Lonely Hearts Killers

Basierend auf den Taten der berüchtigten „Honeymoon Killers“ inszeniert Todd Robinson – Enkel des ermittelnden Polizisten – diesen stillvollen Thriller. Exzellent besetzt und ansprechend gefilmt überzeugt vor allem die Zeichnung des Killer-Pärchens, das Jared Leto und Salma Hayak als schmieriges Paar mit großer Inbrunst geben, ohne in eine überzeichnete Film Noir-Parodie abzudriften.

Webseite: www.lonely-hearts-killers.de

OT: Lonely Hearts
USA 2006
Regie: Todd Robinson
Buch: Todd Robinson
Kamera: Peter Levy
Schnitt: Kathryn Himoff
Musik: Mychael Danna
Darsteller: John Travolta, James Gandolfini, Jared Leto, Scott Caan, Salma Hayek, Laura Dern
108 Minuten
Format 1:2,35 (Scope)
Verleih: 3L Filmverleih
Kinostart: 22. Februar 2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Wie so viele Filme der letzten Jahre beginnt auch Lonely Hearts Killers mit dem Ende. Die Hinrichtung von Ray Martinez Fernandez (Jared Leto) und Martha Beck (Salma Hayek) steht unmittelbar bevor, die Karriere der Polizisten Elmer Robinson (John Travolta) und Charles Hildebrandt (James Gandolfini) ist gemacht. Wie es dazu kam wird nun aus Sicht Hildebrandts erzählt.

Ende der 40er Jahre verdingt sich der schmierige Gigolo Ray als Betrüger. Per Kontaktanzeige lernt er Kriegswitwen kennen und nimmt sie aus. Das geht so lange gut, bis er eines Tages auf Martha trifft, die ihm an Skrupellosigkeit noch überlegen ist. Von nun an machen sie gemeinsame Sache, geben sich als Geschwisterpaar aus und arbeiten sich entlang der amerikanischen Ostküste durch die Ersparnisse nach Liebe suchender einsamer Herzen. Der Selbstmord eines der Opfer bringt schließlich die Streifenpolizisten Robinson und Hildebrandt auf die Spur des Paares. Gegen den Willen seiner Kollegen, die den Fall möglichst schnell zu den Akten legen wollen, verbeißt sich Robinson in den Ermittlungen und wird schließlich mit dem größten Erfolg seiner Karriere belohnt.

Auf psychologischer Ebene versucht der Film mittels des zu Beginn gezeigten Selbstmords von Robinsons Frau, eine Verbindung zwischen den beiden Ebenen herzustellen, die nicht immer überzeugend wirkt. Die angedeutete Notwendigkeit Robinsons die Killer zu ergreifen, weil er davon überzeugt ist, dass der Tod des ersten Opfers nicht einfach ein Selbstmord war ist mehr Behauptung als glaubwürdiger dramaturgischer Dreh. So wirken die beiden Ebenen bisweilen etwas unzusammenhängend, was zwangsläufig auch dem Fluss des Films schadet.

Doch es gibt genug Elemente, die diese Schwäche aufwiegen. Da ist zum einen der überaus authentische Look, der die typischen Örtlichkeiten eines Film Noirs – muffige Polizeistationen, ranzige Hotelzimmer, baufällige Häuser und nicht zuletzt die weiten der amerikanischen Landschaft – viel überzeugender zum Leben erweckt als etwa der wesentlich aufwändiger produzierte Black Dahlia, bei dem man aber viel zu häufig merkte, dass er nicht in Amerika, sondern in Bulgarien gedreht wurde.

Lonely Hearts Killers ist zwar kleiner und nicht so elegant wie der ähnlich gelagerte De Palma Film, aber wesentlich glaubhafter. Vor allem Jared Leto als schmieriger Gigolo und Salma Hayek als vollkommen amoralische, vor Sex berstender Femme Fatale sind ein Erlebnis. In den besten Momenten fühlt man sich bei diesem immer weiter außer Kontrolle geratenden Paar, an ähnlich gelagerte Figuren in Film Noirs wie Gun Crazy oder They Drive by Night erinnert, in denen die unheilvolle Verbindung von Gewalt und Sex zur treibenden Kraft wird.

 

Michael Meyns

 

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Zweite Hälfte der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ray und Martha, eine Art Bonnie-and-Clyde-Pärchen, haben sich auf etwas ganz besonderes spezialisiert. Sie schmeicheln sich bei Zweite-Weltkriegs-Witwen ein, rauben sie aus und töten sie dann. Überall sind sie tätig, eine blutige Spur zieht sich durch mehrere amerikanische Bundesstaaten.

Die Detektive Elmer Robinson und Charles Hildebrandt versuchen, des Gangsterpärchens habhaft zu werden. Leicht ist das nicht, weil es in den USA keine behördliche Meldepflicht gibt, weil die Anhaltspunkte äußerst spärlich sind, weil Kompetenzgerangel in den einzelnen Bundesstaaten entsteht, weil Ray und Martha immer wieder verschwunden sind, weil außer ein paar Briefen in Postfächern nichts Brauchbares zu finden ist.

Aber der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Die Hartnäckigkeit der Polizisten zahlt sich aus – wenn auch erst nach langer Zeit. Ray und Martha, die vielfachen Räuber und Mörder, landen beide auf dem elektrischen Stuhl.

Gar manches zeichnet diese Detektiv-Story aus: die über das ganze Land verteilten, gut ausgewählten Schauplätze und die sie begleitende Kameraarbeit; die frappierend gute filmische Rekonstruktion der Nachkriegszeit – man fühlt sich mitten drin und um Jahrzehnte zurückversetzt; das schnodderige, aber souveräne Spiel der beiden Hauptdarsteller John Travolta (als Elmer Robinson) und James Gandolfini (als Charles Hildebrandt). Es ist ein Genuss, ihnen zuzuschauen und zuzuhören.

Inszeniert wurde routiniert – ein durchweg überdurchschnittlicher Film. Und wegen seiner Qualitäten schätzungsweise auch in Filmkunsttheatern und Programmkinos am richtigen Platz.

Ein Detail noch: Regisseur Todd Robinson ist der Enkel jenes Polizisten Elmer Robinson, der die Gangster mit auf den elektrischen Stuhl brachte. Es handelt sich übrigens um ein Remake. Unter dem Titel „The Honeymoon Killers“ war die Geschichte 1970 schon einmal verfilmt worden.

Thomas Engel