Lapislazuli – Im Auge des Bären

Wolfgang Murnberger erzählt nicht etwa – wie man vom Titel vermuten könnte – eine Geschichte über Bären, sondern von der Begegnung eines jungen Mädchens und einem aufgetauten und zum Leben erweckten Neandertalerjungen in den österreichischen Hochalpen. Liebevoll und unterhaltsam inszeniert, lässt der Familienfilm dennoch an Spannung vermissen, begeistert aber mit pittoresken Landschaftsaufnahmen.

Webseite: www.lapislazuli-derfilm.de

Österreich/Deutschland/Luxemburg 2006
Regie: Wolfgang Murnberger
Buch: Volker Krappen, Wolfgang Murnberger
Darsteller: Clarence John Ryan, Julia Krombach, Paula Nocker, Lena Stolze, Hans-Werner Meyer, Christoph Waltz, Gregor Bloéb, Vadim Glowna
106 Minuten
Kinostart: 24. August 2006
Verleih: 20th Century Fox

PRESSESTIMMEN:

Wolfgang Sternberger inszenierte eine ernste Variante von "Steinzeit Junior", die sich nach erheblichen Startschwierigkeiten mit arg ausgewalzten Familienproblemen zum mitreißenden Abenteuer entwickelt.
Cinema

 

FILMKRITIK:

In der Vergangenheit wurde der österreichische Regisseur Wolfgang Murnberger von seinen Kindern stets gefragt, warum sie nicht seine Filme sehen dürfen. Nach den beiden Krimis für Erwachsene die er zuletzt drehte, „Komm, süßer Tod“ (2001) und „Silentium“ (2005), erreichte Murnberger jetzt die kindliche Neugier: seine neueste Arbeit ist ein Familienfilm. Die Geschichte ist ein wenig haarsträubend, aber dennoch liebevoll inszeniert. Ein klitzekleiner Meteorit schlägt in eine Gletscherspalte in den Hochalpen ein, ausgerechnet in die Eiswand, in der ein Neandertalerjunge eingefroren ist. Der wird ungefragt zum Leben erweckt und trifft prompt auf die junge Sophie, die – eigentlich schwer genervt – mit ihrer langweiligen Familie in den Bergen Urlaub macht. Doch die Begegnung mit diesem Fremdling, der aussieht wie ein zotteliger, australischer Aborigine, heitert sie prompt auf, so einen putzigen Neandertaler-Boy trifft man ja nicht alle Tage. Doch die traute Zweisamkeit ist natürlich nicht von langer Dauer, denn eifrige Wissenschaftler und laute Helikopter spüren die beiden mit unlauteren Mitteln auf, da bleibt kaum Zeit für Intimitäten zwischen den beiden pubertierenden Teens.

"Lapislazuli – Im Auge des Bären“ ist quasi eine österreichische Alpenversion von „E.T. – Der Außerirdische“ – nur mit bescheideneren Mitteln erzählt. Ein Kind trifft auf ein Wesen aus einer anderen Welt (selbst die erste Begegnung im Dunkeln und mit Taschenlampe ist von „E.T.“ übernommen), führt ihn in seine Zivilisation ein, er möchte eigentlich nur nach Hause, und böse Wissenschaftler sind den beiden auf den Fersen.

Das ist stets unterhaltsam inszeniert, auch wenn die erwünschte Spannung auf der Strecke bleibt. Die Kulisse in den österreichischen Hochalpen ist allemal sehenswert und auch Grimme-Preisträger Christoph Waltz („Herr Lehmann“, „Der alte Affe Angst“), spielt als verbissener Wissenschaftler mit gutmütigen Seiten eine dankbare Rolle. Dass der Film jetzt in die Kinos kommt – rechtzeitig zum 150. Jubiläum des Fossilienfunds im Neandertal bei Düsseldorf im Jahr 1856 – ist selbstverständlich ein passender Anlass. Die viel schönere Nachricht: Wolfgang Murnberger kann jetzt endlich auch mal dem eigenen Nachwuchs einen seiner Filme zeigen.

David Siems