LOve & MOtion

Bedeutet der Siegeszug von Digitalkameras und Fotohandys das Ende der Lomografie? Jener fotografischen Spaßdisziplin, die sich um Bildkonzepte scherte und dennoch in den Verdacht geriet, vielleicht sogar Kunst zu sein? Christian Schmidt-Davids Dokumentarfilm „LOve & MOtion“ jedenfalls erzählt die Geschichte der Lomografie und wie sie zu einem Trend wurde, blendet aber die wirtschaftliche Seite des Lomo-Geschäfts weitestgehend aus.

Webseite: www.kinostar.com/lomo

Deutschland 2005
Regie: Christian Schmidt-David
Dokumentarfilm mit Entdeckern, Erfindern, Entwicklern und Anhängern des Lomo-Trends
79 Minuten
Verleih: KinoStar
Start am 30.3.06

PRESSESTIMMEN:

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FILMKRITIK:

„Nimm die Kamera, knips fünf Filme – und Du fühlst Dich besser.“ So beschreibt einer der Lomografie-Erfinder die unglaubliche Wirkung nach Gebrauch der russischen Kompaktkamera, deren Produktion bereits kurz vor der Einstellung stand. Bei der Lomo-Kamera handelt es sich um eine schlichte Kompaktkamera mit einem lichtstarken 32-Millimeter Weitwinkelobjektiv. Maximal die Entfernung muss man bei ihr noch einstellen, beim Fotografieren gelten vor allem die aus der Hüfte geschossenen Schnappschüsse als lomografisch korrekt. Wer wird schon durch den Sucher sein Motiv auswählen? Je schriller und schräger das Bild, umso besser. Bunt sind die Motive meist sowieso.

Bemerkenswert ist das Phänomen der Lomografie an sich. Wie es ein Tiroler Studententrio in Wien Ende der 1990er Jahre nach der Entdeckung einer Lomokamera auf dem Flohmarkt fertig brachte, die eigene Faszination für das spontane Spaßfotografieren weltweit zu verbreiten, das verdient zweifelsfrei Respekt. Den euphorischen Schilderungen an die Pioniertage der Lomografie entgegen gesetzt sind nüchterne Aussagen der St. Petersburger Produktionsstätten. An die ersten Kontakte mit den Lomografie-Entdeckern erinnert sich der russische PR-Mann wie an ein Treffen mit Außerirdischen. Klar, dass sich aus Ereignissen und Erlebnissen wie diesen Kult entwickeln konnte.

Recht viel Raum nimmt das Philosophieren und Sinnieren über das Wesen der Lomografie ein. Die Russen wähnten sich hinsichtlich der auf Ausstellungen präsentierten Stellwände mit unzähligen nebeneinander angeordneten Bildabzügen beim „Blick durchs Schlüsselloch“, die Fangemeinde gefällt sich derweil in ihrem Größenwahn, was immer vor die Linse kommt, auch zu knipsen. Was einen durchschnittlichen Lomografiker sein Hobby kostet, das verrät der Film nicht.

Ab und an, wenn nicht gerade Interviewte von ihren Bezügen und Erlebnissen mit der Lomografie erzählen, versucht sich auch die Filmkamera in der Bildsprache der Lomo (die Wirkung freilich erreicht sie nicht), noch viel lieber aber lässt der vor allem im Bereich Werbe- und Imagefilme sowie für Videoclips aktive Regisseur Christian Schmidt-David eine Auswahl von knapp 1000 Schnappschüssen für die wahllose Bildvielfalt der Lomografie sprechen. So schnell wie ihre Anhänger knipsen, so schnell folgt hier Aufnahme auf Aufnahme, unterlegt mit einer coolen Loungemusik. Dass Schnappschüsse heute mit Digitalkameras und Fotohandys wesentlich kostengünstiger fotografiert werden können, das ficht die „Selbstverwirklichungsaktivisten“ nicht an. In ihrem gemeinsamen Hobby, für das sich in mittlerweile 60 Ländern „lomografische Botschaften“ zusammengeschlossen haben oder auf den rund 4000 eigenen Websites weltweit feiert sich die Gemeinde selbst, an ein Aussterben der Lomografie wird nicht geglaubt. Der gegenüber dem Thema nicht minder euphorische Dokumentarfilm „LOve & MOtion“ könnte nun eine gute Gelegenheit sein, in größerem Stil auf das schon länger nicht mehr auf den Kulturseiten der Medien behandelte Phänomen erneut aufmerksam zu machen. Allerdings scheint die Doku in Bezug auf die Bildqualität auf der Kinoleinwand fehl am Platz. Eingebettet in einen Themenabend im Fernsehen hingegen wäre nichts einzuwenden.

Thomas Volkmann