letzte Applaus, Der

Der gebürtige Argentinier und seit seinem Studium an der Filmhochschule München in Deutschland lebende German Kral ist mehrfach ins Land seiner Wurzeln gereist, um dort einen Dokumentarfilm über ein Biotop des argentinischen Tangos und gealterte Tangosänger zu drehen. Ganz automatisch kommt er dabei auch auf die Auswirkungen der 1998 eingesetzten Wirtschaftskrise auf das südamerikanische Land und seine Einwohner zu sprechen.

Webseite: www.arsenalfilm.de

OT: El ultimo aplauso
Deutschland/Argentinien/Japan 2008 (Dokumentarfilm)
Regie: German Kral
Mit: Christina de los Ángeles, Inés Arce, Julio César Fernán, Horacio Acosta, Walter Barberis, Abel Frías
88 Minuten – Spanisch mit deutschen Untertiteln
Verleih: Arsenal Filmverleih
Kinostart: 21.5.09

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

In hiesigen Breiten erfreut sich der Tango großer Beliebtheit. German Kral, 1968 in Buenos Aires geboren und seit 1991 in Deutschland lebend, interessiert sich in seiner Dokumentation weniger für das Phänomen des aus dem Arbeiter- und Immigrantenmilieus Argentiniens stammenden Tangos als solchem, sondern für ein Biotop in seiner Geburtsstadt, das zahlreichen Tangokünstlern über viele Jahre ein Zuhause war. Indem er einige der betagten Künstler begleitet, lässt Kral in Ansätzen das Bild eines Buena Vista Social Club für die Welt des Tango aufscheinen.

Jener Ort, der es Kral angetan hat, ist die Bar „El Chino“ in Pompeya am Stadtrand von Buenos Aires. Geführt wurde sie von Jorge Garcia, einem Nachfahren spanischer Immigranten. Kral lässt seine Dokumentation mit leicht gekörnten Bildern aus dem Jahr 1999 beginnen, die in ihrer Verwaschenheit gut zum Ambiente des Lokals passen. Ein bisschen Nostalgie, ein bisschen schmuddelig, auf jeden Fall gemütlich und weinselig. Hier sang man einst ohne Mikrofon und nur von der Gitarre begleitet melancholieerfüllte Lieder von der Liebe und vom Schmerz, einst das Vaterland verlassen haben zu müssen.

German Kral kehrte zur Fortsetzung seines Films noch zwei Mal nach Buenos Aires zurück, und beide Male hatte sich die Situation des „El Chino“ verändert. Beim ersten Mal war es noch die Wirtschaftskrise und die Krankheit des Besitzers, die den Fortgang der Dreharbeiten lähmten. Beim anderen Mal hatten sich einige der Sänger mit der neuen Leitung der Bar überworfen und ihr den Rücken gekehrt. Auch starben im Laufe des Produktionsprozesses ein paar der Stammmusiker des Tango-Lokals.

Wie einst Wim Wenders in „Buena Vista Social Club“ begleitet Kral (auch er drehte übrigens mit „Musica Cubana“ einen Film über die Musik auf Kuba) einige Protagonisten der argentinischen Tangoszene wie Cristina de los Ángeles, die über 80-jährige Inés Acre und Julio César Fernán bei ihrem Überlebenskampf und lässt sie künstlerische Hoffnung durch die Begegnung mit jungen Tangomusikern des „Orquesta Tipica“ schöpfen. Gemeinsam gewähren sie dem „El Chino“ einen letzten Applaus. Ihnen, aber auch dem „El Chino“ setzt Kral mit dieser Dokumentation ein filmisches Denkmal. Interessant freilich wäre gewesen, mehr noch über die aktuelle Tango-Szene in der Heimat von Astor Piazzolla und Carlos Gardel zu erfahren. Die Aktivität des Orquestra Tipica Imperial zeigt immerhin, dass es sie gibt.

Thomas Volkmann