Les Miserables (2013)

Wenn der Oscar-verwöhnte "The King`s Speech"-Regisseur Tom Hooper das weltweite Musical-Phänomen mit Starbesetzung verfilmt, ist der frenetische Jubel programmiert. Pathos pur zwischen Love Story, Verrat und Französischer Revolution. Mit "I Dreamed A Dream" wurde die schottische Hausfrau Susan Boyle vor vier Jahren in einer TV-Talentshow zur globalen "You Tube"-Ikone. Anne Hathaway setzt noch einen drauf: Ihre Version hat Klassiker-Qualitäten und ziemlich beste Oscar-Chancen (bei insgesamt 8 Nominierungen). Dass alle Akteure ihre Lieder live darbieten, macht dieses Musical auf der Leinwand zum einzigartigen Erlebnis mit Gänsehaut-Faktor. Da Capo!

Webseite: www.lesmiserables-film.de

GB 2013
Regie: Tom Hooper
Darsteller: Hugh Jackman, Russell Crowe, Anne Hathaway, Amanda Seyfried, Helena Bonham Carter, Sacha Baron Cohen, Eddie Redmayne
Filmlänge: 157 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 21. Februar 2013

PRESSESTIMMEN:

FILMKRITIK:

Besorgte britische Kinobetreiber raten den Zuschauern vor der Vorstellung eindringlich zu Papiertaschentüchern. Tatsächlich geschieht bisweilen jene absolute Seltenheit: stehende Ovationen bei regulären Vorstellungen! Die Reaktionen der musicalverrückten Engländer mögen eine Ausnahme sein, "Les Mis" freilich ist weltweit ein Musical-Phänomen. Mehr als 51 Millionen Menschen haben das Stück in den ersten 25 Jahren seit seiner Premiere 1980 gesehen. Die deutsche Version von Heinz Rudolph Kunze lockte Ende der 80er Jahren in 400 Vorstellungen über 420.000 Besucher. Nun also die Leinwand-Version von Oscar-Regisseur Tom Hooper. Der besondere Kick: Die Akteure singen live, also nicht wie üblich mit nachträglicher Studioeinspielung.

Basierend auf Victor Hugos Roman "Die Elenden" von 1862 wird die gar schauerliche Geschichte des Jean Valjean (Hugh Jackman) erzählt, der 19 Jahre im Zuchthaus saß, weil er einst ein Stück Brot für die hungernde Tochter seiner Schwester stahl. Als der "Gefangene 24601" freikommt, will er ein neues Leben beginnen. Doch der gnadenlose Inspektor Javert (Russell Crowe) lauert nur auf einen neue Missetat des Ex-Sträflings. Der Held taucht unter, kann sich eine neue Identität aufbauen und bringt es Jahre später bis zum Fabrikbesitzer. Seiner verarmten Arbeiterin Fantine (Anne Hathaway) verspricht er am Totenbett, sich um deren Tochter Cosette (Amanda Seyfried) zu kümmern. Als Valjean von seinem Erzfeind erkannt wird, flieht er Enttarnte mit dem Waisenmädchen aus der Stadt. Neun Jahre später, 1832 im revolutionär aufgeheizten Paris, verliebt sich der Student Marius (Eddie Redmayne) unsterblich in Cosette. Doch zunächst gilt es für ihn, mit den anderen Aufständischen auf die Barrikaden zu gehen – derweil Valjean mehr denn je vom unerbittlichen Javert gejagt wird.

In dem weitgehend gesungenen Drama finden sich alle 49 Songs des Musicals wider. Vor wilder Kulisse und mit entfesselter Kamera inszeniert, ergeben sich beeindruckende Schauwerte, die wirkungsvoll intensiviert werden, wenn die Akteure direkt in die Kamera singen. Wie erwähnt, tun sie das allesamt live, ohne nachträgliche Studioaufnahmen. Puristen mögen die fehlende Perfektion beklagen, doch dafür wirkt die ganze Sache mit dieser Methode sehr viel ausdrucksvoller. Das Gesangsduell zwischen Ex-"Gladiator" Russell Crowe und Ex-"Wolverine" Hugh Jackman ist eine grandiose Klasse für sich, aber auch der sommersprossige "My Week with Marilyn"-Verfüher Eddie Redmayne kann sich absolut hören lassen. Der gesangliche Höhepunkt findet freilich bereits nach 28 Minuten statt, wenn Anne Hathaway ihr oscarreifes "I Dreamed A Dream" in einer einzigen Großaufnahme intoniert und für kollektive Gänsehaut im Kinosaal sorgt.

Liebe, Verrat, zerbrochene Träume und Vergeltung, dazu eine dicke Portion revolutionäres Pathos – "Les Mis" hat alles, was ein Musical braucht, Ohrwürmer inklusive. Die clevere Regie des Tom Hooper, die opulente Ausstattung sowie die stimmbegabten Schauspieler lassen daraus ein einzigartiges Kinoerlebnis werden. Bleibt abzuwarten, ob es auch hierzulande (es gibt den Film in OV, OmU sowie in einer Version, in der gesprochene Teile auf Deutsch sind) zu stehenden Ovationen im Kinoalltag kommt…

Dieter Oßwald

Das Film-Musical stützt sich auf Victor Hugos berühmten Roman „Die Elenden“.

1815. Jean Valjean wird nach 19 Jahren Fronarbeit aus dem Gefängnis entlassen. Dorthin war er gekommen, weil er Brot gestohlen hatte.

Sein Gegner war schon immer der rachsüchtige Polizeiinspektor Javert.

1823. Valjean, der sich mit in einer Kirche gestohlenen und dann verkauften kostbaren silbernen Kerzenleuchtern eine neue Existenz aufbauen konnte, ist Jahre später Bürgermeister einer Provinzstadt. Die Fabrikarbeiterin Fantine, die mit der kleinen Cosette ein uneheliches Kind hat, das bei gaunerischen Pflegeeltern lebt, muss sich prostituieren, um es zu ernähren. Valjean rettet sie, will mit der kleinen Cosette nach Paris ziehen. Die geschundene und ausgemergelte Fantine ist am Ende. Sie stirbt.

Valjean wird weiter von Javert verfolgt. Er liebt die inzwischen jugendlich gewordene Cosette.

Um 1823. Die Studenten revoltieren. Unter ihnen befindet sich Marius. Er sieht Cosette. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch auch Valjean kann von seiner väterlichen Liebe zu ihr nicht lassen. Lange leidet er darunter.

Die Auseinandersetzung zwischen Javert und Valjean geht weiter. Als ersterer erkennt, dass Valjean ein wertvoller Mensch ist und er deshalb seinem Ziel, ihn zu töten, nicht näherkommen kann, stürzt er sich zu Tode. Auch Valjean hat nicht mehr lange zu leben.

Endlich finden die lange getrennten Cosette und Marius zueinander.

Auf dem genannten Roman fußend erhielt ein schon längst berühmt gewordenes Musical nun eine filmische Form. An poetischen Lyrics und schönen Songs wurde nicht gespart, Ausstattung und Schauplätze sind durchweg prächtig.

Die Schauspieler singen live, was ihnen viel stärkere Ausdrucksmöglichkeiten gibt, als wenn sie lippensynchron singen müssten. Sie agieren auch künstlerisch höchst beachtlich: Hugh Jackman als Valjean, Russel Crowe als Javert

Anne Hathaway als Fantine oder Amanda Seyfried als Cosette und Eddie Redmayne als Marius und viele andere. Besonders die drei Erstgenannten verdienen höchstes Lob.

Dass der in vielem grandiose und faszinierende Film zu lang geraten ist und gegen Schluss in eine fast peinliche Sentimentalität abrutscht, muss man hinnehmen.

Thomas Engel