Lights in the Dusk

Typisch Kaurismäki: Stilisiert, minimalistisch und mit dieser unnachahmlichen Lakonie erzählt der finnische Filmemacher dieses Mal von einem Wachmann, der sich durch seine Einsamkeit von einer blonden femme fatale ausnutzen lässt und beinah daran zu Grunde geht. Mit „Lights in the Dusk“, einem Wettbewerbsbeitrag beim diesjährigen Festival in Cannes, verbeugt sich Kaurismäki vor Chaplin, variiert film-noir-Elemente und komplettiert damit seine Trilogie über die finnische Gesellschaft und deren Außenseiter.

Webseite: www.panrorafilm.com

Originaltitel: Laitakaupungin valot
Finnland 2006
Regie und Drehbuch: Aki Kaurismäki
Darsteller: Janne Hyytiäinen (Koistinen), Maria Heiskanen (Aila), Maria Järvenhelmi (Mirja), Ilkka Koivula (Lindström)
78 Minuten, Farbe
Verleih: Pandora
Kinostart: n.n.

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Um Einsamkeit ging es eigentlich auch immer in den lakonischen Filmminiaturen von Aki Kaurismäki. „Lights in the Dusk“ hat er jetzt ganz diesem Thema gewidmet und verschnürt ihn mit „Wolken ziehen vorüber“ und „Der Mann ohne Vergangenheit“ zur Trilogie um die Verlierer und die Außenseiter der Gesellschaft. Stand in „Wolken ziehen vorüber“ die Arbeitslosigkeit im Zentrum, ging es in „Der Mann ohne Vergangenheit“ um Obdachlosigkeit und einen Mann mit Gedächtnisverlust, der sein zu Hause sucht.

Wie in diesen beiden Filmen bleibt Kaurismäki mit „Lights in the Dusk“ nicht nur thematisch ganz Kaurismäki: Die retrohaft stilisierten Bildkompositionen mit ihren teils kräftigen Farben sind minimalistisch wie eh und je, der Blick auf den Lauf der Dinge gewohnt lakonisch und die wortkargen Schauspieler ertragen ihr schweres Schicksal zu tief traurigen, alten Tangos einmal mehr mit ebenso schwer melancholischen Blicken. Nur hier und da fügt der Finne mit diesem Film seinem Werk die eine oder andere Nuance hinzu. Er verbeugt sich vor Chaplin und dem film noir, dessen wichtigste Versatzstücke man in „Lights in the Dusk“ wieder finden kann.

Diesmal steht ein Mann namens Koistinen im Zentrum der Geschichte, ein einfacher Wachmann, der in seiner Uniform nachts in einem Einkaufszentrum seine Runden geht. Er ist einsam. Nicht einmal seine Kollegen kennen seinen Namen, obwohl er bereits mehrere Jahre mit ihnen zusammenarbeitet. Die Einsamkeit treibt ihn schließlich in die Arme der femme fatale Mirja, ein blondes Gift mit tiefroten Lippen, die eigentlich Gefahr signalisieren. Die Zuneigung der Frau aus der Würstchenbude, an der er jeden Abend halt macht, bemerkt er ebenso wenig wie, dass er von Mirja nur ausgenutzt wird. Schließlich wurde sie von einem Gangsterboss nur darauf angesetzt, ihm den Kopf zu verdrehen, damit er sich problemlos für einen Überfall instrumentalisieren lässt.

Koistinen selbst geht dabei beinah an der Gesellschaft und an der Skrupellosigkeit seiner kriminellen Umgebung zu Grunde. Das traurige, triste Schicksal hängt wie tiefe Wolken über dem Leben Koitinens und wird auch in diesem Kaurismäki stoisch ertragen. Die Glücksmomente sind selten, so wie die langen Blicke diesmal auch nicht immer mit tiefer Emotion gefüllt sind. Eigentlich nur einmal lächelt Koitinen – in der Knacki-Gemeinschaft im Gefängnis. Doch Kaurismäki lässt seinen geprügelten Hund nicht einfach untergehen. Am Ende glüht die Hoffnung auf, in der Dämmerung, als ihm die Würstchenverkäuferin ihre helfende Hand reicht.

Sascha Rettig