Kleine Verbrechen

Wolkenloser Himmel, tiefblaues Meer, weiß getünchte Häuser auf idyllischen Inseln – so kennt man Griechenland. Für den jungen Polizisten Leonidas herrscht hier Langeweile, am liebsten würde er sich nach Athen versetzen lassen. Doch dann wird eine Leiche gefunden, taucht eine hübsche Fernsehmoderatorin auf und wendet sich in dieser charmanten kleinen Sommerkomödie das Leben für Leonidas.

Webseite: www.kleine-verbrechen.de

Griechenland/Deutschland 2008
Regie: Christos Georgiou
Darsteller: Aris Servetalis, Viki Papadopoulou, Rania Oikonomidou, Antonis Katsaris
85 Minuten
Verleih: Neue Visionen
Kinostart: 11.6.09
 

PRESSESTIMMEN:

Wunderbar… ein toller griechischer Sommerfilm.
…und der Soundtrack dazu klingt, als habe Ennio Morricone ein paar Ouzo zuviel getrunken. Wenn das mal kein Versprechen ist.
Süddeutsche Zeitung

FILMKRITIK:

Es mag zugegebenermaßen frustrierend für einen jungen Polizisten sein, auf einer kleinen friedlichen und verschlafenen Insel Dienst zu tun, wo allenfalls „kleine Verbrechen“ wie Nacktbader und überflüssige rote Ampeln ignorierende Autofahrer gerügt werden können. Kein Wunder träumt Leonidas (Aris Servetalis) von einer Versetzung nach Athen, wo er sich bereits in wilde Verfolgungsjagden gegen das organisierte Verbrechen träumt. Doch dann wird eines Tages die Leiche des im Dorf bekannten Säufers Zacharias (Antonis Katsaris) gefunden und gerätselt, ob der aus Versehen, mit Selbstmordabsichten oder von Unbekannten gestoßen die Klippe hinunterstürzte.

Der Todesfall ist natürlich das große Thema im Dorf, weshalb ruckzuck die verschiedensten Theorien bis hin zu einer gezielten Aktion durch den amerikanischen Geheimdienst kursieren und Leonidas fest von einem kapitalen Verbrechen überzeugt ist. Dass auf Zacharias Grundstück bald schon Bagger anrücken, um den mittlerweile eingeschlafenen Tourismus auf der Insel durch den Bau neuer Hotels und Feriensiedungen anzukurbeln, passt da nur allzu perfekt ins Bild.

Doch Leonidas beschäftigt zu diesem Zeitpunkt noch etwas anderes. Angeliki (Viki Papadopoulou), die schönste junge Frau der Insel und in Athen zum Star des Frühstücksfernsehen aufgestiegen, ist in ihr Heimatdorf zurückgekehrt – und wie Leonidas daran interessiert, den Fall zu klären. Warum, das lässt sich früher oder später bereits erahnen, soll hier aber besser nicht verraten werden. Romantische Gefühle jedenfalls lassen Leonidas in der Folge seinen Wunsch noch einmal überdenken, das Inselparadies gegen die anonyme Großstadt zu tauschen.

Während der in London geborene Zypriote Christos Georgiou vordergründig also eine verträumt-verschrobene Krimikomödie mit witzigen wie romantischen Zutaten abliefert, ist unterschwellig durchaus auch ein wenig Kritik an der griechischen Gesellschaft und ihrer Entwicklung untergebracht. Zum einen ist da die Stellung der Polizei, die vom Volk schlichtweg ignoriert und zudem vom Staat auch noch schlecht bezahlt wird. Man kann Leonidas Wunsch, sich Richtung Athen verändern zu wollen, also sehr gut nachvollziehen.
Angeliki hat ihre Erfahrungen in Sachen Abenteuer Hauptstadt bereits gemacht – und umgekehrt den Entschluss gefasst, möglichst schnell wieder zurück auf ihre friedliebende und ruhige Heimatinsel zurück zu kehren, weg von der Oberflächlichkeit der Stadtmenschen, weg von der Abkehr kultureller Werte, hin zu Herzlichkeit und einer Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln. „Kleine Verbrechen“ erwähnt diesen durch die griechische Gesellschaft gehenden Riss und das Verhältnis der Griechen zur Moderne allerdings nur en passant. Den Reim auf die Ursache einer sich dezimierenden Insel- und Landbevölkerung muss man sich da schon selber machen, bzw. wird dies bereits als bekannt vorausgesetzt.

„Kleine Verbrechen“ lebt so gesehen von der Leichtigkeit des griechischen Sommers, sympathischen Schauspielern und der humorvollen Darstellung von fast schon zum Klischee verkommenen Realitäten. Die Hirngespinste Leonidas lockern die geradlinige Entwicklung angenehm auf – gleichwohl hätte der von großartigen Landschaftsaufnahmen profitierenden Krimikomödie ein wenig mehr an Spritzigkeit und Tiefgang nicht geschadet.

Thomas Volkmann

Eine kleine Zykladeninsel mit bunt gestrichenen Häusern, einer Anhöhe und tiefblauem Meer. Nur ein paar Einwohner. Jeder kennt jeden. Alles, was geschieht, wird sofort weitergetratscht.

Leonidas ist der Ortspolizist. Es sind nur Kleinst“verbrechen“, um die er sich zu kümmern hat, etwa wenn einer mit einem schrottreifen Auto umherfährt oder wenn Badegäste sich total der Kleider entledigen.

Dann endlich geschieht etwas. Zacharias, früher ein begnadeter Fußballer, liegt unten an der Klippe – tot. Ist es ein Unfall oder gar ein Mord? Erstaunlich immerhin, dass seine Schuhe fein säuberlich beiseite gestellt dastehen. Der Mann könnte auch beim unachtsamen Fußballspielen mit einer Bierdose abgestürzt sein. Oder bei der Flucht vor einer mit einer Wasserpistole bewaffneten Frau.

Angeliki, eine Fernsehmoderatorin, von der Insel stammend, hält sich zuhause auf. Ihre Mutter, erfährt man langsam, hatte früher mit Zacharias ein Verhältnis, sollte ihn nach Australien begleiten, was jedoch nicht zustande kam. Sie blieb daheim – schwanger. Ist Zacharias gar Angelikis Vater? Und, was noch viel wichtiger ist: Hat ihre Mutter mit dem Tod von Zacharias zu tun?

Sowieso hat jeder auf der Insel von dem traurigen Vorfall seine eigene Version. Der Wirt der Kneipe Oasis zum Beispiel doziert, dass die Australier von den Briten abhängen und diese wiederum von den Amerikanern. Weil Zacharias in Australien gewesen sei, stecke das dahinter. Die verschiedensten Variationen werden im Film auch angedeutet.

Leonidas und Angeliki werden ein Paar. Sie kämpfen gegen einen von Touristen-Profiteuren auf der Insel geplanten Wasserpark. Der würde die ganze Umwelt-Idylle zuschanden machen. Zacharias’ Haus stand da im Wege. Kommt sein Tod etwa aus dieser Richtung?

Wie ist nun Zacharias wirklich gestorben? Er ruhe jedenfalls in Frieden.

Ein wenig Komödie, ein wenig Krimi, wunderbare Landschaften, ortstypisches Geschehen mit Tanz und Hochzeit, Tratsch auf schwachen Füßen, Schatten der Vergangenheit – und eine zarte Liebesgeschichte.

Das alles ohne größeren dramaturgischen und formalen Anspruch zusammen gemischt in einem jedoch einnehmenden griechisch-deutschen Film, der vor allem unterhalten will.

Thomas Engel