Vorahnung, Die

Nach „Lautlos“ kommt Mennan Yapos emotionaler Thriller mit Sandra Bullock in der Hauptrolle. Zwar weiß der Film stellenweise vom Drehbuch zu überzeugen, dennoch mangelt es an der spannenden Umsetzung, sodass „Die Vorahnung“ lediglich ein gewöhnlicher Hollywood-Thriller mit wenigen Überraschungsmomenten bleibt.   

Webseite: www.dievorahnung.kinowelt.de

Premonition
USA 2007
Regie: Mennan Yapo
Darsteller: Sandra Bullock, Julian McMahon, Nia Long, Kate Nelligan, Peter Stormare, Amber Valetta
96 Minuten
Verleih: Kinowelt
Start: 11. Oktober 2007

PRESSESTIMMEN:

Pressestimmen unter film-zeit.de hier…

FILMKRITIK:

Der deutsch-türkische Regisseur Mennan Yapo aus München hat es nach nur zwei Filmen in die Welt  Hollywoods geschafft. Seinem Kurzfilmdebüt „Framed“ (1999), folgte der Thriller „Lautlos“  (2004) mit Joachim Król und Nadja Uhl in den Hauptrollen. Im Vorfeld zu „Die Vorahnung“ soll er sich gegen 35 andere Regisseure durchgesetzt haben, die von vom Produzententeam Ashok Amritraj und Sunil Pe rkash unter die Lupe genommen wurden. Ihr Wunsch, einen übersinnlichen Thriller im Stile von „The Sixth Sense“ oder „Memento“ zu verwirklichen, ist trotzdem gescheitert.
 
„Die Vorahnung“ erzählt von der klassischen, amerikanischen Idylle einer Middle-Class -Familie: Hausfrau Linda (Sandra Bullock) und ihr Mann Jim (Julian McMahon) bewohnen ein feines Zwanzigerjahre-Holzhaus, die beiden sechs- und achtjährigen Töchter Megan (Shyann McClure) und Bridgette (Courtney Taylor Burness) sind äußerst wohlgera ten, das gute Einkommen erlaubt auch einen Fernseher in der Küche und einen protzigen SUV-Jeep. Doch die heile Welt glänzt nur an der Oberflä che; Linda und Jim sind vom Alltag derart eingenommen, dass ihre Ehe zu einer wortkargen Zweckbeziehung geworden ist. Als er zu einer Geschäftsreise aufbricht, wird Linda wenige Stunden spä ter mit der Nachricht konfrontiert, dass ihr Mann bei einem Unfall umgekommen sei. Der anfänglichen Trauer folgt komplette Verwirrung, denn ihr Liebster steht am nächsten Morgen Kaffee schlürfend wieder in der Kü che. Alles nur ein Traum? 
 
Ab sofort ist Linda in einer scheinbaren Zeitschleife gefangen, in der die Tage vor dem tödlichen Unfall mit den Tagen danach abwechselnd aufeinander folgen. Hier beginnt die knifflige Schnitzeljagd einer v erzweifelten Ehefrau, die mit allen Mitteln versucht, den Tod ihres Mannes zu verhindern.
Die eigentlich spannende  Drehbuchfrage – Lässt sich das erlittene Schicksal rückgängig machen? – ist ein Urtraum der Menschheit und seit jüngerer Vergangenheit auch e ines der Lieblingsthemen von Hollywoods Produzenten (siehe Tony Scotts „Deja Vu“). Hier wird es leider lahm umgesetzt, denn Regisseur Mennan Yapo fehlt es an charakteristischer Handschrift und dem Gespür fü r Suspense und Atmosphäre, die er versucht beim Kollegen M. Night Shyamalan („The Sixth Sense“) abzugucken. Zwar verschaffte der Film Sandra Bullock den erfolgreichsten Filmstart ihrer Karriere, doch tä uscht die Tatsache nicht darüber hinweg, dass „Die Vorahnung“ nicht mehr als ein konventioneller Thriller ist – nur ohne die überraschenden Wendungen. 
 
An Glaubwürdigkeit verliert die Geschichte spätestens dann, als christliche Religiösitäät für das Übernatü rliche herhalten muss und Linda einen Pfarrer aufsucht, der ihr mit ein paar Floskeln neuen Lebensmut eintrichtern will. Da kann Sandra Bullock noch so rehäugig blicken, der simple Glaube an Gott und das tä gliche Beten sind nicht unbedingt die originellsten Drehbuchideen, vor allem dann nicht, wenn ein Film den Anspruch hat, als emotional-übernatürlicher Thriller zu überzeugen. So lebt „Die Vorahnung“  nur von wenigen spannenden Momenten, die im Ganzen zu wenig begeistern können. Von Mennan Yapos nächstem Film, dem Darfur-Actiondrama „Beyond The Sun“ (ab 2008 im Kino), kann man mit Sicherheit mehr erwarten.  

David Siems

 
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Die Parapsychologie, die Astrologie, die Ersatzreligionen, die Sekten, die Wahrsager, sie alle feiern fröhliche Urständ, haben Hochkonjunktur. Für ein solches Klima kommt der Film gerade recht.

Linda Hanson hat einen netten Mann, zwei reizende Kinder, ein Haus mit Garten. Sie könnte ein überdurchschnittlich gutes Familienleben führen. Könnte. Denn sie ist mit etwas ausgestattet, das gleichzeitig Gabe und Fluch ist. Sie hat in Träumen, aber auch am helllichten Tag Vorahnungen. Zukunftsbilder, die Realität werden, detailliert voraus geschaute Situationen, die eintreten. Wehe, wenn es sich um etwas Schlimmes handelt.

Das Phänomen ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Es gibt viele Menschen, die damit begabt sind. Das ist erwiesen.

Linda hat es nicht gut erwischt. Sie wird von dunklen Visionen heimgesucht. Eines Nachts sieht sie, wie ihr Mann Jim mit dem Auto tödlich verunglückt ist. Doch der sitzt am nächsten Morgen fröhlich in der Küche. Und so geht es weiter. Sie nimmt an seinem Begräbnis teil, doch Jim denkt nicht daran zu sterben. Sie hat einen Arzt konsultiert, den sie später zum ersten Mal sieht. Sie trifft auf eine blonde Frau mit verweinten Augen, die um Jim trauert. War sie gar seine Geliebte, oder ist sie es?

Linda schöpft aus einem Gespräch mit ihrem Pfarrer wieder Mut und Zuversicht, fährt an die Stelle, wo Jims Autounfall passiert sein soll – oder wirklich geschehen ist? Ein schreckliches Ereignis tritt ein.

Thematisch passt der Film gut in die angedeutete allgemeine Stimmung. Am meisten aber frappiert, wie die einzelnen Zeitebenen, Geschehnisse, Vermutungen und Realitäten dramaturgisch miteinander verflochten sind. Das ist von Regisseur Mennon Yapo gut gemacht und hält den Zuschauer ganz schön auf Trab. Bis zum Schluss reißen das Puzzle-Spiel, das Mitsuchen und die Spannung nicht ab. Ein ausgesuchter, ganz und gar nicht aller Aktualität entbehrender Stoff auf Unterhaltung getrimmt. Dass die einzelnen dazugehörigen Filmkomponenten Hollywood-Routine aufweisen, versteht sich von selbst.

Sandra Bullock ist Linda. Sie hat den richtigen Gesichtsausdruck, besitzt die nötigen darstellerischen Fähigkeiten. Ihre durchgehende, ganz auf Seelenleben ausgerichtete Präsenz überzeugt. Sie trägt den Film.

Dramaturgisch geschickte Darbietung eines teils parapsychologischen, teils bis in die Wirklichkeit vordringenden Themas.

Thomas Engel