Leben ist zu lang, Das

Nach der Polit-Posse „Mein Führer“ präsentiert Dani Levy in seinem elften Kinostreich eine eben so mutige wie witzige Kreuzung aus Komödie und Politik. Genauer gesagt: Eine Paarung aus Woody Allen und islamischem Karikaturenstreit – ein bisschen: „Was Sie schon immer über Fundamentalismus und Humor wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten“ gewissermaßen. Im Zentrum steht Ex-Erfolgsregisseur Alfi Seliger, der nach jahrelanger Durststrecke endlich wieder ein Drehbuch parat hat. Seine „Komödie über das Ende des Humors“ am Beispiel des Karikaturenstreits findet leider keine Resonanz. Neben Karrierekrise zwacken den armen Tropf allerlei andere Zipperlein: Pampige Kinder, rebellierender Magen, fremdgehende Gattin, heimtückischer Psychiater. Das Stehaufmännchen kämpft trotzig gegen alle Widrigkeiten, Selbstmordversuch inklusive. Allein sein Comedy-Projekt gerät ständig ins Stottern – und am schrägen Ende auf surreale Weise völlig aus den Fugen. Das heikle Verhältnis von Humor und Islam ist zwar lediglich Nebenschauplatz dieser charmant verspielten Versager-Saga – aber immerhin, auch das wagen nur wenige Künstler. Unterstützt wird er durch Gastauftritte von Bully Herbig über Udo Kier bis Heino Ferch und Elke Sommer. Mehr Woody war in Levy noch nie.

Webseite: www.daslebenistzulang.x-verleih.de

Deutschland 2010
Regie und Buch: Dani Levy
Darsteller: Markus Hering, Meret Becker, Veronica Ferres, Yvonne Catterfeld, Gottfried John, Hans Hollmann, Justus von Dohnányi, Heino Ferch, Elke Sommer, Udo Kier, Hannah Levy
Laufzeit: 87 Minuten
Verleih: X-Verleih
Kinostart: 26.8.2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Das muss sich erst einmal einer trauen: Einen Film zu wagen, Komödie obendrein, über den dänisch-islamischen Karikaturenskandal. Dani Levy lässt wagen: Er schickt als Alter Ego einen gewissen jüdischen Regisseur namens Alfi Seliger an die brenzlige Polit-Pointen-Front. Kaum Zufall, dass der Name ähnlich klingt wie Alvy Singer, jener „Stadtneurotiker“ von Woody Allen. Wie Alvy plagen auch Alfi allerlei Krisen und Zipperlein, sei es mit der krebsbedrohten Gesundheit, seiner insolventen Bank, der notorisch geknickten Karriere und natürlich der neurotischen Familie. Ach ja, und da wäre noch sein Drehbuch über diese Islam-Karikaturen.

Fünf lange Jahre hat Seliger sich mit seinem neuen Werk abgequält, doch nun mag es keiner haben. Auf der wichtigen Branchenparty gerät Alfis emsiges Networking zur peinlichen Anbiederungstour. Bully winkt mit freundlichem Lächeln ab und plaudert lieber weiter mit Sepp Vilsmaier. Der gastgebende Produzentenmogul gibt ihm gleichfalls einen Korb – allein dessen russische Gattin Natasha (köstlich radebrechend Veronica Ferres), findet den Stoff fast so verführerisch wie seinen strubbelhaarigen Autor. Dank der Lady gibt es tatsächlich grünes Licht, nur der Hauptdarsteller fehlt noch: „Bully oder Jürgen Vogel, Til Schweiger lieber nicht!“ empfiehlt der Produzent treuherzig. In Wirklichkeit hegt er längst ganz andere, nämlich Serien-Pläne – doch bis Seliger die fiese Finte entdeckt, muss er sich mit seinen pubertären Kindern plagen, den Darmkrebs besiegen, die fremdgehende Gattin zurückerobern oder seinen theatralischen Selbstmordversuch überleben. Damit nicht genug, gerät der arme Tropf zum tragischen Schluss in eine arge Identitätskrise: Er ist immer mehr überzeugt, lediglich die kreative Spinnerei eines Autoren zu sein. Fortan rebelliert der Regisseur im Film gegen den realen Regisseur Dani Levy.

Ein bisschen zu viel des Guten? Am Ende vielleicht schon, aber das gehört zu solch einer prallen Wundertüte der burlesken Art genauso dazu wie der Mut zum verspielten Klischee. Neben der gelungen charmanten Versager-Saga („Im Dunkeln siehst du aus wie früher“ flirtet da der Gatte hilflos mit der frustrierten Ehefrau) sowie einer formidablen Abrechnung mit der Filmbranche (unterstützt durch etliche Gastauftritte von Heino Ferch bis Elke Sommer) verblüfft Levy durch seinen Mut, das Thema Islam komisch anzuspielen – das wagen wahrlich wenige Comedians. „Wollen Sie sehen, ob der Koran brennt?“ sorgt sich Gottfried John einmal. Auch Alfis Gattin fürchtet eine Fatwa – durchaus berechtigt, wie sich zeigen wird. Levy plagen hat solche Sorgen derweil nicht, er glaubt nicht, dass sein Film als antimuslimisch missverstanden werden könne, dafür sei sein Film „viel zu liebevoll“. Nach alles auf Zucker, nun alles auf Alfie – mehr Woody war in Levy nie.
 
Dieter Oßwald

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