Konferenz der Tiere

Vor gut 40 Jahren wurde Erich Kästners allegorisches Kinderbuch schon einmal verfilmt. Nun also, ganz zeitgemäß in Scope und 3D, eine Neuauflage, die die Botschaft der Vorlage behutsam modernisiert, ihrem Geist aber treu bleibt, wenngleich weniger subtil. Einmal mehr muss das Animationskino für eine Umweltschutz-Botschaft herhalten, die man allerdings angesichts der meist toll animierten, witzigen Szenen auch übersehen kann. Bei allen Drehbuchschwächen und unsubtilen Momenten ist "Die Konferenz der Tiere" dennoch ein sehenswerter, hervorragend gemachter Animationsfilm Made in Germany.

Webseite: www.constantinfilm.de

Deutschland 2010 – Animationsfilm
Regie: Reinhard Klooss, Holger Tappe
Drehbuch: Oliver Huzly, Reinhard Klooss, nach der Erzählung von Erich Kästner
Kamera:
Schnitt: Alexander Dittner
Musik: David Newman
Länge: 93 Min.
Verleih: Constantin Film
Kinostart: 7. Oktober 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Im Original waren es ein Löwe, eine Giraffe und ein Elefant, die sich gemeinsam über die Ignoranz der Menschen wundern und beschließen, den sich endlos wiederholenden und stets ergebnislos verlaufenden Konferenzen der Menschen eine eigene entgegen zu stellen. Zwar spielt dieses Trio auch in der modernisierten Neuauflage der Konferenz der Tiere eine Rolle, die Hauptfigur ist jetzt jedoch ein Erdmännchen Namens Billy. Vermutlich weil so ein kleiner Nager niedlicher ist als große Tiere, vor allem aber seinen Kollegen aus erfolgreichen Animationsfilmen wie der Ice Age-Reihe ähnelt, an die diese deutsche Produktion deutlich angelehnt ist. Und eins muss man sagen: Was die Qualität der Animation angeht, muss sich der in Hannover (!) entstandene Film nicht hinter amerikanischen Produktionen verstecken. Was man über das Drehbuch leider nicht sagen kann. In diesem fundamentalen Bereich des Kinos hinkt der deutsche Film den besten amerikanischen Mainstream-Filmen immer noch ein ganzes Stück hinter her.

Allein die Exposition von "Die Konferenz der Tiere" zeigt die Probleme deutlich auf. Es beginnt in Afrika, irgendwo im Okawanga-Delta von Botswana, wo das etwas angeberische Erdmännchen Billy Blödsinn macht, statt sich um das drängende Problem zu sorgen: Wasser. Seit Monaten hat es nicht geregnet, die Vorräte gehen zur Neige und um das immer kleiner werdende Wasserloch streiten sich rustikale Nashörner und ebenso rustikale Büffel. Das erwähnte Trio Giraffe, Löwe und Elefant taucht auch schon auf, doch im modernen Kino reichen solche gewöhnlichen, geradezu langweiligen Tiere offenbar nicht mehr aus. Und so springt der Film munter durch die Weltgeschichte, es finden sich ein: in Australien ein Känguru und ein tasmanischer Teufel (hässlich und mit Verdauungsproblemen, was für die offenbar unvermeidlichen, rustikalen Furzwitze sorgt), in der Arktis ein Eisbär, auf den Galapagosinseln ein uraltes Schildkrötenpaar und schließlich ein stolzer gallischer Hahn, der natürlich mit betont pseudofranzösischen Akzent spricht. Absurde Zufälle bzw. die Feder der Drehbuchautoren bringen diese so unterschiedlichen Tiere in einer Badewanne zusammen und schließlich an die Küste Afrikas. Und jetzt, nach der langen, wirren Exposition kann endlich die eigentlich Geschichte beginnen: Die Suche nach dem Wasser, das durch ein gigantisches Staudammprojekt zurückgehalten wird. Finstere Jäger und Geschäftsmänner begegnen den Tieren auf ihrem Abenteuer, aber auch ein hilfreiches kleines Mädchen.

Ging es in Erich Kästners 1947 erschienener Erzählung noch um den Weltfrieden, ist das aktuell brennende Thema die Zerstörung der Natur durch den Menschen. Anspielungen an Dutzende im Sand verlaufende Klimakonferenzen, Scheinheiligkeit und Ignoranz der Menschen sind willkommener Anlass für zum Teil recht drastische Seitenhiebe. Selten kam der Mensch an sich so schlecht weg wie in diesem Film.

Das trübt den Spaß an den Abenteuern von Billy und Freunden allerdings nicht, zumal alle Botschaft und Bewusstseinsförderung angesichts der bildgewaltigen 3D-Momente schnell in den Hintergrund geraten. Denn bei allen Drehbuchschwächen und unsubtilen Momenten bleibt Die Konferenz der Tiere doch ein sehenswerter, hervorragend gemachter Animationsfilm Made in Germany.

Michael Meyns

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