letzte Legion, Die

Der Kampf einer letzten Legion tapferer Römer gegen wilde Barbarenstämme ist die jüngste Produktion aus der Erfolgschmiede von Dino de Laurentiis. Der Ansatz, ein actionreiches, spektakuläres Epos mit Fantasy-Touch auf die Leinwand bringen zu wollen, kann getrost als gescheitert angesehen werden. Sogar gestandene Schauspieler wie Ben Kingsley und Colin Firth ändern hieran nichts. Allenfalls unter dem Trash-Aspekt erscheint der Film noch goutierbar.

Webseite: www.dieletztelegion.de

OT: The Last Legion
USA/GB/F 2007
Regie: Doug Lefler
Drehbuch: Jez & Tom Butterworth
Kamera: Marco Pontecorvo
Musik: Patrick Doyle
Mit Colin Firth, Sir Ben Kingley, Thomas Sangster, Aishwaya Rai, Peter Mullan, Harry van Gorkum, Kevin McKidd, Iain Glen, John Hannah
Kinostart: 30.8.07
Länge 102 Minuten
Verleih: Tobis

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Dino de Laurentiis ist eine lebende Produzenten-Legende. Der mittlerweile 87jährige Italiener hatte das erste King Kong-Remake in den 70ern mitfinanziert, er war ausführender Produzent bei Krieg und Frieden, Schwarzeneggers Hollywood-Durchbruch Conan – Der Barbar und der dritten Thomas Harris-Verfilmung Hannibal. Wenn er ein neues Filmprojekt initiiert, kann er sich der Unterstützung bekannter und renommierter Kollegen gewiss sein. Zusammen mit seiner Frau Martha und seiner Tochter Raffaella nahm er sich zuletzt des historischen Fantasy-Stoffs Die letzte Legion an. Unter der Regie von Doug Lefler sollte ein bildgewaltiges und actionreiches Epos um Verrat, Intrigen und Loyalität entstehen.

 

Soweit der Wunsch, die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus. Lefler, der zuvor nur mit dem müden hierzulande direkt auf Video erschienenen Fantasy-Märchen Dragonheart 2 – Ein neuer Anfang auf sich aufmerksam machte und einige Folgen der TV-Serie Xena abdrehte, inszenierte den Kampf der letzten aufrechten Römer gegen eine Armee finsterer Barbarenstämme als laues, erschreckend plattes Action-Gekloppe mit reichlich unfreiwilliger Komik und einem nicht zu unterschätzenden Trash-Faktor. Die Frage, warum sich gestandene Schauspieler wie Ben Kingsley, Colin Firth und Peter Mullan für diesen Film hergaben, kann nur mit einem Verweis auf den Namen „De Laurentiis“ und dessen umfangreiche Branchenkontakte erklärt werden.

Wir schreiben das Jahr 476 n. Christus. Das römische Imperium befindet sich bereits in der Auflösung, als der gerade einmal 12jährige Romulus Augustus (Thomas Sangster) zum neuen Kaiser gekrönt wird. Noch eher er seine Regentschaft antreten kann, werden er und sein Lehrmeister Ambrosinus (Ben Kingsley) von den Barbaren entführt und auf die Insel Capri verbracht. Dorthin eilt ihnen der Befehlshaber der kaiserlichen Leibgarde, Aurelius (Colin Firth), mit einigen seiner Männer zur Hilfe. Es gelingt Aurelius tatsächlich, Romulus und Ambrosinus zu befreien, doch der Sieg ist trügerisch. Denn eine Rückkehr in das nunmehr besetzte Rom scheint ausgeschlossen. Den Männern bleibt nur eine Möglichkeit: Sie müssen ins weit entfernte Britannien reisen, wo die letzte Legion des einst so mächtigen römischen Heeres den Feinden Caesars um den grausamen Lord Vortgyn (Harry van Gorkum) trotzt.

Was als monumentales Spektakel und emotionaler Kraftakt im Gladiator-Stil angelegt war, hat letztlich mehr Ähnlichkeit mit TV-Fließbandproduktionen und dramaturgisch äußerst simpel gestrickten B-Movies wie Der letzte Krieger und Pathfinder. Ungelenkt drückt Lefler immer wieder auf den Pathos-Knopf. Unter dem dramatischen Anschwellen der Musik wird bedeutungsschwanger in die Kamera geblickt und fortwährend Nonsens gefaselt. Kingsley und die anderen Darsteller müssen alberne Dialoge aufsagen, von denen man dachte, sie wären in Telenovelas verbannt. Immerhin blitzt zuweilen die Fähigkeit zur Selbstironie auf. Besonders das Ende mit seinem Verweis auf eine andere weltbekannte Legende relativiert mit einem Augenzwinkern vieler der vorausgegangenen Peinlichkeiten.

Die Zielgruppe des Films – ganz eindeutig junge, Fantasy-affine Männer, wie auch die Installation der verführerischen Kampf-Amazone Mira (Aishwaya Rai) beweist –  soll bis dahin mit zweitklassig choreographierten Kampfszenen bei Laune gehalten werden. Zwar ist die Kulisse des alten Roms noch halbwegs einer Kinoproduktion würdig, später jedoch, wenn im Feld Römer und „Barbaren“ die Schwerter zücken, lässt sich der Klassenunterschied zu Ridley Scotts Oscar-prämierter Sandalen-Oper nicht mehr leugnen. In Bezug auf die Schauwerte muss sich Die letzte Legion sogar der mediokren Bruckheimer-Produktion King Arthur geschlagen geben. Den alten Haudegen de Laurentiis dürfte das aber vermutlich kalt lassen.

Marcus Wessel

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476 n. Chr. Mit dem Imperium Romanum geht es langsam zu Ende. Ein Soldatenkaiser nach dem anderen wird ermordet. Das Frühmittelalter beginnt. Die Barbaren aus dem Norden, die Goten vor allem, fallen ein. Außerdem ist das Reich schon in West-Rom und Ost-Rom geteilt. Die Byzantiner (Ost-Rom) wollen ihren Einflussbereich ausdehnen. Deshalb verbünden sie sich mit den Goten. Diesen wird von West-Rom eine Machterweiterung abgeschlagen. Die Folgen werden katastrophal sein.

In Rom wird ein neuer Kaiser inthronisiert. Es ist der kleine Romulus Augustus, erst zwölf Jahre alt. Doch jetzt dringen die frustrierten Goten ein und zerstören die Stadt. Was soll mit Romulus geschehen? Muss er getötet werden, um das römische Reich und dessen Herrschersystem ein für allemal zu zerschlagen? Er wird vom Gotenführer Odoaker verschont, aber auf Capri verbannt. Von dort befreit ihn Aurelius, der Befehlshaber der kaiserlichen Leibgarde, mit einigen Getreuen, darunter der Philosoph Ambrosinus und die byzantinische Kämpferin Mira. Alles zerfällt. Auch Senator Nestor, einst Aurelius’ Freund, wird zum Verräter. Aurelius und seiner kleinen Schar bleibt nur noch die Hoffnung auf die 9. Legion – doch die ist in Britannien stationiert. Also auf – über die Alpen – nach England! Aber ist die Lage dort besser? Ist von dort noch Rettung zu erwarten?

Betrachtet man den Film kritisch, zerfällt er – natürlich nur hypothetisch – in zwei Teile. Da ist zunächst einmal der erste Teil: die routinierte Inszenierung, der Aufwand, die virtuellen Spezialeffekte, die Stunts, das historische Pathos, die Auftritte und Zeremonien, die Landschaften, das angemessene Spiel der Darsteller – das alles ist absolut brauchbar und mehr als das.

Dann aber der zweite Teil: mit der historischen Realität haben das Mysterium mit dem Schwert Caesars, die Sprüche des Ambrosinus (Ben Kingsley!), die kämpferischen Eskapaden der Mira, das Gerede und der Kokolores um mythische Zauberformeln, die echten und die scheinbaren Gegner in Britannien oder die Zustände dort sowie die kitschige Völkerversöhnung am Schluss nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Aus dem De Laurentiis-Stall ein formal gut gemachter, jedoch historisch fraglicher „Sandalen“-Schinken. Für Liebhaber.

Thomas Engel