Kick Off Kirkuk

Entstanden in der autonomen kurdischen Region im Norden des Iraks, beschreibt Shawkat Amin Korki in seinem zweiten Film die sozialen Spannungen in der multiethnischen Stadt Kirkuk. Schauplatz ist ein verfallendes Fußballstadion, in dem der Sport als Vermittler zwischen den Ethnien fungieren soll. Trotz offensichtlich eingeschränkten Produktionsmitteln ein sehenswerter, bisweilen überraschend poetischer Film.

Webseite: www.mitosfilm.com

Kurdistan/ Japan 2009
Regie, Drehbuch: Shawkat Amin Korki
Kamera: Salem Salavati
Schnitt: Mastaneh Mohajer
Darsteller: Shwan Atuf, Govar Anwar, Rojan Hamajaza, Mohamad Hamed, Nasir Hasan, Soheila Hasan
Verleih: Mitosfilm
Kinostart: 10. Februar 2011
81 Minuten
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Man mag sich gar nicht vorstellen unter welchen Bedingungen „Kick Off Kirkuk“ entstanden ist, einer der seltenen Filme auf kurdisch, der seinen Weg in die deutschen Kinos findet. Kirkuk, die Hauptstadt der autonomen kurdischen Region im Norden des Iraks, ist wie so viele andere Gegenden des Landes noch alles andere als friedlich. Immer wieder explodieren Bomben, führen die unbewältigten Konflikte zwischen kurdischen und arabischen Irakern zu blutigen Auseinandersetzungen. Unter diesen Bedingungen einen Film zu drehen ist eine bemerkenswerte Leistung, die auch über manche Defizite in der Produktion hinwegsehen lässt.

Schauplatz von „Kick Off Kirkuk“, dem zweiten Film des kurdischen Regisseurs Shawkat Amin Korki, ist ein verfallendes Fußballstadion. Ein Rasen ist nicht mehr vorhanden, die Tribünen werden von Ziegen und Schafen bevölkert, die Katakomben dienen als notdürftige Unterkünfte für Kurden, die während des jüngsten Krieges aus ihren Dörfern vertrieben wurden. In dieser finsteren Umgebung lebt Asu mit seiner Mutter und seinen kleinen Bruder Diyar, der durch eine Landmine ein Bein verloren hat. Das Finale der Asienmeisterschaft im Fußball, das der Irak gegen Saudi Arabien gewann, bringt Asu auf eine Idee: Er will den Fußball als Mittel zur Völkerverständigung benutzen und im Stadion ein kleines Turnier veranstalten. Mit Hilfe seines Freundes Sako macht er sich an die Arbeit: Mühsam wird der Platz von Unrat freigeräumt, bei einem fahrenden Händler werden neutrale Trikots erworben, die tunlichst keine Farbe einer bestimmten Partei tragen dürfen und sogar ein lokaler Fernsehsender will über das Ereignis berichten. Als die Spiele schließlich beginnen sollen kommt ein neues Problem auf, das zeigt, wie zerstritten die Ethnien noch sind: Das irakische Team will keinen kurdischen Schiedsrichter akzeptieren, das kurdische keinen irakischen. So wird kurzerhand der Kameramann des Fernsehsenders engagiert, denn der stammt aus dem Westen und wird somit als neutral angesehen. Ob dies als Metapher für die Notwendigkeit westlichen Eingreifens im Irak zu verstehen ist sei dahingestellt, denn wirklich politisch ist „Kick Off Kirkuk“ nicht.

Die Konflikte zwischen den Ethnien, die Vertreibungen unter Saddam Husseins Regime werden nur angedeutet, ebenso wie die Präsenz vor allem des amerikanischen Militärs. Bisweilen führt diese subtile Darstellung der Realität etwas weit, werden Figuren eingeführt, Konflikte angedeutet, die dann völlig vergessen werden. Vor allem gegen Ende aber, wenn die Euphorie des Fußballspiels mehr und mehr der Realität weicht, die Hoffnung mit einfachen Mitteln zur Verständigung der Ethnien beizutragen, der Erkenntnis weicht, wie tief die Gegensätze verhaftet sind, entfaltet „Kick Off Kirkuk“ seine Qualität. In diesen Momenten findet Shawkat Amin Korki poetische, manchmal surreale Bilder, die den Verfall der Ordnung, die kaum vorstellbaren Zustände in der von Krieg und Elend gepeinigten Stadt andeuten.

Michael Meyns