonders die zahlreichen Reitszenen zu mitreißendem Kino.

Webseite: www.jappeloup.de

Frankreich 2012
Regie: Christian Duguay
Buch: Guillaume Canet
Darsteller: Guillaume Canet, Daniel Auteuil, Marina Hands, Lou de Laage, Tcheky Karyo, Jacques Higelin, Marie Bunel
Länge: 130 Minuten
Verleih: Koch Media
Vertrieb: Neue Visionen
Kinostart: 6. Februar 2014

FILMKRITIK:

Mit nur 158 Zentimeter war Jappeloup eigentlich viel zu klein, um fürs Springreiten in Frage zu kommen. Dass findet auch Pierre Durand (Guillaume Canet), als er das Pferd zum ersten Mal sieht. Zu diesem Zeitpunkt, Anfang der 80er Jahre, lebt Durand auf dem Hof seiner Eltern (Daniel Auteuil und Marie Bunel) und hat schon kleinere Erfolge beim Reiten errungen. Dennoch strebt der junge Mann eine bürgerliche Karriere als Anwalt an, glaubt er doch nicht so recht an seine Chance, ganz groß raus zu kommen.

Doch kurze Zeit später lernt er Jappeloup wirklich kennen: Es ist der Beginn einer großen Liebe, gegen die es in Christian Duguays biographischem Sport-Drama die zwischenmenschlichen Beziehungen schwer haben. Doch auch das Verhältnis zwischen Durand und Jappeloup ist schwierig: Das Pferd ist zwar extrem sprungstark, doch auch widerspenstig und schmeißt seinen Reiter immer mal wieder aus dem Sattel. So auch bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, den Wendepunkt in Durands Leben: Vor die Entscheidung gestellt, Jappeloup zu verkaufen und sich ganz dem Anwaltsberuf zu widmen, oder es noch einmal, diesmal aber richtig, mit ganzer Kraft zu versuchen, wählt Durand das Reiten.

Mit der Hilfe der jungen Raphaelle (Lou de Laage), die Jappeloup seit Jahren pflegt, gelingt es Durand, eine geradezu symbiotische Beziehung zu seinem Pferd aufzubauen, die ihn gegen alle Widerstände – den Tod des geliebten Vaters, Neid unter Kollegen, Konflikte mit dem Trainer der französischen Nationalmannschaft – schließlich zu seinem großen Traum führt: Dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul.

Was der kanadische Regisseur Christian Duguay hier nach einem Drehbuch seines Hauptdarstellers Guillaume Canet inszeniert, ist klassisches Sportkino: Großer Ehrgeiz, Jahre der Entbehrung, schwierige, schmerzhafte Entscheidungen und schließlich der große Triumph. Subtil ist das nicht und dementsprechend greift Duguay in die Vollen: Immer wieder zeigt er den malerischen Hof der Durands im warmen, weichen Licht der Abendsonne, lässt er Jappeloup in Zeitlupe über Hindernisse springen, verweilt er liebevoll auf der dunklen Mähne des Ausnahmepferdes, braust die bombastische Musik auf.

Zum Glück halten sich die Schauspieler mit ihren Emotionen selbst in emotionalen Momenten eher zurück: Dass Canet mit seinen 40 Jahren etwas zu alt für seine Rolle ist nimmt man gern in Kauf, zumal der Schauspieler auch im wirklichen Leben ein ausgezeichneter Springreiter ist, er die meisten Reitszenen also selbst drehen konnte. Und gerade die zählen zu den Stärken des Films. Was Duguay aus dem eher behäbigen Sport Springreiten optisch herausholt ist bemerkenswert: Schwerelos fährt die Kamera hinter den Reitern her, springt über Hindernisse mit und ästhetisiert das Springreiten bis hart an die Schmerzgrenze.

Auch wenn die Konflikte der Geschichte sehr vorhersehbar abgespult werden, der mit 130 Minuten etwas überlange Film gerade im Mittelteil einige Längen aufweist: Der emotionalen Kraft der Erzählung und vor allem des finalen Triumphs kann man sich kaum entziehen, ob man sich fürs Springreiten interessiert oder nicht.

Michael Meyns