In ihrer schwedischen Heimat zählen die Kinderbücher von Gunilla Wolde zu den Klassikern des Genres, in Deutschland sind sie dagegen kaum bekannt. Vielleicht ändert sich das durch Mia Fridthjofs Verfilmung „Lotte & Totte“, ein Kinderfilm im wahrsten Sinne des Wortes, bunt, magisch, klar und einfach erzählt und völlig frei vom überbordenden Exzess, den Animationsfilme aus Hollywood meist mit sich bringen.
Über den Film
Originaltitel
Lotte & Totte: Min første ven
Deutscher Titel
Lotte und Totte
Produktionsland
DK
Filmdauer
65 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
Ronnie Fridthjof
Regisseur
Mia Fridthjof
Verleih
Der filmverleih GmbH
Starttermin
20.08.2026
Vier Jahre alt ist die kleine Lotte und unglücklich. Denn nach der Geburt eines kleinen Bruders sind ihre Eltern aus der Stadt in eine ruhigere Gegend gezogen. Dort bewohnt die Familie zwar ein schönes Haus mit großem Garten, doch ganz ohne ihre alten Freunde fühlt sich Lotte einsam und allein.
Auch ihr Teddy ist kein rechter Spielgenosse, doch dann entdeckt sie im Garten ein Loch in der Hecke, der wie ein verwunschener Gang wirkt. Auf der anderen Seit trifft Lotte auf den gleichaltrigen Totte, der schnell ihr bester Freund wird.
Gemeinsam toben sie durch den Garten, kochen aufwändige Kuchen, gehen zusammen mit Tottes lustiger Oma am Strand schwimmen und bauen Burgen. Auch Tottes orangene Tigerkatze gehört dazu, doch dann gibt es beim Bau eines Zelt Streit. Ist dies das Ende der Freundschaft?
Ende der 60er Jahre begann die aus Göteborg stammende Gunilla Wolde für ihre eigene Kinder Geschichten zu schreiben, die ganz anders als die Kinderbücher der Zeit nicht von Tieren handelten, sondern von kleinen Kindern. Ein befreundeter Nachbar erkannte das Potential der Geschichten und so begann die Erfolgsgeschichte. In Schweden und den anderen skandinavischen Ländern zählen die zahlreichen Bücher um Totte und Lotte, ihre Elten und Großeltern und natürlich der Katze, längst zu den Klassikern der Kinderliteratur und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Erstaunlicherweise kaum ins deutsche, was angesichts der sonstigen Vorliebe der Deutschen für skandinavische Kinder- und Erwachsenenliteratur von Astrid Lindgren bis zur modernen Krimibegeisterung ein wenig überrascht.
Vielleicht ändert sich das nun durch Mia Fridthjof Verfilmung, die aus den kurzen Geschichten Gunilla Woldes einen nur gut eine Stunde langen Film gemacht hat, der nicht nur durch seine überschaubare Länge mehr als Kindgerecht wirkt. Auch stilistisch hält sich Fridthjof zurück, die Ästhetik der Bilder ist geprägt von klaren Linien und Farben, die gezeigte Welt erstrahlt bunt und leuchtend, so dass auch die Wolken, die zwischendurch einmal aufziehen schnell vergehen.
In dieser Welt erleben Lotte und Totte ihre Abenteuer, erkunden mit Kinderaugen ihre Umgebung und verlieren sich immer wieder in ihrer Phantasie. Besonders Lotte malt sich gerne aus, was passieren könnte, was in kleinen Wölkchen visualisiert wird, die über ihrem Kopf auftauchen.
Im Gegensatz zu den oft überbordenden Animationsfilmen aus Hollywood, von Pixar bis zu den „Minions“, die sich bei allen Qualitäten oft in ausufernden Actionszenen und langen Verfolgungsjagden ergehen, bleibt „Lotte & Totte“ stets auf dem Boden. Mehr als ein kurzes Gerangel der Katzen gibt es hier nicht zu sehen, wenn sich die beiden Kinder für einen Moment streiten, ist die Freundschaft in Kürze wieder hergestellt.
Ein wenig schlicht mag das anmuten, wirkt in seiner Einfachheit aber wie ein angenehmer Kontrast, der weniger an Filme der Gegenwart erinnert, als an Animationsfilme aus den 70er oder 80er Jahren, als es auch im Kinderkino und Fernsehen noch deutlich gemächlicher zuging als heute. Einen altmodischen Film hat Mia Fridthjof mit „Lotte & Totte“ also gedreht, der nicht der deswegen ebenso ungewöhnlich wie sehenswert erscheint.
Michael Meyns







