Lone Survivor

Stilistisch eindrucksvoll, aber moralisch und ideologisch mehr als fragwürdig – das ist Peter Bergs Kriegsfilm „Lone Survivor“, der auf einer wahren Geschichte beruht, die sich 2005 in Afghanistan zugetragen hat. Wie so oft, wenn Hollywood in den Krieg zieht, geht es dabei weniger um Sinn und Zweck von Interventionen, sondern allein um den Heroismus, um Mut und Tapferkeit der amerikanischen Truppen.

Webseite: www.lone-survivor.de

USA 2013
Regie: Peter Berg
Buch: Peter Berg, nach dem Buch von Marcus Lutrell und Patrick Robinson
Darsteller: Mark Whalberg, Taylor Kitsch, Emile Hirsch, Ben Foster, Eric Bana, Yousuf Azami, Ali Suliman
Länge: 121 Minuten
Verleih: Universum/Squareone, Vertrieb: 24 Bilder 
Kinostart: 20. März 2014

FILMKRITIK:

Im Sommer 2005 bekam eine vierköpfige Einheit der amerikanischen Navy SEALS den Auftrag, ein hochrangiges Al-Qaida Mitglied zu töten. Tief in der afghanischen Bergregion legte sich das Quartett auf die Lauer, doch bevor sie ihre Mission beenden konnten, wurden sie zufällig von drei Schafhirten entdeckt und standen vor einer folgenschweren Entscheidung: Würden sie die Schäfer freilassen, wäre ihre Mission gefährdet, doch sie festzuhalten war auch unmöglich. Schließlich entschieden sich die Amerikaner, die Afghanen freizulassen und so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Doch auf der Flucht wurden sie von Taliban-Kämpfern angegriffen und kamen ums Leben. Bis auf Marcus Lutrell (Mark Whalberg), der sich durch das unwegsame Gelände schlug und von afghanischen Bergbauern gefunden wurde, die ihn vor den Taliban beschützten und schließlich zu einem amerikanischen Stützpunkt in Sicherheit brachten.
 
Besonders in Amerika wurde viel über die gescheiterte Mission berichtet, in der neben den drei SEALS noch 16 weitere Soldaten an Bord von zwei Hubschraubern starben, die bei Rettungsversuchen abgeschossen wurden. Aus dieser Geschichte hat Peter Berg nun einen Kriegsfilm gedreht, der selbst von manchen amerikanischen Kritikern als „Kriegs-Porno“ bezeichnet wurde.
 
Nicht ganz zu Unrecht, denn schon der Prolog macht deutlich, um was es hier geht: Da sieht man Dokumentaraufnahmen vom geradezu unmenschlichen Training der Navy SEALS, die sich für eine der härtesten Spezialeinheiten der Welt halten. Mit klaren Strichen zeichnet Berg dann den menschlichen Zusammenhalt der vier Hauptcharaktere, neben Mark Whalbergs Lutrell, Mike Murphy (Taylor Kitsch), Danny Dietz (Emile Hirsch) und Matt Axelson (Ben Foster). Vier bekannte Schauspieler-Gesichter also, die ganz auf der Seite des Guten stehen. Und hier fangen die fundamentalen Unterschiede zu Filmen über den Krieg an, wie sie in manchen anderen Ländern gemacht werden. Zum Beispiel Feo Aladags „Zwischen Welten“, der eine Woche nach „Lone Survivor“ ins Kino kommt und einen aufschlussreichen Gegenentwurf bietet. Während beim deutschen Afghanistan-Film die Ambivalenz dominiert, Zweifel am Sinn der Mission, moralische Abwägungen getroffen werden, die alles andere als heroische Folgen haben, ist die Hollywood-Version ganz klar: Zweifel an der Mission gibt es keine, am Krieg ohnehin nicht, die amerikanischen Soldaten sind brillant ausgebildet und treffen moralisch richtige Entscheidungen, auch wenn sie sich damit selbst in Gefahr bringen. Und im angesichts des Todes beweisen sie Heroismus und Opferbereitschaft.
 
Dass ist im amerikanischen Kriegsfilm natürlich keine Neuigkeit, wird aber selten so unkritisch und unreflektiert dargestellt, wie es Peter Berg hier tut. Stilistisch ist das durchaus eindrucksvoll, gerade die Geographie der zahlreichen Actionszenen ist erstaunlich klar, was im modernen Hollywoodkino, das zu konfusen Schnittgewittern neigt, keine Selbstverständlichkeit ist. Doch schon das Maß an Blut und zerfetzten Körpern zeigt eine etwas ungesunde Faszination mit dem Militarismus, die schließlich auch zu dem moralischen Vakuum führt, dass „Lone Survivor“ für auch nur ansatzweise pazifistische Menschen nur schwer zu verdauen macht.
 
Michael Meyns