Love and other Drugs – Nebenwirkungen inklusive

Er ist ein von sich mehr als überzeugter Frauenversteher, sie eine echte Kämpfernatur. Was passiert, wenn diese beiden Charaktere aufeinander treffen und sich ineinander verlieben, zeigt diese charmant-lässige Romanze. Ist die Geschichte auch weniger originell, als sie es vermutlich gerne wäre, so gefällt der Film nicht zuletzt aufgrund seiner erstklassigen Darsteller. Insbesondere Anne Hathaway darf sich erneut berechtige Hoffnungen auf eine Oscar-Nominierung machen.

Webseite: www.love-and-other-drugs.de

USA 2010
Regie: Edward Zwick
Drehbuch: Edward Zwick, Charles Randolph, Marshall Herskovitz
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Anne Hathaway, Josh Gad, Oliver Platt, Hank Azaria
Laufzeit: 112 Minuten
Kinostart: 13.1.2011
Verleih: TC Fox
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Es ist die Geschichte von „Boy meets Girl“: Jamie (Jake Gyllenhaal), ein erfolgreicher Pharmavertreter, der mit seinem unwiderstehlichem Charme so ziemlich jede Frau um den Finger wickeln kann, trifft auf Maggie (Anne Hathaway), die sich von nichts und niemandem in ihr Leben reinreden lässt. Sie erscheint gegenüber Fremden stark und selbstbewusst, dabei fühlt sie sich mitunter ziemlich schwach und hilflos. Das hängt vor allem mit ihrer Parkinson-Erkrankung zusammen. Maggie ahnt, dass die Krankheit sie immer mehr in ihren Gewohnheiten einschränken wird. Nach außen hin hält jedoch ihr Schutzpanzer. Gerade weil Maggie sich zunächst ziemlich unbeeindruckt von Jamies Avancen zeigt, weckt dies dessen Jagdinstinkt.

Von der ersten Begegnung dürfte nicht nur Maggie und Jamie klar sein, dass sie füreinander bestimmt sind. Auch der Zuschauer spürt, dass hier zwei Menschen aufeinander treffen, die etwas verbindet, was sich nur schwer in Worte fassen lässt. Egal wie man es nennt, Jake Gyllenhaal und Anne Hathaway transportieren genau dieses Gefühl – er gibt den Sunnyboy, sie den verletzlichen Freigeist –, wobei der Funke immer wieder glaubhaft zwischen ihren beiden Figuren überspringt. Maggie kann nicht ohne Jamie und umgekehrt. Damit ist zugleich schnell erklärt, warum „Love and other Drugs“ als eigentlich recht klassisch angelegte romantische Komödie so gut funktioniert. Das Ergebnis kann höchstens deshalb überraschen, wenn man bedenkt, dass mit Edward Zwick ein bislang eher action-orientierter Filmemacher („Glory“, „Last Samurai“) auf dem Regiestuhl Platz nahm.

Obwohl Maggies Erkrankung ziemlich viel Raum einnimmt, läuft der Film nie Gefahr, sich in der Sentimentalitätsfalle zu verfangen. Das liegt zuerst an Anne Hathaway und ihrer mutigen Darstellung einer mit sich und ihrem Schicksal ringenden jungen Frau. Dass sie Maggie nicht allein über die sichtbaren Symptome ihrer Krankheit definiert, ihr zugleich eine widersprüchliche Persönlichkeit schenkt, das macht ihr Schauspiel erst wirklich sehenswert. Ob dahinter bloßes Kalkül steckt – die Oscar-Jury liebt bekanntlich solche Rollen –, ist letztlich zweitrangig.

Auffallend ist dennoch, wie sehr „Love and other Drugs“ einem anderen Oscar-Liebling des vergangenen Jahres ähnelt. Mit Jason Reitmans „Up in the Air“ hat Zwicks bittersüße Lovestory einiges gemein. Jake Gyllenhaals Jamie ist anfangs ein ähnlich cooler, gerissener Blender wie der von George Clooney so überzeugend verkörperte Downsizing-Spezialist. Beide Figuren durchlaufen zudem in etwa dieselbe Entwicklung. Sie lernen, in ihrem Leben neue Prioritäten abseits des von Rastlosigkeit geprägten Jobs zu setzen. War das bei Reitman noch mit einer unmissverständlichen Kritik an einem Wirtschaftssystem verbunden, das den einzelnen Menschen ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet, so dient die Pharmaindustrie mit ihren Marketing-Auswüchsen hier allenfalls als Zielscheibe für gemäßigten Spott und Häme.

Abseits der für das Genre eher ungewöhnlichen Parkinson-Thematik und des latenten Indie-Anstrichs unterscheidet sich „Love and other Drugs“ nicht wesentlich von anderen romantisch eingefärbten Hollywood-Geschichten. Es findet sich sowohl ein schräger Sidekick – in diesem Fall Jamies pummeliger Bruder Josh (Josh Gad) – als auch ein ziemlich absehbares Wohlfühl-Ende. Das Meiste ist also weder neu noch sonderlich spannend. So wie die zwei Hauptdarsteller miteinander harmonieren, sieht man aber selbst dem Gewohnten gerne zu.

Marcus Wessel

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