Koenigin im Ring

Regina Halmich hat das Frauenboxen in Deutschland populär gemacht. Dafür musste sie hart kämpfen und auch mal einem Stefan Raab die Nase brechen. Die Dokumentation zeichnet eine eindrucksvolle Sportlerkarriere nach. Dabei lebt der Film vor allem von seinen persönlichen Momenten. Passend dann auch, dass die Inszenierung eher wie ein Heimvideo anmutet.

Webseite: www.progress-film.de

D 2008
Drehbuch und Regie: Simone Jung
Darsteller: Regina Halmich, Torsten Schmitz, Klaus-Peter Kohl, Jürgen Lutz, Artur Grigorian, Familie Halmich
Laufzeit: 90 Minuten
Verleih: Progress Film
Kinostart: 11.06.2009

PRESSESTIMMEN:

AUSZEICHNUNGEN

Hessischer Film- und Kinopreis 2008, Filmfestival Max Ophüls Preis 2009

FILMKRITIK:

In der Geschichte der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, wurde so manches Kapitel in den vergangenen Jahren neu geschrieben. Und das ist gut so! In manchen Bereichen ist es einigen wenigen Leitfiguren zu verdanken, dass sich das vermeintlich schwächere Geschlecht dauerhaft emanzipieren konnte. So auch im Sport. Dabei hat beispielsweise der respektable Erfolg der deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen hierzulande dafür gesorgt, dass selbst König Fußball unterdessen keine reine Männerdomäne mehr ist. Lediglich der Kampfsport und speziell das beim Massenpublikum so populäre Boxen, schienen für das zarte Wesen einer Frau doch eher ungeeignet. So dachte Mann! Doch spätestens seit eine gewisse Regina Halmich, ihres Zeichens Fliegengewichtsweltmeisterin, den zwar untrainierten aber doch hoch motivierten TV-Moderator Stefan Raab in einem Showkampf die Nase bricht, ist die erste deutsche Königin im Ring gekrönt.

Die Dokumentation über Regina Halmich setzt dort an, wo die Karriere der erfolgreichen Sportlerin sich in 2007 und nach 13 Jahren Profiboxen allmählich dem Ende neigt. Der Abschlusskampf in ihrer Heimatstadt, soll der Laufbahn ein würdiges Ende setzen. Doch bevor es soweit kommt, nimmt uns der Film mit auf die Reise in ihre Vergangenheit und zeigt, wer die Box-Königin im Leben sowie im Ring begleitete. Dabei spielen vor allem auch die Eltern eine wesentliche Rolle, die, während ihre Tochter im Ring mit harten Bandagen kämpft, vorzugsweise durchs nächtliche Karlsruhe fuhren, um den Adrenalinspiegel im Zaum zu halten. Des Weiteren lernen wir den Trainer Jürgen Lutz kennen, der der Halmich bereits das Kickboxen beibrachte, bevor er sie für das Frauenboxen entdeckte und sie nach einer ersten Niederlage in Las Vegas zum Meistertitel führte. Und nicht zuletzt Torsten Schmitz, der die willensstarke Athletin im Hamburger Boxstall Universum trainierte und ihr den letzten Schliff gab. So zeigt die Doku die Stationen und Etappensiege einer eindrucksvollen Sportkarriere, den Kampf einer Frau gegen ihre weiblichen Gegner und männlichen Vorurteile sowie die Krönung und das Amtsende der Königin im Ring.

Ohne den Glanz und den Glamour, der bei den Live-Übertragungen großer Boxkämpfe üblich ist, hat die Regisseurin Simone Jung die sportliche Laufbahn von Regina Halmich nachgezeichnet. Nah dran an ihrem „Million Dollar Baby“, zeigt sie das familiäre Umfeld sowie den Boxstall als eine Art zweites Zuhause. Interviewpassagen und Archivmaterial verdichten die Doku zu einem intimen Sportlerportrait. Dabei zieht der Film seinen Charme aus den persönlichen Momenten, die sowohl durch die Einbeziehung der Eltern, als auch die intensive Beziehung zu den Trainern entstehen. Die nötige Prise Humor, entfalten vor allem die Bilder, die eine 14jährige Regina beim Kampf um die Kickbox-Meisterschaft zeigen. Nicht minder komisch ist die Sequenz, die den Showkampf mit Stefan Raab in Erinnerung ruft. Und auch an Spannung mangelt es dem Biopic nicht, was ja letztlich auch in der Natur der Sache liegen dürfte. Überdies mutet der Film eher wie ein liebevoll gestaltetes Heimvideo an, in dem teilweise penetrante Musikuntermalung den O-Ton stört. Kein Film, der visuell mit großen Kino-Bildern auffährt und eine Leinwand auch optisch zu füllen versucht. Eher ein Film, der sich als Vorprogramm für einen großen TV-Fight eignet.

Gary Rohweder