Knallhart

In letzter Zeit konnte man Detlev Buck mehr vor der Kamera als dahinter erleben, doch nun ist er mit Wucht zurückgekehrt. „Knallhart“ erzählt die Geschichte des 15jährigen Michael, den es vom feinen Berliner Stadtteil Zehlendorf in die soziale Wirklichkeit des von Arbeitslosigkeit geprägten Bezirks Neukölln verschlägt. Nach der gleichnamigen Romanvorlage von Gregor Tessnow, der auch am Drehbuch beteiligt war, überzeugt Buck vor allem durch den genauen Blick auf ein Milieu, in dem sich Gewalt als Lebensprinzip durchgesetzt hat.

Webseite: www.knallhart-derfilm.de

Deutschland 2006
Regie: Detlev Buck
Darsteller: David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Erhan Emre, Oktay Özdemir, Hans Löw, Jan Henrik Stahlberg u.a.
Länge: 98 Min.
Verleih: Delphi

PRESSESTIMMEN:

Mit feinemGespür für die Schwingungen im Kiez beschreibt der Regisseur die Spirale der alltäglichen Gewalt an Schulen. Ohne stilistischen Schnickschnack und mit einem großartigen Ensemble von Schauspielern und Laiendarstellern erzählt er eine starke Geschichte, die noch lange nachwirkt.
Der Stern

Er kann auch anders: Detlev Buck wartet mit einer Überraschung auf: Sein neuer Film ‘Knallhart’ ist ein moderner Film noir geworden, ein Großstadtfilm auf der Höhe der Zeit.
Detlev Buck ist mit seinem harten Neukölln-Noir eine wahre Rarität des deutschen Kinos gelungen. "Knallhart" ist ein düster funkelndes Genrestück geworden, ein rauer Großstadtfilm mit einem großen Herzen und einem ungeschöntenm Blick. – Herausragend!
Tip Berlin

Detlev Bucks Regie-Comeback: eine unerwartet radikale Ballade aus dem sozialen Ghetto Berlins.
Cinema

Eine Entdeckung ist David Kross in seiner Mischung aus Naivität und Cleverness, Trotz und Verletzbarkeit, der sich wünscht, dass es "mal still ist" in seinem Kopf. Alexander Mitscherlichs beschworene "Unwirtlichkeit unserer Städte" und seine Anstiftung zum Unfrieden erhalten hier eine neue Dimension. Etwas aufgesetzt wirkt das beliebte Berliner "Wir sind Bronx"-Gefühl, das einen falschen Ton in die Bemühung um Authentizität bringt. Was aber letztlich in diesem düsteren Großstadtfilm zählt, ist die Geschichte vom Ende einer Kindheit, vom Ende der Unschuld. Und die ist stark.
Bayerischer Rundfunk

Bezwingende Verfilmung eines wirklichkeitsnahen Jugendromans, die sich durch genaue Milieuzeichnung und authentische Darsteller auszeichnet. Vom Einzelfall abgesehen, porträtiert der raue Film das Bild einer „verlorenen Generation“, die der allgemeinen Verrohung der Verhältnisse ihrerseits durch Gewalt begegnet.
Film-Dienst

Buck gelingt eine präzise Millieuschilderung mit vielschichtig charakterisierten Figuren, die den Teufelskreis der Gewalt und Kriminalität nicht als simple Gleichung erklären will und gerade deshalb so präzise einfangen kann.
epd-film

FILMKRITIK:

Wenn halbherzig geführte Sozialpolitik zu einem Zustand von Frustration und Sprachlosigkeit bei den Betroffenen führt, nimmt Gewalt als Möglichkeit eindeutiger Kommunikation einen hohen Stellenwert ein. Es entstehen Parallelwelten, die ihre eigenen Gesetze bilden. Das muss der junge Michael Polischka in mehrerer Hinsicht schmerzlich erfahren. An seinem fünfzehnten Geburtstag steht er mit seiner Mutter Miriam plötzlich auf der Straße vor der schicken Villa in Zehlendorf. Ihr neureicher Liebhaber hat das Interesse an seiner Gespielin verloren. Das Geld reicht nun nur noch für eine billige Hinterhofwohnung im Krisenstadtteil Neukölln. Am ersten Schultag stellt sich dann auch prompt die örtliche Gang vor. Michael wird zusammengeschlagen und um Handy und Schuhe beraubt. Es sieht nicht so aus, als ob dies das letzte Mal gewesen ist, denn hier wird schnell entschieden, wer als Opfer gilt. Doch Michael will kein Opfer sein und gerät an den Chef einer gut organisierten Drogenmafia, der für seine Geschäfte ein ehrliches Gesicht für Kuriertätigkeiten immer gut gebrauchen kann. Michael stellt sich als zuverlässig heraus, verdient Geld und die Gang kann ihm nichts mehr anhaben, denn nun breiten äußerst mächtige Gesellen ihr schützendes Mäntelchen aus. Doch auch bei denen gibt es ungeschriebene Gesetze…

Auf den ersten Blick ist „Knallhart“ ein ungewöhnliches Werk in Detlev Bucks Schaffen. Das Karikaturartige, das den Figuren in den vorherigen Filmen oft anhaftete, ist in „Knallhart“ nicht zu finden. Es weicht einem ungeschminkten sozialen Realismus, der auch formal in Kameraführung, Schnitt und der kühlen Farbgebung fast dokumentarische Härte erreicht. Doch trotz aller Abweichungen bleibt Bucks Fähigkeit, sich mit Haut und Haaren auf eine Geschichte einzulassen und sie entsprechend geradlinig zu inszenieren, erhalten. Dabei fasst er den Zuschauer besonders bei den Gewaltszenen nicht mit Samthandschuhen an, lässt aber genug Platz für die feinen Nuancen, so dass der Film nie auf das Glatteis eines einfachen Gut-Böse-Schemas gerät.

Die Besetzung ist bis in die Nebenrollen äußerst gelungen – und mutig: Jenny Elvers-Elbertzhagen als Michaels Mutter Miriam spielt durchaus gekonnt gegen ihr Image an. Für die richtige Atmosphäre sorgt auch ein feiner Soundtrack, der als Thema ein Stück von Stravinsky wählt, und dann, ohne aufgesetzt zu wirken, den Spagat zu zeitgenössischen Stücken von „The Eels“, „Franz Ferdinand“ und anderen schlägt.
„Knallhart“ ist eine milieugetreue und stimmige Geschichte aus dem Moloch Berlin und verweigert sich bewusst der sozialromantischen Verklärung, die man in vielen anderen Filmen findet. Das erinnert in seiner Konsequenz nicht nur einmal an den frühen Martin Scorsese, nur ist es hier eben nicht New Yorks Little Italy, sondern Berlins Klein-Istanbul.

Eric Horst