Die italienische Produktion aus dem Jahr 2025 zeigt eine Valaria Golino, wie man sie sonst so nicht erlebt. Es ist beeindruckend, wie sie ihre natürliche Ausstrahlung zurückdrängen kann und in einer Figur aufgeht, die von allen übersehen wird. Sie ist eine Frau, der das Leben nicht viel gegeben hat, und die Bedürftigkeit mit Liebe verwechselt.
Über den Film
Originaltitel
La gioia
Deutscher Titel
La Gioia – Süchtig nach Dir
Produktionsland
ITL
Filmdauer
113 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Viola Prestieri, Valeria Golino, Nicola Giuliano
Regisseur
Nicolangelo Gelormini
Verleih
Busch Media Group GmbH & Co. KG
Starttermin
06.08.2026
Gioia ist Lehrerin an einer Schule, die auch Alessio besucht. Er, der mit dem Lernen nicht viel am Hut hat, aber reich werden will, verdingt sich in der Prostitution, zu der seine Mutter und deren Freund sie gedrängt haben. Gioia und Alessio erkennen ineinander etwas, als sie ihm Nachhilfe gibt. Oder glaubt nur sie, etwas zu erkennen, während er eine Chance wittert? Denn er setzt ihr den Floh ins Ohr, dass sie weggehen und gemeinsam ein neues Leben beginnen können. Aber dafür brauchen sie Geld. Geld, das Gioia sich ein Leben lang erspart hat …
„Dreams Are My Reality“, der Song des Teenie-Films „La Boum“ ist zu hören, als Gioia davon fantasiert, ein Leben mit Alessio zu haben. Der Song ist Ausdruck für ein Bedürfnis, er ist so ikonisch, dass man sofort Bilder damit verbindet. Die der ersten Liebe und der großen Gefühle. Dinge, die Gioia niemals erlebt hat, weil sie eine Frau ist, die sich immer hintenangestellt hat, die noch immer bei ihren Eltern lebt und mehr deren Pflegerin als deren Tochter ist. Man hört den Song und versteht, wie Gioia tickt. Sie träumt von dieser Romanze, wie es sie nur im Kino geben kann – insbesondere, wenn man weit übers Teenageralter hinaus ist, so wie Gioia, die sich bei Alessio jung fühlt. So jung, wie sie das niemals zuvorgetan hat, nicht mal, als sie selbst noch jung war.
„La Gioia“ lebt von Valeria Golino, aber auch von Saul Nanni als Alessio. Das Zusammenspiel der beiden ist intensiv, und das umso mehr, weil der Altersunterschied fast zu verschwimmen scheint – bis man direkt darauf gestoßen wird. Spannung bezieht auch aus dieser Beziehung, denn als Zuschauer spürt man den klaren Unterschied zwischen Liebe und Bedürftigkeit, wobei letztere die manipulativen Fertigkeiten des jungen Mannes offenbart. Das spielt Nanni sehr vielschichtig, man ist nie ganz sicher, ob seine Figur nun Gioia ausnutzt oder es ernst meint, aber man hat eine Ahnung, und damit spielt der Film.
Technisch ist er exzellent umgesetzt, das Turin des Films ist nie ein Urlaubsidyll, sondern spiegelt die Realität wider. Der Film erschafft so eine ganz eigene Atmosphäre, auch wenn er niemals der Thriller wird, der er hätte sein können, aber dafür ist er ein Drama mit psychologischer Finesse.
Peter Osteried







