Ein perfekter Platz

Sie macht es wie ihre Großmutter: weil die nicht wie geträumt im Luxus leben konnte, arbeitete sie wenigstens in dessen Umfeld. Und so begegnet die junge Jessica (Cécile de France) als Bistrokellnerin in Paris Starpianisten, Kunstsammlern und anderen zur besseren Gesellschaft gehörenden Menschen. Erstaunlich dabei: deren Leben im Rampenlicht zeitigt seine Spuren und offenbart die Sehnsucht nach dem wahren Glück. Mit großartigen Schauspielern und treffsicheren Dialogen zeichnet die vorwiegend als Drehbuchautorin in Erscheinung tretende Danièle Thompson ein erfrischendes komödiantisches Bild über das Theater des Lebens und den perfekten Platz darin – und landete in Frankreich damit einen großen Kinoerfolg!

Webseite: www.tobis.de

Fauteuils d’Orchestre
Frankreich 2006
Regie: Danièle Thompson
Darsteller: Cécile de France, Valérie Lemercier, Albert Dupontel, Claude Brasseur, Dani, Christopher Thompson, Sydney Pollack
105 Minuten
Verleih: Tobis
Start am 31.8.06

PRESSESTIMMEN:

Leichtfüßig verwegen sich kleine Episoden zu einer charmanten Liebeserklärung an die Künstlerszene. Knapp zwei Millionen Zuschauer haben sich den Film in Frankreich angesehen und werden es nicht bereut haben.
KulturSPIEGEL

Viel französischer Charme, eine Prise Melancholie und erstklassige Schauspieler in einem humorvollen Drama über Leben und Lieben in Paris.
Cinema

FILMKRITIK:

Ganz hinten ist zu weit weg, ganz vorne zu nah dran – der perfekte Platz im Theater- und Konzertsaal befindet sich demzufolge irgendwo dazwischen in der goldenen Mitte. Von ihm hängt ab, wie intensiv und konzentriert man sich dem Geschehen auf der Bühne widmen kann und für die Zeit der Unterhaltung glücklich fühlt. Doch wer bitte sagt, dass selbst der gefeierte Star auf der Bühne glücklich mit seinem Leben ist? Zu gerne würde der auf Jahre ausgebuchte Konzertpianist Jean-Francois Lefort (Albert Dupontel) seinen Frack einen Frack sein lassen und statt vor einem versnobten, sich selbst feiernden Publikum, in Krankenhäusern und Altenheimen spielen. Lefort ist in seiner Burn-Out-Verfassung dem Stardirigenten aus „Wir im Himmel“ nicht unähnlich. Eine geradezu neurotische Unzufriedenheit verströmt auch die gefeierte Künstlerin Catherine (Valérie Lemercier). Bekannt als Darstellerin einer Fernsehserie quält sie sich aktuell durch ein Bühnenlustspiel, träumt insgeheim aber von einer großen Filmrolle. Immerhin zu einer Erkenntnis ist der ins Rentenalter gekommene Unternehmer Jacques (Claude Brasseur) gekommen, der sich in einer Auktion von seinen über die Jahre gesammelten Kunstschätzen trennen will. 

Diesen und noch vielen anderen mehr oder weniger wichtigen Menschen begegnet die junge, aus der französischen Provinz nach Paris gekommene Jessica (Cécile de France). Durch die Erzählungen ihrer einst als Toilettenfrau in Pariser Luxushotels beschäftigten Großmutter (Suzanne Flon) neugierig geworden, will sie sich der Welt des Luxus nähern. Als Aushilfskellnerin in einem Bistro in der Rue de Montaigne, in dem sich regelmäßig die vor und hinter den Kulissen eines Theaters und eines Konzertsaales tätigen Menschen treffen, kommt sie ihrem Ziel einen entscheidenden Schritt näher. In diesem Umfeld begegnet sie auch der im Theater tätigen Concierge Claudie (Dani), deren Wohnung vielen Künstlern als Zufluchtsort im turbulenten Alltag dient. Doch weil sie kurz vor ihrer Verabschiedung in den Ruhestand steht, muss sich auch Claudie Gedanken über ihren künftigen Platz im Leben machen.

Es ist dieser unverstellte, naive Blick auf die Welt des Seins und Scheins, der hier zusammen mit humorvollen, treffsicheren Dialogen zu genauestens beobachteten Ergebnissen führt. Wie sehr Danièle Thompson, Tochter des bekannten französischen Regisseurs Gérard Oury und der Schauspielerin Jacqueline Roman, darin eine Meisterin ist, das zeigt die lange Liste der von ihr verfassten Drehbücher wie „La Boum – Die Fete“, „Die Bartholomäusnacht“, „Wer mich liebt nimmt den Zug“ oder der demnächst auch in deutschen Kinos startende „Der Hals der Giraffe".

Dass Thompsons dritte Regiearbeit dieses Frühjahr in Frankreich an die Spitze der Kinohitparade stürmte, verwundert auch in anderer Hinsicht nicht. Mit Claude Brasseur wirkt ein seit über 50 Jahren vor der Kamera stehender Routinier mit, die schon mit Truffaut und Chabrol zusammen arbeitende Sängerin und Schauspielerin Dani tritt als großer Fan bekannter französischer Künstler auf, nicht zuletzt spielt Sydney Pollack einen Regisseur, der gerne einen Film über Sartre und Simone de Beauvoir drehen möchte und in Catherine seine Idealbesetzung gefunden hat. Zufall oder nicht: in Pollacks in Paris spielendem Film „Sabrina“ spielte „Idealbesetzung“ Valérie Lemercier 1995 eine Nebenrolle. Und schließlich ist da ja auch noch die durch „Auberge Espagnole“ bekannt gewordene Cécile de France, die in dieser realistischen wie auch romantischen Komödie die Fäden zwischen den einzelnen Figuren auf eine unbekümmerte, freche wie erfrischende Weise zusammenhält.

Thomas Volkmann