Joy Divison

Fast zeitgleich mit Anton Corbijns biographischem Film „Control“ entstand diese Dokumentation über die legendäre Manchester Post-Punk Band Joy Division. Zwangsläufig folgt die Doku derselben Linie wie der Spielfilm und zeichnet den schnellen Aufstieg der Band bis zum frühen Tod des Sängers Ian Curtis mittels Interviews mit den noch lebenden Mitgliedern der Band sowie einem Großteil des spärlichen Originalmaterials nach. Eine schöne Ergänzung zum Spielfilm.

Webseite: mfa-film.de

GB 2007 – Dokumentation
Regie: Grant Gee
Buch: Jon Savage
Kamera: Grant Gee
Schnitt: Jerry Shater
Länge: 93 Minuten, Format: 1:1,85
Verleih: MFA/ 24 Bilder
Kinostart: 5. März 2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Kaum vier Jahre existierte Joy Division als Band, nur etwas mehr als ein Jahr verging zwischen April 1979, als ihr Debütalbum „Unknown Pleasures“ sie einer breiteren Masse bekannt machte, und Mai 1980, als ihr Sänger Ian Curtis sich kurz vor einer Tour nach Amerika erhängte. Rund 40 Songs hatte die Band aufgenommen, gar nicht mal so viele Konzerte gegeben – und doch beeinflusst ihr Sound bis heute zahlreiche Musiker. Was auch bedeutet, dass wenig über Joy Division zu sagen ist, dass nicht schon mehrfach gesagt worden wäre. Dieses prinzipielle Problem versucht Regisseur Grant Gee dadurch zu kaschieren, dass er den Aufstieg Joy Divisions mit der Revitalisierung Manchesters gleichsetzt. Ein Unterfangen, dass nur bedingt erfolgreich ist, zumal sich sein Film schließlich doch in erster Linie auf Joy Division selbst konzentriert und weniger auf den Wust an anderen Bands der Zeit, der berühmten Clubszene Manchesters oder der legendären Figur Tony Wilson, umtriebiger Manager und Label-Besitzer. Dieser Aspekt der Geschichte wird in Michael Winterbottoms „24 Hour Party People“ beleuchtet, der zusammen mit „Control“ und dieser Dokumentation ein perfektes Triple-Feature abgeben würde, in dem kein Aspekt zu kurz kommt.

Am Anfang steht ein Sex Pistol Konzert in Manchester, dass die späteren Mitglieder von Joy Division (und diverse andere zukünftige Musiker) unabhängig voneinander besuchten. Kurze Zeit später formten Gitarrist Bernard Sumner und Bassist Peter Hook eine Band, zu der wenig später Schlagzeuger Stephen Morris und schließlich auch Sänger Ian Curtis stießen. Zunächst nennt man sich nach einem David Bowie Song „Warsaw“, Ende 1977 benennt sich die Band um und heißt – nach den Zwangsbordellen in einigen Konzentrationslagern – Joy Division. Von da an geht es schnell: Die Band spielt in Manchester und Umgebung Konzerte, wird bald von einer Plattenfirma entdeckt und tritt Ende 1978 zum ersten Mal im Fernsehen auf, in der Sendung von Tony Wilson. Ein paar Monate später erscheint das erste Album „Unknown Pleasures“, im April wird mit „Love will Tear us Apart“ die berühmteste Single der Band veröffentlicht und im Juni 1980, zwei Monate nach Ian Curtis’ Tod, das zweite und letzte Album „Closer“. Eine kurze, bewegte Bandkarriere, geprägt von Curtis’ epileptischen Anfällen, die ihn immer wieder dazu zwangen, Auftritte zu unterbrechen. 

Sein tragisches Schicksal steht auch im Mittelpunkt der Aussagen seiner Bandkollegen, die an Curtis großes lyrisches Talent erinnern, aber auch an seine dunklen Seiten, vor allem seine Schwierigkeit tristes Leben mit Ehefrau und Kind und Rock`n Roll Lebensstil in Einklang zu bringen. Bedauerlicherweise ist das vorhandene Archivmaterial überaus spärlich gesät und wenn, existiert es in teils kläglicher Qualität. Und doch, auch in diesen wackeligen, rauschenden Aufnahmen lässt sich erkennen, welche Energie Joy Division auf die Bühne brachte. In seinen besten Momenten schafft es Grant Gee diese Faszination, die Joy Division zu einer der einflussreichsten Bands der Musikgeschichte gemacht hat, einzufangen und auf die Leinwand zu bringen.

Michael Meyns

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